Aviäre Influenza A(H5): Impfung bei Hochrisikogruppen
Hintergrund
Die WHO hat 2025 eine aktualisierte Leitlinie zum Einsatz von zugelassenen humanen Influenza-A(H5)-Impfstoffen veröffentlicht. Diese bezieht sich spezifisch auf die interpandemische Phase sowie die sogenannte Emergenzphase, in der noch keine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet.
In den letzten Jahren hat sich die Epidemiologie der Influenza-A(H5N1)-Viren stark verändert. Insbesondere Viren der Klade 2.3.4.4b haben sich geografisch massiv ausgebreitet und infizieren zunehmend auch verschiedene Säugetierarten.
Bislang gibt es keine Hinweise auf eine anhaltende Übertragung zwischen Menschen. Dennoch kommt es vermehrt zu sporadischen humanen Infektionen nach direktem oder indirektem Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Umgebungen.
Empfehlungen
Primäres Ziel
Laut Leitlinie ist das primäre Ziel der Impfung in der aktuellen Phase die Prävention von schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen. Dies gilt insbesondere für Personen mit einem deutlich erhöhten Infektionsrisiko durch Influenza-A(H5)-Viren.
Zielgruppen für die Impfung
Die Leitlinie empfiehlt, die Impfung für spezifische Risikogruppen in Betracht zu ziehen. Für die Allgemeinbevölkerung wird die Impfung aufgrund des derzeit geringen Risikos nicht empfohlen. Folgende Gruppen werden priorisiert:
-
Laborpersonal, das mit Influenza-A(H5)-Viren arbeitet oder diese kultiviert.
-
Ersthelfer bei Ausbrüchen unter Tieren, insbesondere bei der Keulung, Entsorgung oder Reinigung.
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Personen mit kontinuierlichem Tierkontakt in betroffenen Gebieten (z. B. Geflügelarbeiter, Tierärzte, Landwirte).
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Medizinisches Personal, das Verdachtsfälle oder bestätigte humane A(H5)-Fälle in entsprechenden Einrichtungen behandelt.
Entscheidungsfaktoren für nationale Behörden
Es wird empfohlen, dass nationale Behörden bei der Entscheidung über den Impfstoffeinsatz verschiedene Faktoren in Kombination bewerten. Die Leitlinie definiert hierfür folgende Kernaspekte:
| Kategorie | Zu berücksichtigende Faktoren |
|---|---|
| Tierisch | Anteil betroffener Tiere, Zunahme infizierter Tierarten, Ausmaß der Ausbreitung und Zoonoserisiko |
| Menschlich | Anzahl und Schweregrad humaner Fälle, Infektionsquellen, epidemiologische Trends |
| Virologisch | Zirkulierende Klade, Passgenauigkeit des Impfstoffs, Mutationen mit erhöhtem Risiko für humane Übertragung |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass die Influenza-A(H5)-Impfung lediglich eine ergänzende Maßnahme darstellt. Es wird darauf hingewiesen, dass die Impfung andere Schutzmaßnahmen wie das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) nicht ersetzt. Ebenso bleibt die prophylaktische oder postexpositionelle Gabe von antiviralen Medikamenten ein essenzieller Bestandteil des Infektionsschutzes.
Häufig gestellte Fragen
Laut WHO-Leitlinie wird die Impfung derzeit nur für Personen mit hohem beruflichen Expositionsrisiko empfohlen. Dazu zählen unter anderem Laborpersonal, Tierärzte, Geflügelarbeiter und medizinisches Personal, das infizierte Personen behandelt. Eine Impfung der Allgemeinbevölkerung ist nicht vorgesehen.
Die Leitlinie gibt an, dass alle derzeit zugelassenen A(H5)-Impfstoffe ein Schema aus zwei Dosen erfordern. Diese sollten in einem Abstand von mindestens 21 Tagen verabreicht werden.
Es wird in der Leitlinie beschrieben, dass die saisonale Grippeimpfung keine neutralisierenden Antikörper gegen die aktuellen A(H5N1)-Viren der Klade 2.3.4.4b erzeugt. Dennoch wird die Rolle einer möglichen zellulären Kreuzimmunität durch frühere Infektionen oder Impfungen noch weiter erforscht.
Die Leitlinie beschreibt das Sicherheitsprofil als ähnlich zu saisonalen Grippeimpfstoffen, wobei lokale Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle am häufigsten sind. Da die meisten A(H5)-Impfstoffe Adjuvanzien enthalten, wird eine leicht erhöhte Reaktogenität im Vergleich zu nicht-adjuvantierten Impfstoffen erwartet.
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Quelle: WHO guidance on the use of licensed human influenza A(H5) vaccines for the interpandemic and emergence periods (WHO, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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