WHO2020

Arzneimittelpreispolitik: Referenzpreise und Rabatte

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2020) fasst systematische Übersichtsarbeiten zur Preisgestaltung von Arzneimitteln auf Länderebene zusammen. Ziel ist es, die Bezahlbarkeit von Medikamenten für Gesundheitssysteme und Patienten zu gewährleisten.

Hohe Arzneimittelpreise stellen weltweit eine zunehmende finanzielle Belastung dar. Die Leitlinie untersucht die Wirksamkeit von zehn verschiedenen politischen Maßnahmen zur Preisregulierung.

Dabei werden Auswirkungen auf Preis, Volumen, Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit analysiert. Die Evidenz basiert vorwiegend auf Beobachtungsstudien und Paneldaten aus verschiedenen Gesundheitssystemen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Erkenntnisse zu verschiedenen Preisregulierungen:

Übersicht der politischen Maßnahmen

Die Leitlinie vergleicht verschiedene Strategien zur Preisregulierung anhand ihrer Auswirkungen und der zugrundeliegenden Evidenz:

Politische MaßnahmeAuswirkung auf den PreisEvidenzgrad (GRADE)
Gebündelte BeschaffungSenkt Preise (weniger effektiv bei Monopolen)Moderat
Wertbasierte PreisgestaltungSenkt Stückkosten (Gesamtausgaben oft unkontrolliert)Moderat bis Sehr niedrig
Förderung von GenerikaSenkt Preise (steigert gleichzeitig das Volumen)Niedrig bis Moderat
ReferenzpreissystemeSenkt Preise kurzfristig (langfristige Effekte unklar)Moderat bis Sehr niedrig
Regulierung von PreisaufschlägenSenkt Preise (Risiko von Ausweichreaktionen)Niedrig

Gebündelte Beschaffung und Ausschreibungen

Die Leitlinie beschreibt, dass eine gebündelte Beschaffung (Pooled Procurement) wahrscheinlich zu niedrigeren Arzneimittelpreisen führt. Dieser Effekt ist laut Leitlinie in stark konzentrierten oder monopolisierten Märkten jedoch weniger ausgeprägt. Für Ausschreibungen und Preisverhandlungen (Tendering and Negotiation) reicht die Evidenz nicht aus, um eindeutige Effekte auf Preis oder Volumen zu belegen.

Förderung von Generika und Biosimilars

Es wird dargelegt, dass Maßnahmen zur Förderung von Generika deren Nutzung effektiv steigern. Die Leitlinie hebt folgende Punkte hervor:

  • Eine verpflichtende Generikasubstitution senkt die Preise für Generika deutlich.

  • Erstattungsrichtlinien, wie angepasste Zuzahlungsmodelle, wirken sich positiv auf die Nutzung aus.

  • Verschreibungsvorgaben für Ärzte erhöhen den Anteil an Generikaverordnungen.

Referenzpreissysteme und wertbasierte Preisgestaltung

Laut Leitlinie senken interne Referenzpreissysteme (generisch und therapeutisch) die Preise anfänglich effektiv. Diese Einsparungen sind jedoch oft nur von kurzer Dauer, da sich die Verschreibungsmuster ändern können. Die wertbasierte Preisgestaltung (Value-based Pricing) senkt zwar die Stückkosten, reicht aber oft nicht aus, um die Gesamtausgaben zu kontrollieren.

Preisaufschläge und Transparenz

Die Regulierung von Preisaufschlägen (Mark-up Regulation) entlang der Lieferkette kann die Endpreise reduzieren. Die Leitlinie warnt jedoch davor, dass Gesundheitseinrichtungen Einnahmeverluste durch teurere Alternativmedikamente oder höhere Servicegebühren kompensieren könnten. Nationale Maßnahmen zur Preistransparenz können die offiziellen Arzneimittelpreise senken, auch wenn die Evidenzlage hierzu begrenzt ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist darauf hin, dass isolierte Preisregulierungen oft zu Ausweichreaktionen führen. Es wird beschrieben, dass beispielsweise bei der Begrenzung von Preisaufschlägen häufig auf nicht regulierte, teurere Medikamente oder andere medizinische Dienstleistungen ausgewichen wird, um Einnahmeverluste zu kompensieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut WHO-Leitlinie führt die gebündelte Beschaffung meist zu niedrigeren Preisen. In stark monopolisierten Märkten ist dieser Effekt jedoch deutlich geringer.

Die Leitlinie zeigt, dass interne Referenzpreissysteme die Preise anfänglich effektiv senken. Langfristig können diese Einsparungen jedoch durch veränderte Verschreibungsmuster wieder aufgehoben werden.

Es wird dargelegt, dass eine verpflichtende Generikasubstitution in der Apotheke die Preise am effektivsten senkt. Auch gezielte Zuzahlungsmodelle und Verschreibungsvorgaben für Ärzte erhöhen den Generikaanteil signifikant.

Die wertbasierte Preisgestaltung (Value-based Pricing) kann laut Leitlinie die Stückkosten bestimmter Medikamente senken. Sie reicht jedoch oft nicht aus, um die Gesamtausgaben des Gesundheitssystems zu kontrollieren.

Die Leitlinie stellt fest, dass es an robuster Evidenz fehlt, um die Auswirkungen von Steuerbefreiungen oder Steuersenkungen auf die Endpreise von Arzneimitteln zu belegen. Entsprechende Studien mit starkem Design konnten nicht identifiziert werden.

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Quelle: Systematic reviews for the update of the WHO Guideline on country pharmaceutical pricing policies (WHO, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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