Nebenniereninsuffizienz: Diagnostik & Notfallmanagement

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Nebenniereninsuffizienz ist durch eine unzureichende Produktion von Kortikosteroiden wie Glukokortikoiden und Mineralokortikoiden gekennzeichnet. Sie wird in primäre, sekundäre und tertiäre Formen unterteilt.

Eine unzureichende Behandlung oder das plötzliche Absetzen von Glukokortikoiden kann zu einer lebensbedrohlichen Nebennierenkrise führen. Häufige Auslöser für eine solche Krise sind gastrointestinale Erkrankungen, Infektionen, Operationen und starker physiologischer Stress.

Die NICE-Leitlinie NG243 bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Identifikation und routinemäßigen medikamentösen Einstellung der Erkrankung. Zudem werden das Management in Stress- und Notfallsituationen sowie das sichere Ausschleichen von Glukokortikoiden detailliert behandelt.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Nebenniereninsuffizienz wird ein Serum-Kortisol-Test zwischen 8:00 und 9:00 Uhr morgens empfohlen. Für Säuglinge unter einem Jahr kann die Messung laut Leitlinie zu jeder Tageszeit erfolgen, erfordert jedoch eine pädiatrische Interpretation.

Die Interpretation des morgendlichen Serum-Kortisol-Wertes bei Erwachsenen und Kindern ab 1 Jahr erfolgt nach folgendem Schema:

Serum-Kortisol (8-9 Uhr)InterpretationEmpfohlenes Vorgehen
Unter 150 nmol/lNebenniereninsuffizienz wahrscheinlichEndokrinologische Überweisung und Therapiestart erwägen
150 bis 300 nmol/lWahrscheinlichkeit unklarTest wiederholen oder endokrinologische Vorstellung
Über 300 nmol/lNebenniereninsuffizienz sehr unwahrscheinlichKeine weitere Diagnostik bezüglich NNI erforderlich

Therapie und Notfallvorsorge

Für die primäre Nebenniereninsuffizienz wird eine Kombination aus Glukokortikoiden und Mineralokortikoiden empfohlen. Bei der sekundären und tertiären Form ist laut Leitlinie ausschließlich eine Glukokortikoid-Gabe indiziert.

Es wird empfohlen, Patienten mit primärer und sekundärer Nebenniereninsuffizienz mit zwei bis drei Notfallsets auszustatten. Diese sollten intramuskuläres Hydrokortison, Spritzen, Nadeln und eine verständliche Anleitung enthalten.

Management bei physiologischem Stress (Sick-Day Rules)

Bei physiologischem Stress wie Fieber oder Trauma wird eine Dosiserhöhung der oralen Glukokortikoide empfohlen. Die Leitlinie rät dazu, Patienten für diese Phasen zusätzliche Medikamentenreserven zur Verfügung zu stellen.

Wenn ein Patient innerhalb von 30 Minuten nach der oralen Einnahme erbricht, sollte die Dosis nach Abklingen des Erbrechens verdoppelt werden. Bei erneutem Erbrechen wird die intramuskuläre Gabe von Hydrokortison und das Aufsuchen einer Notaufnahme empfohlen.

Notfallmanagement der Nebennierenkrise

Bei Verdacht auf eine Nebennierenkrise wird die sofortige intravenöse oder intramuskuläre Gabe von Hydrokortison empfohlen. Die Leitlinie betont, dass diese Maßnahme auch durch Laien mittels Notfallset erfolgen kann.

Zusätzlich wird eine rasche Volumentherapie mit 1 Liter 0,9%iger NaCl-Lösung über 30 Minuten angeraten. Im Anschluss sollte eine kontinuierliche Hydrokortison-Gabe über 24 Stunden sowie eine engmaschige Überwachung der Vitalparameter erfolgen.

Monitoring und Nachsorge

Es werden regelmäßige klinische Kontrollen empfohlen, bei denen auf Zeichen einer Über- oder Unterdosierung geachtet wird. Routinemäßige Kortisol-Tagesprofile zur Dosisanpassung von Hydrokortison werden von der Leitlinie nicht empfohlen.

Glukokortikoid-Entzug

Für Patienten, die Glukokortikoide länger als 4 Wochen eingenommen haben und diese nicht mehr benötigen, wird ein schrittweises Ausschleichen empfohlen. Zunächst sollte die Dosis auf eine physiologische Äquivalenzdosis reduziert werden.

Anschließend kann ein langsameres Ausschleichen erfolgen. Die Leitlinie schlägt vor, die Dosis für zwei Wochen jeden zweiten Tag und danach für weitere zwei Wochen zweimal wöchentlich zu verabreichen, bevor sie komplett abgesetzt wird.

