Antimikrobielles Stewardship: Therapie und Prävention
Hintergrund
Antimikrobielles Stewardship umfasst systemweite Ansätze zur Förderung eines rationalen Einsatzes von Antimikrobiotika. Ziel ist es, deren zukünftige Wirksamkeit zu erhalten und der zunehmenden Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.
Die NICE-Leitlinie NG63 fokussiert sich auf die Verhaltensänderung in der Allgemeinbevölkerung. Dabei werden sowohl die Reduktion einer unangemessenen Nachfrage nach Antibiotika als auch Maßnahmen zur Infektionsprävention adressiert.
Ein zentraler Aspekt ist die Aufklärung über selbstlimitierende Infektionen. Durch gezielte Kommunikation in der Primärversorgung und in Gemeinschaftseinrichtungen soll das Verständnis für den natürlichen Krankheitsverlauf gestärkt werden.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Reduktion des unangemessenen Einsatzes von Antimikrobiotika und zur Infektionsprävention:
Systemweite Ansätze und Aufklärung
Die Leitlinie empfiehlt die Bereitstellung von Ressourcen, um die Bevölkerung über selbstlimitierende Infektionen aufzuklären. Es wird geraten, die eigenständige Behandlung zu Hause zu fördern, sofern dies medizinisch sicher ist.
Laut Leitlinie sollen diese Informationsmaterialien folgende Aspekte umfassen:
-
Erkennung selbstlimitierender Infektionen
-
Anlaufstellen für weitere Beratung (z. B. Apotheken oder telefonische Hotlines)
-
Natürlicher Krankheitsverlauf und zu erwartende Dauer der Symptome
-
Maßnahmen zur Selbstversorgung (z. B. Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, rezeptfreie Präparate)
-
Explizite Warnhinweise (Red Flags) und Sicherheitsnetze (Safety-Netting)
Infektionsprävention
Zur Vermeidung von Infektionen wird eine breite Aufklärung über Hand- und Lebensmittelhygiene empfohlen. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit des gründlichen Händewaschens mit flüssiger Seife und lauwarmem Wasser, insbesondere nach dem Toilettengang und vor der Nahrungsaufnahme.
Für Bildungseinrichtungen und Kinderbetreuungen wird ein ganzheitlicher Ansatz zur Infektionsprävention empfohlen. Dies beinhaltet die altersgerechte Aufklärung von Kindern über Hygiene und den angemessenen Einsatz von Antimikrobiotika.
Kommunikation in der Primärversorgung
Bei Anfragen zu selbstlimitierenden Infektionen wird empfohlen, Ratschläge zur Selbstversorgung zu erteilen und schriftliche Informationsmaterialien auszuhändigen. Die Leitlinie rät dazu, die Kernbotschaften der Materialien im Gespräch verbal zu unterstreichen.
Es wird empfohlen, Apotheken als leicht zugängliche erste Anlaufstelle für die Beratung bei selbstlimitierenden Infektionen zu bewerben.
Die Leitlinie definiert spezifische Kommunikationsstrategien in Abhängigkeit von der Verschreibungssituation:
| Verschreibungssituation | Empfohlene Beratungsinhalte laut Leitlinie |
|---|---|
| Antimikrobiotika verschrieben | Aufklärung über korrekte Einnahme, Verbot der Weitergabe an Dritte, Rückgabe von Restmengen an die Apotheke. |
| Reserve-Rezept (Delayed Prescription) | Beratung zur Selbstversorgung, Indikation für das Medikament, Kriterien für den Behandlungsbeginn und Beschaffung. |
| Keine Antimikrobiotika verschrieben | Mündliche und schriftliche Beratung zur eigenständigen Symptomlinderung und zum Krankheitsverlauf. |
Safety-Netting
Unabhängig von einer Verschreibung wird ein umfassendes Safety-Netting für alle Personen mit einer Infektion empfohlen.
Dies sollte laut Leitlinie folgende Informationen beinhalten:
-
Erwartete Dauer der Symptome (mit und ohne Medikation)
-
Verhaltensregeln bei einer Verschlechterung des Zustands
-
Vorgehen bei möglichen Nebenwirkungen der Behandlung
-
Kriterien für eine erneute ärztliche Vorstellung
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick in der Praxis ist die unzureichende Aufklärung bei Verzicht auf eine Antibiotikagabe. Die Leitlinie betont, dass ein strukturiertes Safety-Netting unabhängig von der Verschreibung erfolgen sollte. Es wird empfohlen, stets konkrete Zeitfenster für die zu erwartende Symptomdauer und klare Warnsignale (Red Flags) für eine erneute Vorstellung zu kommunizieren.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, Betroffene genau darüber aufzuklären, unter welchen Umständen das Reserve-Rezept eingelöst werden soll. Es wird geraten, klare Kriterien für den Behandlungsbeginn sowie Maßnahmen zur Überbrückung durch Selbstversorgung zu benennen.
Laut Leitlinie umfasst ein adäquates Safety-Netting Informationen zur erwarteten Symptomdauer und zum Vorgehen bei einer klinischen Verschlechterung. Zudem wird empfohlen, auf mögliche Nebenwirkungen hinzuweisen und Kriterien für eine erneute ärztliche Konsultation zu definieren.
Die Leitlinie hebt die Rolle von Apotheken als niederschwellige erste Anlaufstelle für die Beratung bei selbstlimitierenden Infektionen hervor. Es wird empfohlen, Betroffene aktiv auf diese Beratungsmöglichkeit zur Symptomlinderung hinzuweisen.
Es wird dringend empfohlen, darauf hinzuweisen, übrig gebliebene Antimikrobiotika nicht für einen späteren Gebrauch aufzubewahren. Die Leitlinie rät dazu, Reste zur sicheren Entsorgung in die Apotheke zurückzubringen und keinesfalls über das Abwasser zu entsorgen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: NG63: Parkinson's disease in adults (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Antimicrobial stewardship: systems and processes for effective antimicrobial medicine use
IDSA/SHEA: Antimicrobial Stewardship
Antimicrobial stewardship programmes in health-care facilities in low-and middle-income countries: a WHO practical toolkit
Implementing an ASP
WHO Guidelines on Core Components of Infection Prevention and Control
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen