ADHS Diagnostik und Therapie: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine heterogene Erkrankung, die durch Kernsymptome wie Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit gekennzeichnet ist. Diese Symptome müssen für das Alter oder den Entwicklungsstand der Person übermäßig stark ausgeprägt sein.

Laut der NICE-Leitlinie NG87 treten die Symptome in mehreren Lebensbereichen auf und führen zu signifikanten funktionellen Beeinträchtigungen. Die Prävalenz im Kindesalter liegt je nach Diagnosekriterien zwischen 1 und 9 Prozent, wobei die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben kann.

Die Leitlinie betont, dass ADHS in bestimmten Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise bei Mädchen und Frauen, häufig unterdiagnostiziert wird. Ziel der Empfehlungen ist es, die Erkennung zu verbessern und eine strukturierte, altersgerechte Versorgung sicherzustellen.

Empfehlungen

Diagnostik und Erkennung

Die NICE-Leitlinie NG87 betont, dass ein universelles ADHS-Screening in Schulen nicht empfohlen wird. Bei Verdacht auf ADHS in der Primärversorgung wird zunächst eine Beobachtungsphase von bis zu 10 Wochen angeraten.

Eine formelle Diagnose darf laut Leitlinie nur durch spezialisierte Psychiater, Pädiater oder entsprechend qualifizierte Fachkräfte gestellt werden. Die Diagnose basiert auf einer vollständigen klinischen und psychosozialen Beurteilung.

Für die Diagnosestellung müssen die Symptome die Kriterien nach DSM-5 oder ICD-11 erfüllen und in mindestens zwei wichtigen Lebensbereichen zu einer moderaten bis schweren Beeinträchtigung führen. Als ergänzendes Hilfsmittel kann bei Personen zwischen 6 und 17 Jahren der QbTest erwogen werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

Für Eltern von Kindern unter 5 Jahren wird als Erstlinientherapie ein ADHS-spezifisches Gruppen-Elterntraining empfohlen. Eine medikamentöse Therapie wird in dieser Altersgruppe ohne eine zweite fachärztliche Meinung nicht angeraten.

Bei Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen wird empfohlen, Eltern und Betreuern zusätzliche ADHS-spezifische Unterstützung anzubieten. Eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) kann bei Jugendlichen erwogen werden, die von einer Medikation profitieren, aber weiterhin signifikante Beeinträchtigungen aufweisen.

Für Erwachsene wird eine nicht-medikamentöse Therapie empfohlen, wenn diese sich gegen Medikamente entscheiden, diese nicht vertragen oder sie ineffektiv sind. Diese Behandlung sollte strukturierte psychologische Interventionen umfassen.

Medikamentöse Therapie

Vor Beginn einer medikamentösen Therapie wird eine umfassende Basisuntersuchung empfohlen. Diese umfasst eine Überprüfung der psychischen und physischen Gesundheit, einschließlich Herzfrequenz, Blutdruck sowie Größe und Gewicht.

Ein EKG ist vor dem Start von Stimulanzien, Atomoxetin oder Guanfacin nicht routinemäßig erforderlich. Es wird jedoch empfohlen, wenn kardiovaskuläre Auffälligkeiten in der Anamnese oder Untersuchung vorliegen.

Die Leitlinie definiert folgende medikamentöse Stufenschemata je nach Altersgruppe:

AltersgruppeErstlinientherapieZweitlinientherapieAlternativen bei Unverträglichkeit/Nichtansprechen
Kinder ab 5 Jahren & JugendlicheMethylphenidatLisdexamfetaminDexamfetamin, Atomoxetin, Guanfacin
ErwachseneLisdexamfetamin oder MethylphenidatWechsel auf das jeweils andere StimulansDexamfetamin, Atomoxetin

Monitoring und Nachsorge

Es wird empfohlen, die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen der Medikation regelmäßig zu überwachen. Bei Kindern und Jugendlichen sollen Größe und Gewicht engmaschig kontrolliert und in Perzentilenkurven dokumentiert werden.

Herzfrequenz und Blutdruck sollen vor und nach jeder Dosisänderung sowie alle 6 Monate gemessen werden. Routineblutuntersuchungen oder EKGs werden ohne klinische Indikation nicht empfohlen.

Die Leitlinie rät dazu, die Medikation mindestens einmal jährlich durch einen Spezialisten zu überprüfen. Dabei soll gemeinsam mit der betroffenen Person besprochen werden, ob die Behandlung fortgesetzt, pausiert oder abgesetzt werden sollte.

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Bei einer akuten psychotischen oder manischen Episode wird empfohlen, jegliche ADHS-Medikation sofort abzusetzen.

  • Es wird davon abgeraten, kurzwirksame Stimulanzien zu verschreiben, wenn ein Risiko für Missbrauch oder Weitergabe (Diversion) besteht.

  • Die Leitlinie warnt davor, künstliche Farbstoffe oder Zusatzstoffe routinemäßig aus der Ernährung zu streichen.

  • Nahrungsergänzungsmittel mit Fettsäuren werden zur Behandlung von ADHS nicht empfohlen.

  • Routineblutuntersuchungen oder anlasslose EKGs unter laufender Medikation werden nicht empfohlen, sofern keine spezifische klinische Indikation vorliegt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist darauf hin, dass ADHS bei Mädchen und Frauen häufig unterdiagnostiziert wird oder zu Fehldiagnosen führt, da sich die Symptomatik oft weniger auffällig präsentiert. Zudem wird betont, dass ein universelles ADHS-Screening in Schulen nicht empfohlen wird. Stattdessen wird bei einem Verdacht in der Primärversorgung zunächst eine strukturierte Beobachtungsphase von bis zu 10 Wochen angeraten, bevor eine Überweisung an Spezialisten erfolgt.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist ein routinemäßiges EKG vor dem Start von Stimulanzien nicht erforderlich. Es wird nur empfohlen, wenn die Anamnese oder die körperliche Untersuchung Hinweise auf kardiovaskuläre Risiken oder Erkrankungen liefern.

Die Leitlinie empfiehlt eine medikamentöse Therapie in der Regel erst für Kinder ab 5 Jahren. Bei Kindern unter 5 Jahren wird primär ein Elterntraining angeraten; Medikamente sollen hier nur nach Einholung einer zweiten Meinung durch ein spezialisiertes Zentrum erwogen werden.

Bei Kindern und Jugendlichen wird empfohlen, die Körpergröße alle 6 Monate zu messen. Das Gewicht sollte bei Kindern unter 10 Jahren alle 3 Monate und bei älteren Kindern sowie Erwachsenen mindestens alle 6 Monate kontrolliert werden.

Für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie primär den Einsatz von Lisdexamfetamin oder Methylphenidat. Bei unzureichender Wirkung nach einem sechswöchigen Versuch wird ein Wechsel auf das jeweils andere Präparat angeraten.

Die Leitlinie rät davon ab, künstliche Farbstoffe oder Zusatzstoffe pauschal aus der Ernährung zu eliminieren. Auch die Gabe von Fettsäure-Supplementen wird zur Behandlung von ADHS nicht empfohlen.

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Quelle: NG87: Eating disorders: recognition and treatment (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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