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Typ-2-Diabetes bei Kindern: Diagnostik und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Diabetes Canada (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist in den letzten zwei Jahrzehnten weltweit gestiegen. Besonders betroffen sind Kinder aus ethnischen Hochrisikogruppen, darunter Personen afrikanischer, asiatischer oder indigener Abstammung.

Die Erkrankung weist eine hohe Erblichkeit auf, da 90 % der betroffenen Kinder einen Verwandten ersten oder zweiten Grades mit Typ-2-Diabetes haben. Zudem besteht ein starker Zusammenhang mit Adipositas und einem niedrigen sozioökonomischen Status.

Zur Prävention wird eine Anpassung des Lebensstils empfohlen. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, die Reduktion von zuckerhaltigen Getränken, ausreichend Schlaf sowie die Begrenzung der Bildschirmzeit.

Empfehlungen

Die Diabetes Canada Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Monitoring.

Screening und Diagnostik

Ein Screening auf Typ-2-Diabetes wird alle zwei Jahre mittels einer Kombination aus HbA1c und Nüchternblutzucker (oder Gelegenheitsblutzucker) empfohlen. Dies gilt für präpubertäre Kinder ab 8 Jahren mit mindestens drei Risikofaktoren sowie für pubertäre Kinder mit mindestens zwei Risikofaktoren.

Zu den definierten Risikofaktoren zählen unter anderem:

  • Adipositas (BMI >= 95. Perzentile für Alter und Geschlecht)

  • Zugehörigkeit zu einer ethnischen Hochrisikogruppe

  • Typ-2-Diabetes bei Verwandten ersten Grades oder Hyperglykämie in utero

  • Klinische Zeichen einer Insulinresistenz (z. B. Acanthosis nigricans, Hypertonie, Dyslipidämie, Fettleber)

  • Einnahme atypischer Antipsychotika

Da 10 bis 20 % der Kinder mit klinischem Typ-2-Diabetes Autoantikörper aufweisen, sollte laut Leitlinie eine Testung auf Diabetes-Autoantikörper erwogen werden. Dies dient dem Ausschluss eines Typ-1-Diabetes.

Therapieziele und Lebensstil

Für die meisten Kinder mit Typ-2-Diabetes wird ein HbA1c-Zielwert von <= 7,0 % empfohlen. Ein Erreichen von < 6,0 % innerhalb der ersten sechs Monate nach Diagnose kann das Risiko eines Therapieversagens reduzieren.

Die Betreuung sollte durch ein interprofessionelles pädiatrisches Diabetesteam erfolgen. Es wird empfohlen, täglich 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität anzustreben und die Bildschirmzeit auf maximal zwei Stunden pro Tag zu begrenzen.

Medikamentöse Therapie

Bei metabolisch stabilen Kindern (HbA1c < 9,0 % und keine oder minimale Symptome) wird der Beginn einer Metformin-Therapie in Kombination mit Lebensstilinterventionen empfohlen.

Eine initiale Insulintherapie wird bei schwerer metabolischer Dekompensation, diabetischer Ketoazidose oder einem HbA1c >= 9,0 % empfohlen. Sofern keine Azidose vorliegt, sollte Metformin zeitgleich mit dem Insulin gestartet werden.

Wenn die glykämischen Ziele nach 3 bis 6 Monaten nicht erreicht werden, wird die Eskalation auf ein Basalinsulin empfohlen. Bei weiterem Therapieversagen sollte laut Leitlinie ein prandiales Insulin hinzugefügt werden.

Monitoring von Komplikationen

Aufgrund des hohen Risikos für frühe mikrovaskuläre und kardiovaskuläre Komplikationen wird ein strukturiertes Screening empfohlen.

KomplikationZeitpunkt des ScreeningsEmpfohlene Methode
NeuropathieBei Diagnose, danach jährlichKlinische Untersuchung (Vibrationsempfinden, Reflexe)
RetinopathieBei Diagnose, danach jährlichFunduskopie oder Fundusfotografie
NephropathieBei Diagnose, danach jährlichAlbumin-Kreatinin-Quotient (bevorzugt erster Morgenurin)
DyslipidämieBei Diagnose, danach jährlichNüchtern-Lipidprofil
HypertonieBei Diagnose, danach bei jedem Termin (mind. 2x/Jahr)Blutdruckmessung mit passender Manschette
NAFLDBei Diagnose, danach jährlichALT-Bestimmung und/oder Ultraschall
Depression / Binge EatingBei Diagnose, danach bei jedem Termin (mind. 2x/Jahr)Klinisches Assessment der Symptome

Dosierung

Die Leitlinie gibt spezifische Dosierungsempfehlungen für die Einleitung einer Metformin-Therapie bei Kindern und Jugendlichen.

MedikamentStartdosisTitrationsschemaMaximaldosisBesonderheiten
Metformin500 mg 1x täglich für 7 TageSteigerung um 500 mg einmal wöchentlich über 3 bis 4 Wochen1.000 mg 2x täglichBei gastrointestinalen Nebenwirkungen Steigerung in 250-mg-Schritten

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von der routinemäßigen Anwendung von Rosiglitazon bei Kindern ab, da Bedenken hinsichtlich der Langzeitsicherheit bestehen. Glimepirid sollte nur erwogen werden, wenn Metformin nicht toleriert wird, da es mit einer signifikanten Gewichtszunahme assoziiert ist.

Eine bariatrische Chirurgie wird nur für entsprechend selektierte Jugendliche mit schwerer Adipositas empfohlen, die ihre finale Körpergröße erreicht haben. Der Eingriff sollte ausschließlich von erfahrenen interdisziplinären Teams durchgeführt werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, sich bei der Diagnose ausschließlich auf den klinischen Phänotyp zu verlassen. Es wird darauf hingewiesen, dass bis zu 20 % der Kinder mit der klinischen Diagnose eines Typ-2-Diabetes positiv auf Autoantikörper testen und somit eigentlich an einem Typ-1-Diabetes leiden. Eine routinemäßige Antikörpertestung wird daher empfohlen, um eine Fehlklassifikation und unzureichende Therapie zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird ein Screening bei präpubertären Kindern ab 8 Jahren empfohlen, sofern mindestens 3 Risikofaktoren vorliegen. Bei pubertären Kindern genügen 2 Risikofaktoren für die Indikation zum Screening.

Es wird für die meisten Kinder ein Zielwert von <= 7,0 % empfohlen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass ein Wert von < 6,0 % in den ersten 6 Monaten das Risiko eines Therapieversagens signifikant senken kann.

Eine Insulintherapie wird bei schwerer metabolischer Dekompensation, diabetischer Ketoazidose oder einem HbA1c >= 9,0 % empfohlen. Sobald die glykämischen Ziele erreicht sind, kann das Insulin laut Leitlinie oft wieder ausgeschlichen werden.

Die Leitlinie empfiehlt eine Startdosis von 500 mg täglich für 7 Tage. Danach wird eine wöchentliche Steigerung um 500 mg bis zu einer Maximaldosis von 1.000 mg zweimal täglich empfohlen.

Es wird empfohlen, direkt bei Diagnose auf mikrovaskuläre Komplikationen wie Nephropathie, Retinopathie und Neuropathie zu screenen. Zudem sollte eine Abklärung auf Begleiterkrankungen wie Dyslipidämie, Fettleber (NAFLD), PCOS und Depressionen erfolgen.

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Quelle: Diabetes Canada Chapter 35: Type 2 Diabetes in Children and Adolescents (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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