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Präoperative Anämie: S3-Leitlinie (AWMF/DGAI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Präoperative Anämie ist ein unabhängiger Risikofaktor für erhöhte Mortalität, Morbidität und Transfusionswahrscheinlichkeit.
  • Die Diagnostik sollte idealerweise 4-6 Wochen vor einem elektiven Eingriff erfolgen.
  • Eine 'blinde' Eisentherapie ohne vorherige Ursachenklärung wird nicht empfohlen; die Therapie muss ursachengerecht erfolgen.
  • Die WHO definiert Anämie als Hb < 13 g/dl bei Männern und Hb < 12 g/dl bei nicht-schwangeren Frauen.
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Hintergrund

Die präoperative Anämie ist ein unabhängiger Risikofaktor in der operativen Medizin und einer der häufigsten Prädiktoren für eine perioperative Transfusion von Erythrozytenkonzentraten. Die Prävalenz bei präoperativen Patienten liegt zwischen 10,5 % und 47,9 %. Die Definition der Anämie richtet sich nach den WHO-Kriterien:

  • Männer: Hb < 13 g/dl
  • Frauen (nicht schwanger): Hb < 12 g/dl
  • Frauen (schwanger): Hb < 11 g/dl

Risiken der unbehandelten präoperativen Anämie

Eine unbehandelte präoperative Anämie verschlechtert das postoperative Behandlungsergebnis signifikant. Dies gilt sowohl für kardiochirurgische als auch für nicht-kardiochirurgische Eingriffe.

EndpunktKardiochirurgieNicht-KardiochirurgieBemerkung
MortalitätErhöhtes RisikoErhöhtes RisikoAbhängig vom Schweregrad der Anämie
TransfusionSignifikant erhöhte RateSignifikant erhöhte RateUnabhängig von der Anämieursache
KrankenhausverweildauerVerlängertVerlängertVerlängerung um durchschnittlich 2,3 bis 4 Tage

Besondere Risikogruppen: Bei Patienten > 65 Jahre stellt das Alter einen zusätzlichen Risikofaktor für eine erhöhte Mortalität (Kardiochirurgie) sowie für eine erhöhte Transfusionsrate und verlängerte Verweildauer (Nicht-Kardiochirurgie) dar.

Ursachen

Die Ursachen einer präoperativen Anämie lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen:

KategorieMögliche Ursachen
Verlust / BlutungAkute/chronische gastrointestinale oder urogenitale Blutungen, Menstruation, Tumore
BlutbildungsstörungenEisenmangel (häufigste Ursache), Vitamin-B12-/Folsäuremangel, Renale Anämie, Anämie chronischer Erkrankungen (Tumore, Infektionen)
Abbau (Hämolyse)Kugelzellanämie, Autoimmunhämolytische Anämien, Malaria, Hypersplenismus

Diagnostik

Die Diagnostik sollte rechtzeitig, idealerweise 4-6 Wochen vor der elektiven Operation, durchgeführt werden. Bei einer Transfusionswahrscheinlichkeit von > 10 % für einen elektiven Eingriff sollte eine Anämie zwingend ausgeschlossen werden. Die Leitlinie empfiehlt ein zweizeitiges Vorgehen:

Schritt 1: Basisdiagnostik

  • Bestimmung von Hb-Wert, MCV (mittleres korpuskuläres Volumen) und MCH
  • Kontrolle der Nierenwerte (Kreatinin, GFR)
  • Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten)

Schritt 2: Erweiterte Ursachenklärung (je nach MCV-Befund)

  • Mikrozytär (MCV < 80 fl): Verdacht auf Eisenmangel. Parameter: Serum-Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung (TfSat), löslicher Transferrinrezeptor (sTfR).
  • Makrozytär (MCV > 100 fl): Verdacht auf Vitamin-B12- oder Folsäuremangel. Parameter: Vitamin B12, Folsäure, ggf. Holotranscobalamin, Homocystein.
  • Normozytär (MCV 80-95 fl): Ausschluss einer renalen Anämie (Retikulozyten, GFR) oder Anämie chronischer Erkrankungen (Hepcidin). Bei Hämolyse-Verdacht: LDH, indirektes Bilirubin, Haptoglobin.

Therapie

Die Therapie der präoperativen Anämie muss rechtzeitig und kausal in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Diagnostik erfolgen.

  • Ursachengerechte Therapie: Eine "blinde" Therapie mit Eisen ohne vorherige Ursachenklärung wird nicht empfohlen.
  • Eisentherapie: Bei nachgewiesenem Eisenmangel kann eine Therapie mit Eisen (i.v. oder oral) erfolgen, um den präoperativen Hb-Wert anzuheben und die Häufigkeit perioperativer Transfusionen zu vermindern.
  • Interdisziplinäre Abstimmung: Zur weiterführenden Klärung und Therapieplanung sollten Hämato-Onkologen, Internisten und Labormediziner konsiliarisch hinzugezogen werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie die Anämiediagnostik (inkl. MCV, MCH, Retentionsparametern und CRP) idealerweise 4-6 Wochen vor einem elektiven Eingriff mit >10% Transfusionswahrscheinlichkeit durch. Verzichten Sie auf eine 'blinde' Eisentherapie ohne vorherige Ursachenklärung.

Häufig gestellte Fragen

Gemäß WHO bei Männern < 13 g/dl und bei nicht-schwangeren Frauen < 12 g/dl.
Idealerweise 4 bis 6 Wochen vor dem geplanten elektiven Eingriff.
Bestimmung von Hb, MCV, MCH, Kreatinin, GFR, CRP und Leukozyten.
Nein, die Leitlinie rät von einer 'blinden' Eisentherapie ohne vorherige Ursachenklärung ab. Die Therapie muss ursachengerecht erfolgen.
Sie ist mit einer erhöhten Mortalität, einer signifikant höheren Transfusionsrate und einer verlängerten Krankenhausverweildauer assoziiert.

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