ADHS: Diagnostik, Therapie, Medikation und Monitoring
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie bietet umfassende Empfehlungen zur Erkennung, Diagnose und Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal und deckt alle Altersgruppen ab.
ADHS ist eine neurobiologische Erkrankung, die durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet ist. Laut Leitlinie wird die Störung insbesondere bei Mädchen und Frauen häufig unterdiagnostiziert oder fehldiagnostiziert.
Ziel der Behandlung ist es, die Symptomlast zu reduzieren und die psychosoziale sowie schulische oder berufliche Funktionsfähigkeit zu verbessern. Dabei wird ein multimodaler Ansatz aus Psychoedukation, Verhaltenstherapie und Pharmakotherapie empfohlen.
Empfehlungen
Diagnostik
Die Diagnosestellung sollte ausschließlich durch spezialisiertes Fachpersonal erfolgen. Eine Diagnose basiert auf einer umfassenden klinischen und psychosozialen Beurteilung sowie einer Entwicklungs- und Psychiatrieanamnese.
Für eine ADHS-Diagnose müssen die Symptome gemäß DSM-5 oder ICD-11 erfüllt sein. Zudem wird gefordert, dass die Symptome in mindestens zwei Lebensbereichen (z. B. Familie und Schule/Beruf) zu einer moderaten bis schweren Beeinträchtigung führen.
Therapieplanung und nicht-medikamentöse Therapie
Vor Therapiebeginn wird eine strukturierte Aufklärung über die Auswirkungen der ADHS und mögliche Behandlungsoptionen empfohlen.
Für die verschiedenen Altersgruppen formuliert die Leitlinie folgende Erstlinienansätze:
-
Kinder unter 5 Jahren: Ein ADHS-spezifisches Gruppentraining für Eltern wird als Erstlinientherapie empfohlen.
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Kinder ab 5 Jahren und Jugendliche: Eltern sollten Aufklärung und Unterstützung erhalten, bei anhaltender Beeinträchtigung wird eine Medikation empfohlen.
-
Erwachsene: Eine medikamentöse Therapie wird als Erstlinienbehandlung empfohlen, wenn Umweltanpassungen nicht ausreichen.
Voruntersuchungen (Baseline-Assessment)
Vor dem Start einer medikamentösen Therapie wird eine umfassende körperliche Untersuchung empfohlen. Ein routinemäßiges EKG ist laut Leitlinie nicht erforderlich, es sei denn, es liegen kardiovaskuläre Risikofaktoren vor.
Folgende Parameter sollten vor Therapiebeginn erfasst werden:
-
Herzfrequenz und Blutdruck
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Größe und Gewicht (bei Kindern und Jugendlichen auf Perzentilenkurven)
-
Kardiovaskuläre Eigen- und Familienanamnese
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Psychiatrische Begleiterkrankungen und Substanzmissbrauch
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende Stufenschemata für die medikamentöse Therapie der ADHS:
| Altersgruppe | 1. Wahl | 2. Wahl | 3. Wahl / Alternativen |
|---|---|---|---|
| Kinder (< 5 Jahre) | Keine Medikation | - | - |
| Kinder (ab 5 J.) & Jugendliche | Methylphenidat | Lisdexamfetamin | Dexamfetamin, Atomoxetin, Guanfacin |
| Erwachsene | Lisdexamfetamin oder Methylphenidat | Wechsel auf das andere Präparat | Dexamfetamin, Atomoxetin |
Bei unzureichendem Ansprechen auf ein Stimulans und ein Nicht-Stimulans wird das Einholen einer Zweitmeinung oder die Überweisung an ein tertiäres Zentrum empfohlen.
Die Leitlinie rät dazu, bei der Verschreibung von Stimulanzien Retardpräparate (modified-release) zu bevorzugen. Dies wird mit einer besseren Adhärenz, weniger Stigmatisierung und einem geringeren Missbrauchsrisiko begründet.
Für das Monitoring unter medikamentöser Therapie gelten folgende Intervalle:
| Parameter | Kinder & Jugendliche | Erwachsene |
|---|---|---|
| Herzfrequenz & Blutdruck | Vor/nach Dosisänderung, dann alle 6 Monate | Vor/nach Dosisänderung, dann alle 6 Monate |
| Größe | Alle 6 Monate | Nicht routinemäßig erforderlich |
| Gewicht | Alle 3 Monate (bis 10 J.), sonst alle 6 Monate | Alle 6 Monate |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor der Verordnung von Stimulanzien bei einem bekannten Risiko für Substanzmissbrauch oder Medikamentendiversion (z. B. zur Leistungssteigerung oder Appetitzügelung).
Bei akuten psychotischen oder manischen Episoden wird empfohlen, jegliche ADHS-Medikation sofort abzusetzen.
Eine Überweisung an die Kardiologie vor Therapiebeginn ist zwingend erforderlich bei angeborenen Herzfehlern, plötzlichem Herztod in der Familienanamnese (< 40 Jahre), belastungsabhängiger Synkope oder pathologischen Herzgeräuschen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Irrtum in der Praxis ist die routinemäßige Durchführung eines EKGs vor dem Start einer ADHS-Medikation. Die Leitlinie stellt klar, dass ein EKG vor der Gabe von Stimulanzien, Atomoxetin oder Guanfacin nicht standardmäßig erforderlich ist. Es wird nur dann empfohlen, wenn in der Anamnese spezifische kardiale Warnzeichen oder eine familiäre Vorbelastung für plötzlichen Herztod vorliegen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie rät davon ab, künstliche Farbstoffe oder Zusatzstoffe routinemäßig aus der Ernährung zu streichen. Auch die Gabe von Fettsäure-Supplementen wird zur Behandlung der ADHS nicht empfohlen.
Laut Leitlinie sollte Kindern unter 5 Jahren keine ADHS-Medikation verordnet werden, es sei denn, es liegt eine explizite Empfehlung eines spezialisierten tertiären Zentrums vor. Ab 5 Jahren kann eine medikamentöse Therapie bei anhaltender Beeinträchtigung erwogen werden.
Als medikamentöse Erstlinientherapie für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie entweder Lisdexamfetamin oder Methylphenidat. Bei Unverträglichkeit oder fehlender Wirkung sollte auf das jeweils andere Präparat gewechselt werden.
Es wird empfohlen, Herzfrequenz und Blutdruck vor Therapiebeginn, nach jeder Dosisanpassung sowie routinemäßig alle 6 Monate zu kontrollieren. Die Werte sollten stets mit altersentsprechenden Normwerten abgeglichen werden.
Die Leitlinie empfiehlt keine routinemäßigen Blutuntersuchungen oder Leberwertkontrollen vor oder während der Einnahme von ADHS-Medikamenten. Bluttests sollten nur bei spezifischer klinischer Indikation erfolgen.
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Quelle: NICE Guideline on ADHD (NICE, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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