Prävention von SSI nach Extremitätentrauma: AAOS Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die Leitlinie richtet sich an erwachsene Patienten (ab 18 Jahren) mit schwerem Extremitätentrauma.
- •Sie enthält 14 evidenzbasierte Empfehlungen für die prä-, peri- und postoperative Phase zur Reduktion von Wundinfektionen.
- •Sechs weitere Maßnahmen (z.B. Unterdruck-Wundtherapie, hyperbarer Sauerstoff) werden aufgrund schwacher Evidenz nur als Optionen diskutiert.
Hintergrund
Die Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) aus dem Jahr 2022 befasst sich mit der Prävention von Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) nach schwerem Extremitätentrauma. Sie bietet behandelnden Ärzten evidenzbasierte Entscheidungshilfen für die Versorgung von erwachsenen Patienten (18 Jahre oder älter).
Definition: Schweres Extremitätentrauma
Die Arbeitsgruppe der Leitlinie definiert ein schweres Extremitätentrauma durch das Vorliegen mindestens einer der folgenden Verletzungsarten:
| Verletzungstyp | Beispiele und Bemerkungen |
|---|---|
| Frakturen | Offene Fraktur, schwere oder hochenergetische geschlossene Fraktur |
| Weichteilverletzungen | Degloving-Verletzung (Ablederung), Morel-Lavallée-Läsionen |
| Schussverletzungen | Nieder- oder hochenergetische Schusswunde |
| Weitere Traumata | Quetschverletzung (Crush-Verletzung), Explosionsverletzung (Blast-Injury) |
| Sonstige | Jede andere mittel- bis hochenergetische Verletzung |
Empfehlungen zur Infektionsprävention
Die Leitlinie umfasst insgesamt 14 evidenzbasierte Empfehlungen, die darauf abzielen, das Risiko postoperativer Wundinfektionen zu minimieren. Diese decken folgende Behandlungsphasen und Aspekte ab:
- Präoperative Interventionen
- Perioperative Interventionen
- Postoperative Interventionen
- Identifikation und Bewertung patientenspezifischer Risikofaktoren
Optionen mit unklarer Evidenzlage
Zusätzlich werden sechs Optionen diskutiert, für die aktuell nur eine niedrige, fehlende oder widersprüchliche Evidenz vorliegt. Zu diesen potenziellen Maßnahmen gehören:
- Einsatz der inzisionalen Unterdruck-Wundtherapie (NPWT) bei Hochrisiko-Inzisionen
- Implementierung eines orthoplastischen Teams
- Mögliche Rolle der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO)
- Verschiedene präoperative Hautpräparationen
- Ausgewählte modifizierbare und administrative Risikofaktoren
💡Praxis-Tipp
Beachten Sie bei der Risikostratifizierung für Wundinfektionen nicht nur offene Frakturen, sondern stufen Sie auch schwere geschlossene Frakturen und Morel-Lavallée-Läsionen als Hochrisiko-Verletzungen ein.