Dosierung

Routinemäßige Substitution bei Erwachsenen (ab 16 Jahren)

IndikationMedikamentTagesdosisHinweise
Primäre NNI / CAHHydrokortison15-25 mg oralAufgeteilt in 2-4 Dosen
Sekundäre / Tertiäre NNIHydrokortison15-25 mg oralAufgeteilt in 2-3 Dosen
Alle FormenPrednisolon3-5 mg oralAlternative bei Adhärenzproblemen
Primäre NNI / CAHFludrokortison50-300 µg oralDosis nach klinischem Ansprechen titrieren

Routinemäßige Substitution bei Kindern und Jugendlichen (1 bis unter 16 Jahre)

IndikationMedikamentTagesdosisHinweise
Primäre / Sekundäre / Tertiäre NNIHydrokortison8-10 mg/m² Körperoberfläche oralAufgeteilt in 3-4 Dosen
CAHHydrokortison9-15 mg/m² Körperoberfläche oralAufgeteilt in 3-4 Dosen
Primäre NNI / CAHFludrokortison50-300 µg oralDosis nach klinischem Ansprechen titrieren

Routinemäßige Substitution bei Säuglingen (unter 1 Jahr)

IndikationMedikamentTagesdosisHinweise
Primäre / Sekundäre / Tertiäre NNIHydrokortison8-10 mg/m² Körperoberfläche oralAufgeteilt in 3-4 gleiche Dosen
CAHHydrokortison9-15 mg/m² Körperoberfläche oralAufgeteilt in 3-4 gleiche Dosen
Primäre NNI / CAHFludrokortison50-200 µg oralHöhere Dosen können erforderlich sein

Dosisanpassung bei physiologischem Stress (Erwachsene)

SituationMedikamentDosisanpassungHinweise
Physiologischer Stress (Krankheit/Trauma)HydrokortisonMindestens 40 mg/Tag oralAufgeteilt in 2-4 Dosen bis zur Genesung
Physiologischer StressPrednisolonMindestens 10 mg/Tag oralAufgeteilt in 1-2 Dosen bis zur Genesung
Schwere Erkrankung / Sepsis (Klinik)Hydrokortison200 mg/24h i.v. oder 50 mg i.m./i.v. 4x täglichNach initialer Notfallgabe von 100 mg i.m./i.v.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt davor, bei Personen, die orale Glukokortikoide in physiologischer Äquivalenzdosis oder höher einnehmen, auf eine Nebenniereninsuffizienz zu testen.

Es wird davon abgeraten, Hydrokortison routinemäßig über subkutane Pumpen oder als intramuskuläre beziehungsweise intravenöse Dauertherapie zur täglichen Substitution einzusetzen.

Orale Östrogene führen zu falsch hohen Kortisolwerten. Es wird empfohlen, diese 6 Wochen vor einem Serum-Kortisol-Test abzusetzen.

Nach einer intramuskulären oder intraartikulären Glukokortikoid-Injektion sollte laut Leitlinie 4 Wochen mit einem Kortisol-Test gewartet werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass es in einer Notfallsituation bei Verdacht auf eine Nebennierenkrise kein Risiko für eine Überdosierung von Hydrokortison gibt. Es wird dringend empfohlen, die intramuskuläre oder intravenöse Injektion sofort zu verabreichen. Verzögerungen durch das Warten auf diagnostische Ergebnisse sollten laut Leitlinie unbedingt vermieden werden, da diese lebensbedrohlich sein können.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie spricht ein Wert unter 150 nmol/l für eine Insuffizienz, während Werte über 300 nmol/l diese sehr unwahrscheinlich machen. Bei Werten dazwischen wird eine Wiederholung des Tests oder eine fachärztliche Vorstellung empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt die Ausstattung mit intramuskulärem Hydrokortison (100 mg), Spritzen, Nadeln, einer schriftlichen Anleitung und einem Notfallausweis. Für Kinder wird zusätzlich ein Glukose-Gel empfohlen.

Wenn der Patient innerhalb von 30 Minuten nach der oralen Einnahme erbricht, wird empfohlen, die Dosis nach Abklingen des Erbrechens zu verdoppeln. Bei erneutem Erbrechen sollte laut Leitlinie intramuskuläres Hydrokortison verabreicht und die Notaufnahme aufgesucht werden.

Es wird empfohlen, die Dosis zunächst auf eine physiologische Äquivalenzdosis zu reduzieren. Danach kann ein Ausschleichen erfolgen, beispielsweise durch die Einnahme jeden zweiten Tag für zwei Wochen, gefolgt von zweimal wöchentlich für weitere zwei Wochen.

Bei starkem psychischem oder emotionalem Stress kann laut Leitlinie eine kurzzeitige Erhöhung der oralen Glukokortikoide (Sick-Day Dosing) für ein bis zwei Tage erwogen werden. Bei schweren psychischen Krisen kann auch eine intramuskuläre Gabe notwendig sein.

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Quelle: Adrenal insufficiency: identification and management (NICE, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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