CochraneIa2020

Zerebralparese: Mechanisches Gehtraining & Grobmotorik

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Zerebralparese (CP) ist die häufigste körperliche Behinderung im Kindesalter und führt oft zu Einschränkungen der Gehfähigkeit. Ein mechanisch unterstütztes Gehtraining kann eingesetzt werden, um ein hochfrequentes, aufgabenspezifisches Üben komplexer Gangzyklen zu ermöglichen.

Der Cochrane Review (2020) untersucht die Effekte dieses Trainings mit und ohne Körpergewichtsentlastung. Verglichen werden die Ergebnisse mit keinem Gehtraining oder dem gleichen Umfang an nicht-unterstütztem Gehen auf dem Boden.

Zielgruppen sind Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren mit den Gross Motor Function Classification System (GMFCS) Leveln I bis IV. Die Evidenz basiert auf 17 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 451 Teilnehmern.

Empfehlungen

Die Autoren des Reviews fassen die Evidenz zum mechanisch unterstützten Gehtraining wie folgt zusammen:

Training ohne Körpergewichtsentlastung

Im Vergleich zu keinem Gehtraining führt das Training ohne Körpergewichtsentlastung zu einer leichten Erhöhung der Gehgeschwindigkeit (moderate Evidenz). Zudem wird eine Verbesserung der grobmotorischen Funktionen beschrieben (niedrige Evidenz).

Im Vergleich zum gleichen Umfang an nicht-unterstütztem Gehen zeigt sich laut Review:

  • Eine Erhöhung der Gehgeschwindigkeit (moderate Evidenz)

  • Eine Verbesserung der grobmotorischen Funktionen (moderate Evidenz)

  • Eine verbesserte Teilhabe im Alltag (moderate Evidenz)

Training mit Körpergewichtsentlastung

Gegenüber keinem Gehtraining resultiert das Training mit Körpergewichtsentlastung in einer erhöhten Gehgeschwindigkeit (moderate Evidenz). Es zeigen sich jedoch keine signifikanten Unterschiede bei der grobmotorischen Funktion, der Teilhabe oder der Lebensqualität.

Im Vergleich zum nicht-unterstützten Gehen auf dem Boden ergeben sich durch die Körpergewichtsentlastung keine messbaren Vorteile. Es werden keine Unterschiede bei Gehgeschwindigkeit, Grobmotorik oder Teilhabe festgestellt.

Klinische Anwendung und Zielgruppen

Der Review legt nahe, dass ein hochintensives, überwachtes Training ohne Körpergewichtsentlastung besonders für jüngere Kinder vorteilhaft ist. Die Körpergewichtsentlastung könnte bei Kindern, die bereits selbstständig gehen können, das motorische Lernen sogar behindern.

Es wird diskutiert, die Körpergewichtsentlastung primär für Kinder mit schwereren motorischen Einschränkungen zu reservieren. Zudem bietet das mechanisch unterstützte Training eine gute Möglichkeit für Kinder mit Konzentrationsschwäche, da hohe Wiederholungszahlen erreicht werden.

GMFCS-Klassifikation

Die Studienpopulationen werden nach dem Gross Motor Function Classification System (GMFCS) eingeteilt. Die Einteilung hilft bei der Indikationsstellung für die Art der Unterstützung:

GMFCS LevelGehfähigkeit (laut Text)Relevanz für Körpergewichtsentlastung
Level I und IIGehen ohne Hilfsmittel möglichEher ohne Entlastung trainieren
Level IIIGehen mit Hilfsmitteln möglichEher ohne Entlastung trainieren
Level IVSehr eingeschränkte GehfähigkeitMögliche Zielgruppe für Entlastung
Level VKeine GehfähigkeitKeine Gehfähigkeit
ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut dem Review sollte bei Kindern mit Zerebralparese, die bereits selbstständig gehen können (GMFCS Level I-III), auf eine Körpergewichtsentlastung beim mechanischen Gehtraining verzichtet werden. Der Einsatz der Entlastung kann in dieser Gruppe das motorische Lernen behindern. Es wird nahegelegt, diese Unterstützung eher für Kinder mit schwereren Einschränkungen (GMFCS Level IV) zu reservieren.

Häufig gestellte Fragen

Der Cochrane Review zeigt, dass ein mechanisch unterstütztes Gehtraining ohne Körpergewichtsentlastung dem normalen Gehen überlegen sein kann. Es werden leichte Verbesserungen bei der Gehgeschwindigkeit und der Grobmotorik beschrieben.

Bei Kindern, die bereits eine gewisse Gehfähigkeit besitzen (GMFCS I-III), wird von einer Körpergewichtsentlastung eher abgeraten, da dies den Lernprozess stören kann. Die Autoren diskutieren, die Entlastung für schwerer betroffene Kinder (GMFCS IV) zu nutzen.

In den untersuchten Studien wurden nur sehr wenige unerwünschte Ereignisse dokumentiert. Laut Review gibt es keine Hinweise auf vermehrte Nebenwirkungen oder Schmerzen durch das mechanisch unterstützte Training.

Das mechanisch unterstützte Training wird im Review als besonders nützlich für jüngere Kinder mit Konzentrationsschwäche hervorgehoben. Es ermöglicht ein hochintensives, aufgabenspezifisches Training mit vielen Wiederholungen, das im normalen Alltag schwer umsetzbar ist.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Cochrane Review: Mechanically assisted walking training for walking, participation, and quality of life in children with cerebral palsy (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.