Varikosis & Ulcus cruris: Diagnostik und Stufentherapie
Hintergrund
Varizen sind dilatierte, oft tastbare subkutane Venen mit umgekehrtem Blutfluss, die am häufigsten an den Beinen auftreten. Schätzungen zufolge ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung von sichtbaren Krampfadern an den unteren Extremitäten betroffen.
Während Varizen bei einigen Menschen asymptomatisch bleiben, können sie bei anderen Schmerzen, Juckreiz und ein Schweregefühl verursachen. Im Krankheitsverlauf sind Komplikationen wie Hautpigmentierungen, Blutungen oder venöse Ulzera möglich.
Die NICE-Leitlinie CG168 zur Diagnostik und Therapie von Varizen richtet sich an medizinisches Fachpersonal, das Erwachsene ab 18 Jahren behandelt. Ziel ist es, eine standardisierte Versorgung zu gewährleisten und regionale Unterschiede im Management zu minimieren.
Empfehlungen
Patientenaufklärung
Die Leitlinie empfiehlt eine umfassende Aufklärung über Ursachen, Progressionsrisiken und mögliche Komplikationen wie tiefe Venenthrombosen oder Ulzera. Zudem wird zu Gewichtsreduktion und leichter bis moderater körperlicher Aktivität geraten.
Überweisungskriterien
Es wird eine sofortige Überweisung an eine gefäßchirurgische Fachabteilung empfohlen, wenn blutende Varizen vorliegen.
Bei folgenden Kriterien wird laut Leitlinie eine reguläre fachärztliche Vorstellung empfohlen:
-
Symptomatische primäre oder rezidivierende Varizen
-
Hautveränderungen an den unteren Extremitäten (z. B. Pigmentierung oder Ekzeme) aufgrund einer chronisch venösen Insuffizienz
-
Oberflächliche Venenthrombose mit Verdacht auf venöse Insuffizienz
-
Venöses Ulcus cruris (nicht heilende Hautläsion unterhalb des Knies seit mehr als 2 Wochen) oder ein bereits abgeheiltes venöses Ulcus
Diagnostik
Zur Bestätigung der Diagnose und zur Beurteilung des Ausmaßes eines Stammvenenrefluxes wird eine Duplex-Sonographie empfohlen. Diese dient als Grundlage für die weitere Therapieplanung.
Interventionelle Therapie
Für Personen mit bestätigten Varizen und Stammvenenreflux empfiehlt die Leitlinie eine klare Stufentherapie. Inkompetente Seitenäste können dabei simultan mitbehandelt werden.
| Therapiestufe | Methode | Indikation |
|---|---|---|
| 1. Wahl | Endothermale Ablation | Primäre Empfehlung bei Eignung |
| 2. Wahl | Ultraschallgesteuerte Schaumsklerosierung | Wenn endothermale Ablation ungeeignet ist |
| 3. Wahl | Chirurgische Intervention | Wenn Schaumsklerosierung ungeeignet ist |
Konservative Therapie
Die Leitlinie rät davon ab, Kompressionsstrümpfe zur primären Behandlung von Varizen anzubieten, es sei denn, eine interventionelle Therapie ist ungeeignet. Falls Kompressionsverbände oder -strümpfe nach einer Intervention eingesetzt werden, wird eine Anwendungsdauer von maximal 7 Tagen empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät von interventionellen Behandlungen von Varizen während der Schwangerschaft ab, außer in absoluten Ausnahmesituationen. Zur Linderung von Beinschwellungen im Rahmen einer schwangerschaftsassoziierten Varikosis wird stattdessen der Einsatz von Kompressionsstrümpfen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die primäre Verordnung von Kompressionsstrümpfen zur definitiven Therapie von Varizen. Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass Kompressionsstrümpfe nicht als primäre Behandlung angeboten werden sollten, sofern eine interventionelle Therapie (wie endothermale Ablation oder Sklerosierung) medizinisch möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine sofortige Überweisung an eine gefäßmedizinische Fachabteilung empfohlen, wenn akut blutende Varizen vorliegen.
Es wird der Einsatz der Duplex-Sonographie empfohlen. Diese dient der Bestätigung der Diagnose, der Beurteilung des Stammvenenrefluxes und der Therapieplanung.
Die Leitlinie empfiehlt die endothermale Ablation als interventionelle Therapie der ersten Wahl. Nur wenn diese Methode ungeeignet ist, sollte auf eine ultraschallgesteuerte Schaumsklerosierung oder eine Operation ausgewichen werden.
Wenn nach einer interventionellen Behandlung Kompressionsverbände oder -strümpfe eingesetzt werden, wird eine Anwendungsdauer von maximal 7 Tagen empfohlen.
Es wird empfohlen, während der Schwangerschaft keine interventionellen Behandlungen von Varizen durchzuführen, außer in extremen Ausnahmefällen. Zur Symptomlinderung wird stattdessen das Tragen von Kompressionsstrümpfen angeraten.
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Quelle: NICE Guideline on Leg Ulcers (NICE, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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