Olmesartan und Sprue-ähnliche Enteropathie: AkdÄ Warnung
Hintergrund
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert über das Risiko einer Sprue-ähnlichen Enteropathie unter der Therapie mit dem Angiotensinrezeptorantagonisten Olmesartan. Diese unerwünschte Arzneimittelwirkung wurde durch Berichte der US-amerikanischen FDA sowie durch Fallserien aus spezialisierten Zentren bekannt.
Die betroffenen Patienten entwickelten teils schwere, chronische Durchfälle, die häufig mit einem erheblichen Gewichtsverlust einhergingen. Da die Symptomatik oft erst Monate bis Jahre nach Beginn der Einnahme auftritt, wird der kausale Zusammenhang im klinischen Alltag leicht übersehen.
Im Gegensatz zur klassischen Zöliakie (einheimische Sprue) sind die spezifischen Antikörper bei dieser medikamentös induzierten Enteropathie negativ. Zudem führt eine glutenfreie Diät bei den Betroffenen zu keiner klinischen Besserung.
Empfehlungen
Klinische Präsentation und Diagnostik
Laut AkdÄ ist bei Patienten, die unter einer Langzeittherapie mit Olmesartan stehen und unklare gastrointestinale Beschwerden entwickeln, an eine medikamentös induzierte Enteropathie zu denken. Folgende Symptome und Befunde werden beschrieben:
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Schwere, chronische Diarrhöen und massiver Gewichtsverlust (im Median 18 kg)
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Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Abgeschlagenheit
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Histologisch nachweisbare duodenale Zottenatrophie und intraepitheliale Lymphozytose
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Fehlen von IgA-anti-Transglutaminase-Antikörpern
Therapeutisches Vorgehen
Die Publikation empfiehlt bei einem entsprechenden klinischen Verdacht ein konsequentes Handeln. Folgende Schritte werden angeraten:
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Ein Umstellen der antihypertensiven Therapie auf ein anderes Medikament sollte erwogen werden.
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Ein Absetzversuch ist auch dann indiziert, wenn nicht alle typischen histologischen Charakteristika der Enteropathie nachgewiesen werden können.
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Nach dem Absetzen von Olmesartan ist laut den zitierten Fallserien mit einer vollständigen Rückbildung der klinischen und histologischen Befunde zu rechnen.
Meldung von Verdachtsfällen
Da es sich um eine seltene oder bisher untererfasste Nebenwirkung handelt, ruft die AkdÄ zur aktiven Pharmakovigilanz auf.
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Es wird empfohlen, alle Verdachtsfälle unter Olmesartan an die AkdÄ zu melden.
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Auch ähnliche Beobachtungen unter anderen Sartanen sollten gemeldet werden, obwohl diese Nebenwirkung bisher spezifisch für Olmesartan zu sein scheint.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Fallstrick im klinischen Alltag ist die lange Latenzzeit der Nebenwirkung. Da die chronischen Durchfälle oft erst nach einer mehrjährigen, unauffälligen Einnahme von Olmesartan auftreten, wird das Antihypertensivum häufig nicht als Auslöser verdächtigt. Es wird empfohlen, bei Patienten mit einer seronegativen Sprue oder unklaren chronischen Diarrhöen immer die Medikamentenanamnese bezüglich Olmesartan zu prüfen.
Häufig gestellte Fragen
Laut AkdÄ kommt es zu schweren, chronischen Durchfällen und einem oft massiven Gewichtsverlust. Begleitend können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen und Abgeschlagenheit auftreten.
Histologisch zeigen beide Krankheitsbilder eine Zottenatrophie. Bei der Olmesartan-induzierten Enteropathie fehlen jedoch die typischen IgA-anti-Transglutaminase-Antikörper, und eine glutenfreie Diät bringt keine Besserung.
Die Latenzzeit ist sehr variabel und oft lang. Gemäß den zitierten Fallserien manifestiert sich die Symptomatik erst Monate bis Jahre (im Median etwa drei Jahre) nach Beginn der Einnahme.
Ja, die vorliegenden Daten zeigen eine gute Prognose. Nach dem Absetzen von Olmesartan bildeten sich die klinischen Symptome und die histologischen Veränderungen am Dünndarm in den dokumentierten Fällen vollständig zurück.
Bisher gibt es laut AkdÄ keine Berichte über eine derartige Enteropathie im Zusammenhang mit anderen Angiotensinrezeptorantagonisten. Die Nebenwirkung scheint nach aktuellem Kenntnisstand spezifisch für Olmesartan zu sein.
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Quelle: AkdÄ Bekanntgabe: Sprue-ähnliche Enteropathie unter Olmesartan (AkdÄ, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.