WHO2019

Zoonosen: One-Health-Ansatz, Koordination, Surveillance

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Zoonosen stellen eine erhebliche Bedrohung für die globale Gesundheit dar, da sie an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt übertragen werden. Die gemeinsame Leitlinie von WHO, FAO und OIE (2019) betont, dass diese komplexen Gesundheitsrisiken nicht von einem Sektor allein bewältigt werden können.

Der sogenannte One-Health-Ansatz fordert eine sektorübergreifende und multidisziplinäre Zusammenarbeit. Dies schließt die Bereiche Humanmedizin, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften gleichermaßen ein.

Ziel der Leitlinie ist es, Ländern operative Werkzeuge an die Hand zu geben, um Zoonosen effektiv zu verhindern, zu erkennen und darauf zu reagieren. Eine nachhaltige Implementierung erfordert dabei politischen Willen, ausreichende Ressourcen und eine routinemäßige Kommunikation.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Etablierung eines One-Health-Ansatzes:

Sektorübergreifende Koordination

Es wird die Einrichtung eines formellen, sektorübergreifenden Koordinationsmechanismus (MCM) empfohlen. Dieser sollte idealerweise auf höchster Regierungsebene verankert sein.

Laut Leitlinie übernimmt der MCM verschiedene Kernfunktionen, die sektorübergreifend umgesetzt werden müssen:

KernfunktionZugehörige Aktivitäten
Etablierung des MCMIdentifikation bestehender Mechanismen, Definition der Mitgliedschaft, formelle Gründung
Nachhaltige KoordinationRessourcenmobilisierung, Entwicklung von Zoonose-Strategien, Monitoring und Evaluierung
Kommunikation und AdvocacyEinbindung aller Stakeholder, Bewusstseinsbildung für den One-Health-Ansatz
Technische KoordinationPriorisierung technischer Aktivitäten, Koordination von Surveillance und Risikobewertungen

Die Leitlinie betont, dass die Zuweisung von finanziellen und personellen Ressourcen für diese Aufgaben essenziell ist.

Surveillance und Informationsaustausch

Die Leitlinie empfiehlt den Aufbau eines koordinierten Surveillance-Systems für Zoonosen. Dieses soll Daten aus der Humanmedizin, der Tiermedizin und dem Umweltsektor zusammenführen.

Für einen effektiven Informationsaustausch wird Folgendes empfohlen:

  • Standardisierung von Falldefinitionen und Laborprotokollen über alle Sektoren hinweg

  • Etablierung formeller Mechanismen für den routinemäßigen Datenaustausch

  • Gemeinsame Analyse und Interpretation der gesammelten Überwachungsdaten

Ausbruchsuntersuchung und Reaktion

Bei zoonotischen Ereignissen wird eine koordinierte Untersuchung empfohlen. Die Leitlinie rät zur Entwicklung gemeinsamer Entscheidungshilfen, um den Beginn und das Ausmaß einer Reaktion festzulegen.

Für die Felduntersuchung sollten multidisziplinäre Teams eingesetzt werden. Diese Teams untersuchen parallel, aber koordiniert die epidemiologischen Zusammenhänge bei Menschen, Tieren und in der Umwelt.

Gemeinsame Risikobewertung (JRA)

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer gemeinsamen Risikobewertung (Joint Risk Assessment). Diese Methode führt Expertise aus allen Sektoren zusammen, um Gesundheitsrisiken umfassend zu bewerten.

Die Ergebnisse der JRA sollen Entscheidungsträgern als wissenschaftlich fundierte Basis dienen. Darauf aufbauend können abgestimmte Maßnahmen zum Risikomanagement und zur Risikokommunikation abgeleitet werden.

Risikokommunikation und Personalentwicklung

Es wird empfohlen, Risikokommunikation stets sektorübergreifend abzustimmen, um widersprüchliche Botschaften zu vermeiden. Die Einbindung der betroffenen Gemeinschaften (Community Engagement) wird als essenziell für eine erfolgreiche Risikoreduktion erachtet.

Zudem fordert die Leitlinie den Aufbau einer kompetenten One-Health-Arbeiterschaft. Dies erfordert gemeinsame Aus- und Weiterbildungsprogramme für Fachkräfte aus allen beteiligten Disziplinen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler bei der Bewältigung von Zoonosen ist laut Leitlinie die isolierte Planung in einzelnen Sektoren, was im Ernstfall zu Verzögerungen und ineffektiven Maßnahmen führt. Es wird dringend empfohlen, gemeinsame Notfallpläne bereits vor dem Eintreten eines Ereignisses zu erstellen und durch regelmäßige sektorübergreifende Simulationsübungen zu testen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist der One-Health-Ansatz eine kollaborative, multidisziplinäre und sektorübergreifende Strategie. Er zielt darauf ab, Gesundheitsbedrohungen an der Schnittstelle von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam und effektiv zu bewältigen.

Die Leitlinie empfiehlt, dass mindestens die Bereiche Humanmedizin, Tiermedizin und Umwelt (einschließlich Wildtiere) in die Koordination einbezogen werden. Je nach Erreger können weitere Sektoren wie Lebensmittelsicherheit oder Landwirtschaft relevant sein.

Es wird die Durchführung eines Joint Risk Assessments (JRA) empfohlen. Dabei bringen Experten aus allen relevanten Sektoren ihre Daten zusammen, um Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen eines Ausbruchs gemeinsam zu bewerten.

Die Leitlinie rät zu einem koordinierten Überwachungssystem, bei dem Daten aus Human- und Veterinärmedizin routinemäßig ausgetauscht werden. Dies erfordert harmonisierte Falldefinitionen und etablierte Meldewege zwischen den Behörden.

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Quelle: Taking a multisectoral, one health approach: a tripartite guide to addressing zoonotic diseases in countries (WHO, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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