Varikozele bei Subfertilität: Therapie und Rezidive
Hintergrund
Der Cochrane Review (2021) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit chirurgischer sowie radiologischer Behandlungen von Varikozelen bei subfertilen Männern. Varikozelen gelten als häufige, potenziell korrigierbare Ursache für männliche Infertilität.
Die genauen Pathomechanismen, durch die eine Varikozele die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, sind laut Review noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden ein verminderter venöser Abfluss, oxidativer Stress und eine erhöhte testikuläre Temperatur.
Zu den etablierten Behandlungsoptionen zählen chirurgische Verfahren wie die mikroskopische subinguinale, offene inguinale oder retroperitoneale Varikozelektomie. Alternativ werden radiologische Interventionen wie die Embolisation oder Sklerosierung eingesetzt.
Empfehlungen
Therapie versus keine Behandlung
Die Meta-Analyse zeigt, dass eine Behandlung (chirurgisch oder radiologisch) die Schwangerschaftsraten im Vergleich zu einer verzögerten oder keiner Therapie verbessern kann (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
Laut Review haben Paare ohne Behandlung eine 21%ige Chance auf eine Schwangerschaft. Nach einer Intervention liegt diese Rate zwischen 22 % und 48 %.
Hinsichtlich der Lebendgeburtenrate bleibt der Nutzen einer Behandlung aufgrund widersprüchlicher Studienergebnisse ungewiss.
Chirurgische versus radiologische Therapie
Der Review stellt fest, dass die Evidenz nicht ausreicht, um eine Überlegenheit der chirurgischen gegenüber der radiologischen Behandlung zu belegen.
Für folgende Endpunkte besteht eine hohe Unsicherheit bezüglich der Überlegenheit eines Verfahrens:
-
Lebendgeburten und Schwangerschaftsraten
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Wiederauftreten der Varikozele
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Unerwünschte Ereignisse wie Hydrozelenbildung, Schmerzen oder Epididymitis
Vergleich chirurgischer Verfahren
Die mikroskopische subinguinale chirurgische Behandlung wird im Review als vorteilhaft gegenüber anderen chirurgischen Techniken bewertet.
Folgende Effekte werden für die mikroskopische subinguinale Technik beschrieben:
-
Wahrscheinliche, geringfügige Verbesserung der Schwangerschaftsraten (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit)
-
Reduktion des Risikos für ein Varikozelen-Rezidiv auf 0,4 % bis 1,1 % im Vergleich zu 1,4 % bei anderen Verfahren
-
Ungewisse Auswirkungen auf unerwünschte Ereignisse wie Hodenatrophie oder Wundinfektionen
Beim Vergleich zwischen offener inguinaler und retroperitonealer Varikozelektomie konnte keine der beiden Methoden als eindeutig überlegen identifiziert werden.
Gegenüberstellung der Therapieeffekte
Die folgende Tabelle fasst die relativen Effekte der untersuchten Behandlungsstrategien zusammen:
| Vergleich | Schwangerschaftsrate | Rezidivrisiko | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Therapie vs. keine Therapie | Verbessert (22-48 % vs. 21 %) | Keine Daten | Niedrig |
| Chirurgie vs. Radiologie | Ungewiss | Ungewiss | Niedrig bis sehr niedrig |
| Mikroskopisch subinguinal vs. andere Chirurgie | Leicht verbessert (10-14 % vs. 10 %) | Reduziert (0,4-1,1 % vs. 1,4 %) | Moderat |
💡Praxis-Tipp
Laut Cochrane Review stellt die mikroskopische subinguinale Varikozelektomie das vorteilhafteste chirurgische Verfahren dar, da sie die Schwangerschaftsraten leicht erhöht und das Rezidivrisiko senkt. Es wird im Review zudem betont, dass unerwünschte Ereignisse wie die Hydrozelenbildung in der klinischen Praxis systematisch erfasst werden sollten, da diese den Behandlungserfolg maßgeblich beeinflussen.
Häufig gestellte Fragen
Der Review kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Datenlage hierzu widersprüchlich ist. Es bleibt ungewiss, ob chirurgische oder radiologische Eingriffe die Lebendgeburtenrate im Vergleich zu keiner Behandlung signifikant erhöhen.
Laut Meta-Analyse zeigt die mikroskopische subinguinale Varikozelektomie die besten Ergebnisse. Sie verbessert wahrscheinlich die Schwangerschaftsraten und senkt das Risiko für ein Rezidiv im Vergleich zu anderen chirurgischen Techniken.
Die vorliegende Evidenz reicht nicht aus, um diese Frage abschließend zu klären. Der Review stellt fest, dass die Auswirkungen auf Schwangerschaftsraten und Komplikationen im direkten Vergleich ungewiss sind.
Die Daten zeigen, dass die Schwangerschaftsrate nach einer chirurgischen oder radiologischen Intervention zwischen 22 % und 48 % liegt. Ohne Behandlung liegt die Chance bei subfertilen Paaren bei etwa 21 %.
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Quelle: Cochrane Review: Surgical or radiological treatment for varicoceles in subfertile men (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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