Typhus und Paratyphus: Diagnostik und Antibiose
Hintergrund
Typhus und Paratyphus (zusammenfassend als enterisches Fieber bezeichnet) sind systemische Infektionskrankheiten, die durch Salmonella enterica Serotypen Typhi und Paratyphi verursacht werden. Die Übertragung erfolgt primär fäkal-oral durch kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel.
Weltweit kommt es jährlich zu Millionen von Infektionen, vor allem in Regionen mit unzureichenden Hygiene- und Sanitärstandards. In Industrienationen treten die Erkrankungen meist als Reiseinfektionen auf, wobei das Risiko bei Verwandtenbesuchen im Heimatland (VFR-Reisende) besonders hoch ist.
Eine zunehmende Herausforderung stellt die weltweite Ausbreitung von multiresistenten (MDR) und extrem resistenten (XDR) Erregerstämmen dar. Dies erfordert eine gezielte Anpassung der empirischen Antibiotikatherapie an die regionale Resistenzlage des vermuteten Infektionsortes.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Behandlung:
Diagnostik
Blut- oder Knochenmarkkulturen gelten als Goldstandard zur Bestätigung der Diagnose und zur Bestimmung der Antibiotikaempfindlichkeit. Knochenmarkkulturen weisen die höchste Sensitivität auf, sind jedoch invasiv und werden nicht routinemäßig eingesetzt.
Serologische Tests wie der Widal-Test werden aufgrund geringer Sensitivität und Spezifität kritisch gesehen. Stuhlkulturen sind in der ersten Krankheitswoche meist negativ und eignen sich eher zur Feststellung einer chronischen Trägerschaft.
Therapie
Die empirische Antibiotikatherapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und der regionalen Resistenzlage.
Die Leitlinie empfiehlt folgende Behandlungsstrategien:
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Bei unkomplizierten Verläufen und hoher Fluorchinolon-Resistenz (z.B. Asien, Subsahara-Afrika) wird Azithromycin empfohlen.
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Bei schweren Verläufen ist Ceftriaxon das empirische Mittel der Wahl.
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Bei Verdacht auf extrem resistente Stämme (XDR), beispielsweise nach Reisen nach Pakistan, wird eine Therapie mit Azithromycin oder Meropenem empfohlen.
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Bei schweren Verläufen mit ZNS-Beteiligung oder Schock wird zusätzlich die Gabe von Dexamethason empfohlen.
Komplikationen und Nachsorge
Zu den schwerwiegendsten Komplikationen zählen intestinale Perforationen und gastrointestinale Blutungen, die meist in der zweiten oder dritten Krankheitswoche auftreten. Bei einer intestinalen Perforation ist eine sofortige chirurgische Intervention in Kombination mit Breitbandantibiotika indiziert.
Etwa ein bis vier Prozent der Patienten entwickeln eine chronische Trägerschaft, die eine anhaltende Ausscheidung der Erreger über den Stuhl zur Folge hat. Ein chirurgisches Vorgehen (Cholezystektomie) zur Sanierung wird nur empfohlen, wenn andere medizinische Indikationen für den Eingriff vorliegen.
Dosierung
| Medikament | Indikation | Dosierung |
|---|---|---|
| Azithromycin | Unkomplizierter Verlauf (hohe Fluorchinolon-Resistenz) | Erwachsene: 1 g Tag 1, dann 500 mg/Tag für 7 Tage. Kinder: 20 mg/kg/Tag oral. |
| Ceftriaxon | Schwerer Verlauf | Erwachsene: 2 g/Tag i.v. für 10 Tage. Kinder: 80 mg/kg/Tag i.v. |
| Ciprofloxacin | Niedrige Fluorchinolon-Resistenz | Erwachsene: 500 mg alle 12 h oral (7-10 Tage). Kinder: 15 mg/kg/Dosis alle 12 h oral. |
| Meropenem | Verdacht auf XDR-Stämme | 20 mg/kg dreimal täglich. |
| Dexamethason | Schwere Erkrankung mit ZNS-Beteiligung oder Schock | 3 mg/kg i.v. (Initialdosis), gefolgt von 1 mg/kg alle 6 h (insgesamt 8 Dosen). |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen bezüglich der oralen Typhus-Lebendimpfung (Ty21a):
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Immunsupprimierte Personen
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Patienten mit akuten gastrointestinalen Erkrankungen
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Stillende Frauen
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Schwangere (nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung, falls der Totimpfstoff nicht verfügbar ist)
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei der Diagnostik ausschließlich auf Stuhlkulturen zu verlassen, da diese in der ersten Krankheitswoche oft falsch-negativ sind. Es wird betont, dass bei Reiserückkehrern aus Endemiegebieten mit unklarem Fieber immer an Typhus gedacht und frühzeitig eine Blutkultur abgenommen werden sollte. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine vorherige Typhus-Impfung eine Infektion nicht sicher ausschließt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist die Blut- oder Knochenmarkkultur der Goldstandard zur Diagnosestellung. Serologische Verfahren wie der Widal-Test werden aufgrund mangelnder Zuverlässigkeit nur eingeschränkt empfohlen.
Die empirische Therapie richtet sich nach der regionalen Resistenzlage. Es werden häufig Azithromycin oder Ceftriaxon empfohlen, während bei extrem resistenten Stämmen (XDR) Meropenem zum Einsatz kommt.
Schwerwiegende Komplikationen wie intestinale Perforationen oder gastrointestinale Blutungen manifestieren sich meist in der zweiten oder dritten Krankheitswoche. Die Leitlinie empfiehlt in diesen Fällen eine sofortige chirurgische und intensivmedizinische Behandlung.
Eine Ausscheidung der Erreger kann über Wochen bis Monate nach der akuten Erkrankung anhalten. Etwa ein bis vier Prozent der Patienten werden zu chronischen Trägern, die den Erreger länger als zwölf Monate ausscheiden.
Die in Nicht-Endemiegebieten verfügbaren Impfstoffe bieten laut Leitlinie nur einen Schutz von etwa 50 bis 60 Prozent. Daher wird betont, dass Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene auch bei geimpften Personen unerlässlich bleiben.
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Quelle: StatPearls: Typhoid Fever (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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