WHO2012

Zoonosen: One-Health-Konzept und Kontrollstrategien

Diese Leitlinie stammt aus 2012 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2012)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der WHO-Bericht (Technical Report Series 971) analysiert die globale Forschungslandschaft für Zoonosen und vernachlässigte Infektionskrankheiten. Diese Erkrankungen betreffen vor allem arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen, die oft in engem Kontakt mit Nutztieren leben.

Zoonosen und vernachlässigte Infektionen stellen eine erhebliche, oft unterschätzte Krankheitslast dar. Sie führen nicht nur zu direkter menschlicher Morbidität, sondern verursachen auch massive wirtschaftliche Schäden durch Produktivitätsverluste in der Landwirtschaft.

Die Leitlinie betont die Notwendigkeit eines sektorübergreifenden Ansatzes. Die Bekämpfung dieser Krankheiten erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Humanmedizin, Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Umweltbehörden.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert übergeordnete Makro-Prioritäten für politische Entscheidungsträger sowie krankheitsspezifische Forschungsziele.

Makro-Prioritäten und One-Health-Ansatz

Die Leitlinie fordert eine verstärkte Integration von Human- und Tiergesundheit unter dem "One Health"-Konzept. Es wird empfohlen, die Überwachungssysteme (Surveillance) für Zoonosen bei Menschen und Tieren massiv auszubauen.

Zudem wird geraten, die tatsächliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Krankheitslast (Burden of Disease) präziser zu erfassen.

Folgende sektorübergreifende Maßnahmen werden priorisiert:

  • Ausbau der Systemforschung zur Optimierung der interdisziplinären Zusammenarbeit

  • Durchführung umfassender Kosten-Nutzen-Analysen für verschiedene Interventionsstrategien

  • Förderung gemeindebasierter Ansätze wie der "Community-led Total Sanitation" (CLTS) zur Verbesserung der Hygiene

Helminthiosen (Wurmerkrankungen)

Für Zystizerkose und Taeniasis wird die Entwicklung neuer Medikamente, Schnelltests und Behandlungsregime empfohlen. Es wird betont, dass Feldstudien zur Wirksamkeit von Impfstoffen bei Schweinen in Kombination mit Chemotherapie erforderlich sind.

Bei der Echinokokkose liegt die Priorität auf der multizentrischen Evaluierung klinischer Behandlungsoptionen.

Dazu gehören chirurgische Eingriffe, Ultraschall und medikamentöse Therapien.

Bakterielle und virale Zoonosen

Im Bereich der Tollwut (Rabies) empfiehlt der Bericht den Ausbau von Laborkapazitäten zur exakten Diagnostik. Die Massenimpfung von Hunden wird als die kosteneffektivste Strategie zur Vermeidung menschlicher Tollwutfälle hervorgehoben.

Für bakterielle Infektionen wie Brucellose und Milzbrand (Anthrax) wird die Entwicklung robuster, kostengünstiger Diagnostiktests für den Feldeinsatz gefordert.

Zudem wird empfohlen, die Sicherheit und Immunogenität bestehender Tierimpfstoffe zu verbessern.

Enterale Infektionen und Protozoen

Bei Durchfallerkrankungen wird die Erforschung der Übertragungswege zwischen Tieren und Menschen priorisiert. Es wird empfohlen, einfache landwirtschaftliche Methoden zu testen, um die Kontamination von Wasser und Nahrungsmitteln zu verhindern.

Für Toxoplasmose und Kryptosporidiose fordert die Leitlinie die Entwicklung von Tierimpfstoffen. Dadurch soll die Ausscheidung infektiöser Zysten in die Umwelt gestoppt werden.

Dosierung

Der Bericht erwähnt im Rahmen von Massenbehandlungen und Studien folgende spezifische Dosierungen:

WirkstoffDosierungIndikation / Zielgruppe
Praziquantel40 mg/kg (Einmaldosis)Lebensmittelübertragene Trematoden (Mensch)
Triclabendazol10-12 mg/kg (Einmaldosis)Fasziolose (Mensch)
Albendazolbis zu 20 mg/kg/TagAlveoläre Echinokokkose (Mensch)
Oxfendazol30 mg/kgZystizerkose (Schwein, zur Zystenabtötung)

Kontraindikationen

Der Bericht weist auf folgende Einschränkungen bei der medikamentösen Therapie hin:

  • Praziquantel ist bei einer Infektion mit Fasciola wirkungslos.

  • Nitazoxanid zeigte in Studien keine Wirksamkeit bei der Behandlung der Kryptosporidiose bei HIV-positiven Kindern.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass unklare fieberhafte Erkrankungen in Endemiegebieten häufig fälschlicherweise ausschließlich als Malaria diagnostiziert werden. Es wird dringend empfohlen, bei der Differenzialdiagnose auch an bakterielle Zoonosen wie Brucellose zu denken, insbesondere wenn Betroffene in engem Kontakt mit Nutztieren leben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Bericht sind Hunde in Entwicklungsländern für über 90 % aller menschlichen Tollwutfälle verantwortlich. Die Leitlinie hebt hervor, dass die Massenimpfung von Hunden die effektivste Maßnahme zur Ausrottung der menschlichen Tollwut darstellt.

Der "One Health"-Ansatz beschreibt die integrierte Betrachtung von Human- und Tiergesundheit. Der Bericht empfiehlt diese Strategie, da Zoonosen nur durch eine enge Zusammenarbeit von medizinischen und veterinärmedizinischen Sektoren effektiv kontrolliert werden können.

Die Leitlinie erwähnt den Einsatz von Albendazol als perioperative und langfristige adjuvante Chemotherapie. Es wird darauf hingewiesen, dass das Medikament parasitostatisch wirkt und die Überlebensrate der Betroffenen signifikant verbessert.

CLTS ist ein gemeindebasierter Ansatz zur Verbesserung der Umwelthygiene und zur Vermeidung von offener Defäkation. Der Bericht sieht darin eine zentrale Maßnahme, um die fäkal-orale Übertragung von Zoonosen und Durchfallerkrankungen nachhaltig zu unterbrechen.

Viele Zoonosen präsentieren sich mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, was häufig zu Fehldiagnosen führt. Zudem mangelt es laut Leitlinie in vielen Endemiegebieten an geeigneten, kostengünstigen Schnelltests für den Feldeinsatz.

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Quelle: Research priorities for zoonoses and marginalized infections: WHO TRS N°971 (WHO, 2012). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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