Autismus (ASS) bei Kindern: Therapie und Management
Hintergrund
Autismus-Spektrum-Störungen sind durch qualitative Unterschiede in der sozialen Interaktion sowie durch eingeschränkte Interessen und repetitive Verhaltensweisen gekennzeichnet. Die NICE-Leitlinie CG170 fasst die evidenzbasierten Empfehlungen zur Unterstützung und zum Management bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren zusammen.
Häufig treten begleitende kognitive, sprachliche oder medizinische Probleme auf. Dazu gehören Schlaf- und Essstörungen, Angstzustände sowie herausforderndes Verhalten.
Die Prävalenz liegt bei mindestens 1 %, wobei Jungen häufiger diagnostiziert werden. Etwa 70 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen weisen mindestens eine weitere psychiatrische Begleiterkrankung auf.
Empfehlungen
Allgemeine Prinzipien und Umfeld
Die Leitlinie empfiehlt, allen betroffenen Kindern und Jugendlichen uneingeschränkten Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten zu gewähren. Jedem Kind sollte ein Fallmanager (Key Worker) zur Koordination der Versorgung zugewiesen werden.
Es wird geraten, das physische und soziale Umfeld anzupassen, um negative Einflüsse zu minimieren. Dazu gehören:
-
Bereitstellung visueller Hilfen (z. B. Bilder oder Symbole)
-
Anpassung des persönlichen Raums
-
Berücksichtigung individueller sensorischer Empfindlichkeiten bezüglich Licht und Lärm
Interventionen für Kernsymptome
Für die Kernmerkmale des Autismus wird eine spezifische soziale Kommunikationsintervention empfohlen. Diese sollte spielbasierte Strategien mit Eltern, Betreuern oder Lehrern umfassen, um die gemeinsame Aufmerksamkeit und das Engagement zu fördern.
Pharmakologische Therapien oder Exklusionsdiäten werden für die Behandlung der Kernsymptome ausdrücklich nicht empfohlen.
Management von herausforderndem Verhalten
Laut Leitlinie muss bei herausforderndem Verhalten zunächst nach Auslösern wie Schmerzen, Kommunikationsproblemen oder Umweltfaktoren gesucht werden. Als Erstlinientherapie wird eine psychosoziale Intervention empfohlen, die auf einer funktionalen Verhaltensanalyse basiert.
Wenn psychosoziale Maßnahmen nicht ausreichen, kann der Einsatz von Antipsychotika erwogen werden. Die Medikation sollte von einem Spezialisten eingeleitet und überwacht werden.
Dabei gelten folgende Prinzipien:
-
Beginn mit einer niedrigen Dosis
-
Überprüfung der Wirksamkeit und Nebenwirkungen nach 3 bis 4 Wochen
-
Absetzen der Therapie, wenn nach 6 Wochen keine klinisch bedeutsame Besserung eintritt
Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)
Bei Vorliegen von Angststörungen wird eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen, sofern die kognitiven Fähigkeiten dies zulassen. Die CBT sollte durch visuelle Informationen, regelmäßige Pausen und die Einbindung von Spezialinteressen angepasst werden.
Bei Schlafstörungen wird zunächst die Erstellung eines Schlafplans empfohlen. Melatonin sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn nicht-pharmakologische Maßnahmen versagen und die Verordnung durch einen Spezialisten erfolgt.
Transition in die Erwachsenenmedizin
Die Leitlinie empfiehlt eine Neubewertung des Versorgungsbedarfs im Alter von etwa 14 Jahren. Der Übergang in die Erwachsenenversorgung sollte in der Regel bis zum 18. Lebensjahr abgeschlossen sein.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät explizit von folgenden Interventionen zur Behandlung von Autismus ab:
-
Neurofeedback zur Behandlung von Sprach- und Sprechproblemen
-
Auditive Integrationstherapie
-
Omega-3-Fettsäuren zur Behandlung von Schlafstörungen
-
Sekretin, Chelat-Therapie und hyperbare Sauerstofftherapie in jeglichem Kontext
Zudem wird betont, dass Antipsychotika, Antidepressiva, Antikonvulsiva und Exklusionsdiäten (wie gluten- oder kaseinfreie Diäten) nicht für das Management der Kernsymptome eingesetzt werden sollen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass herausforderndes Verhalten häufig durch unerkannte Schmerzen, Kommunikationsdefizite oder Umweltfaktoren ausgelöst wird. Es wird dringend empfohlen, Antipsychotika nicht als erste Wahl einzusetzen, sondern primär diese Auslöser zu identifizieren und psychosoziale Interventionen anzuwenden. Sollten Antipsychotika unvermeidbar sein, wird ein strenges Monitoring mit einem Absetzversuch nach 6 Wochen bei fehlendem Ansprechen angeraten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt spezifische soziale Kommunikationsinterventionen, die spielbasierte Strategien nutzen. Diese sollen gemeinsam mit Eltern oder Lehrern durchgeführt werden, um die Interaktion und Kommunikation zu fördern.
Der Einsatz von Antipsychotika wird nur bei schwerem herausforderndem Verhalten erwogen, wenn psychosoziale Interventionen nicht ausreichen. Die Einleitung muss durch einen Spezialisten erfolgen und die Wirksamkeit nach 3 bis 4 Wochen streng kontrolliert werden.
Es wird primär die Erstellung und Umsetzung eines strukturierten Schlafplans empfohlen. Eine medikamentöse Therapie mit Melatonin sollte laut Leitlinie nur durch einen Spezialisten erfolgen, wenn Verhaltensmaßnahmen erfolglos bleiben.
Es wird empfohlen, die CBT durch visuelle Hilfsmittel, strukturierte Arbeitsblätter und regelmäßige Pausen an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen. Zudem kann die Integration von Spezialinteressen des Kindes die Therapie unterstützen.
Die Leitlinie rät, den fortbestehenden Behandlungsbedarf bereits im Alter von etwa 14 Jahren neu zu bewerten. Der formelle Übergang sollte strukturiert geplant und bis zum 18. Lebensjahr abgeschlossen sein.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Autism spectrum disorder in under 19s: support (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
CG170: Autism spectrum disorder in under 19s
Autism spectrum disorder in adults
NICE Guideline on Autism Spectrum Disorder
SIGN 145: Assessment, Diagnosis and Interventions for Autism Spectrum Disorders
NG11: Challenging behaviour and learning disabilities: prevention and interventions for people with learning disabilities whose behaviour challenges
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen