Intravenöse Flüssigkeitstherapie: Bedarf und Monitoring
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG174 behandelt die intravenöse (IV) Flüssigkeitstherapie bei erwachsenen Krankenhauspatienten. Ziel ist die Vermeidung von Komplikationen durch Über- oder Unterversorgung mit Flüssigkeit und Elektrolyten.
Ausgeschlossen von dieser Leitlinie sind spezifische Patientengruppen wie Schwangere, Kinder unter 16 Jahren sowie Patienten mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes oder Verbrennungen. Ebenso gelten die Prinzipien nicht für die Intensivmedizin oder während Narkosen.
Die Leitlinie basiert auf dem Konzept der "5 R": Resuscitation (Wiederbelebung/Volumengabe), Routine maintenance (Erhaltungsbedarf), Replacement (Ersatz), Redistribution (Umverteilung) und Reassessment (Neubeurteilung).
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Initiale Beurteilung und Monitoring
Laut Leitlinie wird eine umfassende Beurteilung des Flüssigkeits- und Elektrolytbedarfs bei jeder Visite empfohlen. Dabei sollte die IV-Therapie nur zum Einsatz kommen, wenn der Bedarf nicht oral oder enteral gedeckt werden kann.
Für das Monitoring wird eine mindestens tägliche Reevaluation des klinischen Status, der Laborwerte (Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte) und der Flüssigkeitsbilanz empfohlen. Das Körpergewicht sollte zweimal wöchentlich dokumentiert werden.
Volumentherapie (Resuscitation)
Bei Bedarf an einer akuten Volumentherapie empfiehlt die Leitlinie die Verwendung von kristalloiden Lösungen mit einem Natriumgehalt von 130 bis 154 mmol/l. Diese sollten als Bolus von 500 ml über weniger als 15 Minuten verabreicht werden.
Folgende Einschränkungen werden für die Volumentherapie genannt:
-
Tetrastärke wird nicht empfohlen.
-
Humanalbumin (4 % bis 5 %) wird nur bei Patienten mit schwerer Sepsis als Option betrachtet.
Erhaltungstherapie (Routine maintenance)
Für die reine Erhaltungstherapie wird eine initiale Begrenzung der Zufuhr empfohlen. Die Leitlinie rät zu einer tageszeitlichen Verabreichung, um den Schlaf der Patienten zu fördern.
Bei adipösen Patienten (BMI über 40 kg/m²) wird empfohlen, die Verschreibung an das ideale Körpergewicht anzupassen und Expertenrat einzuholen. Die Gesamtmenge sollte laut Leitlinie selten 3 Liter pro Tag überschreiten.
Eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr (20 bis 25 ml/kg/Tag) wird für folgende Patientengruppen empfohlen:
-
Ältere oder gebrechliche Patienten
-
Patienten mit Nieren- oder Herzinsuffizienz
-
Mangelernährte Patienten mit Risiko für ein Refeeding-Syndrom
Dosierung
Die Leitlinie definiert den täglichen Basisbedarf für die Erhaltungstherapie (Routine maintenance) basierend auf dem Körpergewicht. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Kalium manuell in IV-Beutel zu spritzen.
| Parameter | Empfohlene Tagesdosis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wasser | 25 bis 30 ml/kg | Bei Adipositas an Idealgewicht anpassen |
| Natrium | ca. 1 mmol/kg | - |
| Kalium | ca. 1 mmol/kg | Auf verfügbare Standardlösungen runden |
| Chlorid | ca. 1 mmol/kg | - |
| Glukose | 50 bis 100 g | Zur Vermeidung einer Hunger-Ketose |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert klare Kontraindikationen und Warnhinweise für bestimmte Infusionslösungen.
Tetrastärke darf laut Leitlinie nicht für die akute Volumentherapie (Resuscitation) verwendet werden.
Zudem wird davor gewarnt, Kalium manuell in Infusionsbeutel hinzuzufügen, da dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich davor, Kalium manuell in intravenöse Flüssigkeitsbeutel zu mischen, da dies lebensgefährlich sein kann. Es wird empfohlen, den gewichtsadaptierten Kaliumbedarf stets auf die am nächsten liegende, kommerziell verfügbare Standard-Mischlösung zu runden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt kristalloide Lösungen mit einem Natriumgehalt zwischen 130 und 154 mmol/l. Diese werden typischerweise als 500-ml-Bolus über weniger als 15 Minuten verabreicht.
Für die reine Erhaltungstherapie wird ein Wasserbedarf von 25 bis 30 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag veranschlagt. Bei älteren Patienten oder bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz wird eine Reduktion auf 20 bis 25 ml/kg/Tag empfohlen.
Nein, die Leitlinie rät explizit vom Einsatz von Tetrastärke zur akuten Volumentherapie ab.
Laut Leitlinie wird der Einsatz von 4- bis 5-prozentigem Humanalbumin zur Volumentherapie nur bei Patienten mit schwerer Sepsis in Betracht gezogen.
Bei adipösen Patienten wird empfohlen, die Berechnung der Erhaltungstherapie auf das ideale Körpergewicht zu stützen. Die Leitlinie merkt an, dass selten mehr als 3 Liter Gesamtflüssigkeit pro Tag benötigt werden.
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Quelle: CG174: Intravenous fluid therapy in adults in hospital (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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