UTUC: Intravesikale Chemotherapie (Indikation/Therapie)
Hintergrund
Das Urothelkarzinom des oberen Harntraktes (UTUC) ist eine seltene Erkrankung, die etwa 5 bis 10 Prozent aller Urothelkarzinome ausmacht. Der aktuelle Goldstandard der Behandlung bei Hochrisiko-Patienten ist die radikale Nephroureterektomie (RNU) mit Exzision einer Blasenmanschette.
Nach einer RNU besteht ein hohes Risiko für ein intravesikales Rezidiv (IVR) in der Harnblase. Dieses tritt bei 22 bis 47 Prozent der Behandelten innerhalb von etwa zwei Jahren postoperativ auf.
Bei Blasenkarzinomen reduziert eine postoperative intravesikale Chemotherapie als Einzeldosis das Rezidivrisiko nachweislich. Der vorliegende Cochrane-Review aus dem Jahr 2019 untersucht, ob diese Wirksamkeit auch nach einer RNU bei einem UTUC gegeben ist.
Empfehlungen
Der systematische Review fasst die Evidenz zur Wirksamkeit einer intravesikalen Chemotherapie-Einzeldosis nach Nephroureterektomie zusammen.
Reduktion des Rezidivrisikos
Die Analyse zeigt, dass eine intravesikale Instillation einer Chemotherapie-Einzeldosis das Risiko eines Blasenkarzinom-Rezidivs im Zeitverlauf verringern könnte. Im Vergleich zu keiner Instillation ergab sich eine Hazard Ratio von 0,51 (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Nach einem Follow-up von 12 Monaten entspricht dies laut Analyse etwa 127 weniger Blasenkarzinom-Rezidiven pro 1000 behandelten Personen. Die Evidenz wurde aufgrund von Studienlimitationen und unzureichender Präzision herabgestuft.
Unerwünschte Ereignisse und Überleben
Die Auswirkungen der Therapie auf schwerwiegende und leichtere unerwünschte Ereignisse sind unsicher. In den eingeschlossenen Studien traten keine derartigen Ereignisse auf (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Es konnten keine Studien identifiziert werden, die über die Endpunkte Zeit bis zum Tod durch das UTUC oder die krankheitsspezifische Lebensqualität berichteten. Auch zur Gesamtmortalität liegen keine ausreichenden Daten vor.
Eingeschlossene Studien und Wirkstoffe
Die Ergebnisse basieren auf zwei randomisiert-kontrollierten Studien mit insgesamt 361 Teilnehmern. Folgende Dosierungsschemata wurden in den Primärstudien angewendet:
| Wirkstoff | Dosierung in den Studien | Zeitpunkt der Instillation |
|---|---|---|
| Pirarubicin (THP) | 30 mg in 30 ml NaCl | Innerhalb von 48 Stunden postoperativ |
| Mitomycin C (MMC) | 40 mg in 40 ml NaCl | Verschiedene Zeitpunkte postoperativ |
Der Review trifft keine Aussage darüber, ob ein bestimmter Wirkstoff überlegen ist oder welcher Instillationszeitpunkt optimal ist.
💡Praxis-Tipp
Obwohl die intravesikale Chemotherapie das Rezidivrisiko nach einer Nephroureterektomie senken kann, weist der Review auf eine sehr schwache Evidenzlage bezüglich möglicher Nebenwirkungen hin. Es wird betont, dass das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie eine Extravasation aufgrund der geringen Studienqualität derzeit nicht abschließend beurteilt werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Review tritt ein intravesikales Rezidiv bei 22 bis 47 Prozent der Behandelten auf. Dieses Risiko besteht typischerweise innerhalb eines Zeitraums von etwa zwei Jahren nach dem operativen Eingriff.
Die Analyse zeigt, dass eine einmalige Instillation das Risiko eines Blasenkarzinom-Rezidivs im Zeitverlauf verringern könnte. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Der Review stuft die Evidenz zu schwerwiegenden und leichten unerwünschten Ereignissen als sehr niedrig ein. In den untersuchten Studien traten keine derartigen Ereignisse auf, weshalb das tatsächliche Risiko in der Praxis unsicher bleibt.
In den eingeschlossenen Studien wurden Mitomycin C und Pirarubicin (THP) untersucht. Eine vergleichende Aussage zur Überlegenheit eines bestimmten Wirkstoffs trifft der Review aufgrund der begrenzten Datenlage nicht.
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Quelle: Cochrane Review: Single-dose intravesical chemotherapy after nephroureterectomy for upper tract urothelial carcinoma (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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