Autismus (ASS) bei Erwachsenen: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Autismus ist eine lebenslange neurologische Entwicklungsstörung. Sie ist durch anhaltende Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype Verhaltensweisen, Widerstand gegen Veränderungen oder eingeschränkte Interessen gekennzeichnet.

Erwachsene im Autismus-Spektrum erleben häufig soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung. Zudem weisen sie eine höhere Rate an koexistierenden psychischen und physischen Erkrankungen sowie anderen Entwicklungsstörungen auf.

Die NICE-Leitlinie CG142 bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und zum Management von Autismus bei Erwachsenen. Ziel ist es, den Zugang zu Versorgungsangeboten zu verbessern und eine strukturierte, multiprofessionelle Betreuung zu gewährleisten.

Empfehlungen

Screening und Diagnostik

Die Leitlinie empfiehlt bei Erwachsenen ohne mittelgradige oder schwere Intelligenzminderung den Einsatz des Autism-Spectrum Quotient – 10 items (AQ-10) als Screening-Instrument. Bei einem Score von 6 oder höher wird ein umfassendes diagnostisches Assessment angeraten.

Für das umfassende Assessment wird ein multiprofessionelles Team gefordert. Es wird empfohlen, formale Instrumente wie das Adult Asperger Assessment (AAA), ADOS-G oder ADI-R zu nutzen.

Laut Leitlinie sollen biologische Tests, genetische Untersuchungen oder Neuroimaging nicht routinemäßig zur Diagnosestellung eingesetzt werden.

Psychosoziale Interventionen

Für Erwachsene ohne oder mit leichter Intelligenzminderung empfiehlt die Leitlinie spezifische psychosoziale Interventionen. Dazu gehören:

  • Gruppenbasierte oder individuelle soziale Lernprogramme zur Verbesserung der Interaktion

  • Strukturierte Freizeitprogramme gegen soziale Isolation

  • Anti-Viktimisierungs-Interventionen zur Förderung von Entscheidungs- und Problemlösungsfähigkeiten

  • Individuell unterstützte Beschäftigungsprogramme zur Integration in den Arbeitsmarkt

Management von herausforderndem Verhalten

Vor dem Beginn spezifischer Interventionen bei herausforderndem Verhalten wird eine funktionale Analyse empfohlen. Dabei sollen physische, soziale und umweltbedingte Auslöser sowie koexistierende psychische Störungen identifiziert werden.

Als Erstlinientherapie rät die Leitlinie zu psychosozialen Interventionen, die auf verhaltenstherapeutischen Prinzipien basieren.

Ein Einsatz von Antipsychotika wird nur erwogen, wenn psychosoziale Interventionen keine Wirkung zeigen oder das Verhalten zu schwerwiegend ist. Die Leitlinie fordert hierbei eine Überprüfung der Wirkung nach 3 bis 4 Wochen und ein Absetzen nach 6 Wochen, falls kein klinisch relevanter Nutzen erkennbar ist.

Koexistierende psychische Erkrankungen

Bei Begleiterkrankungen wird eine Behandlung gemäß den jeweiligen spezifischen NICE-Leitlinien empfohlen. Für kognitive Verhaltenstherapien (CBT) bei autistischen Erwachsenen rät die Leitlinie zu Anpassungen.

Diese Anpassungen umfassen einen konkreteren, strukturierteren Ansatz mit verstärktem Einsatz visueller und schriftlicher Informationen. Zudem wird empfohlen, den Fokus stärker auf Verhaltensänderungen als auf Kognitionen zu legen und Metaphern oder hypothetische Situationen zu vermeiden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät ausdrücklich vom Einsatz folgender Interventionen zur Behandlung der Kernsymptome von Autismus ab:

  • Antikonvulsiva, Antipsychotika und Antidepressiva (zur reinen Behandlung der Kernsymptome)

  • Chelat-Therapie und hyperbare Sauerstofftherapie

  • Ausschlussdiäten (z. B. gluten- oder kaseinfrei) sowie Vitamin- und Mineralstoffpräparate

  • Medikamente zur kognitiven Leistungssteigerung (z. B. Cholinesterasehemmer)

  • Oxytocin, Sekretin und Testosteron-Regulation

  • Gestützte Kommunikation (Facilitated Communication)

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei der Behandlung von koexistierenden psychischen Erkrankungen mittels kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) empfiehlt die Leitlinie eine deutliche Anpassung der Methodik. Es wird geraten, Metaphern, Mehrdeutigkeiten und hypothetische Konstrukte strikt zu vermeiden und stattdessen stark strukturiert, visuell gestützt und verhaltensorientiert zu arbeiten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den Autism-Spectrum Quotient – 10 items (AQ-10) für Erwachsene ohne mittelgradige oder schwere Intelligenzminderung. Ein Score von 6 oder höher rechtfertigt ein umfassendes Assessment.

Ein Einsatz wird nur empfohlen, wenn psychosoziale Interventionen versagen oder aufgrund der Schwere des Verhaltens nicht anwendbar sind. Die Therapie sollte nach 3 bis 4 Wochen überprüft und bei fehlendem Ansprechen nach 6 Wochen beendet werden.

Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich von Ausschlussdiäten wie gluten- oder kaseinfreier Ernährung zur Behandlung der Kernsymptome ab. Auch Vitamin- oder Mineralstoffpräparate werden nicht empfohlen.

Es wird empfohlen, auf sensorische Über- oder Unterempfindlichkeiten zu achten. Dazu gehören laut Leitlinie die Reduktion von fluoreszierendem Licht, die Vermeidung von Mustern an Wänden sowie die Anpassung des Lärmpegels.

Die Leitlinie stellt klar, dass Neuroimaging, genetische oder biologische Tests nicht routinemäßig für die Diagnosestellung von Autismus verwendet werden sollen.

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Quelle: Autism spectrum disorder in adults (NICE, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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