Tuberkulose-Prävalenzsurveys: Diagnostische Algorithmen
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2023) thematisiert die Herausforderungen bei der Durchführung nationaler Tuberkulose-Prävalenzsurveys. In der Vergangenheit stellte die Anlage von Bakterienkulturen, insbesondere von Festkulturen, die größte logistische und qualitative Hürde dar.
Laut Leitlinie bieten molekulare Schnelltests wie Xpert MTB/RIF oder Xpert Ultra zwar logistische Vorteile, weisen jedoch in Survey-Szenarien eine suboptimale Spezifität auf. Dies führt häufig zu falsch-positiven Ergebnissen, da auch tote Mykobakterien detektiert werden.
Neue Daten zeigen, dass Xpert Ultra sensitiver ist als Festkulturen, jedoch weniger sensitiv als Flüssigkulturen. Daher formuliert das Dokument aktualisierte diagnostische Algorithmen für zukünftige Erhebungen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Diagnostik in nationalen Tuberkulose-Prävalenzsurveys:
Allgemeine Prinzipien
Es wird empfohlen, Festkulturen nicht mehr als primären diagnostischen Test in Surveys einzusetzen. Die Leitlinie begründet dies mit der nachgewiesenen Überlegenheit von Xpert Ultra hinsichtlich der Sensitivität.
Zudem wird betont, dass bei der Verwendung von Xpert Ultra in Surveys aufgrund der falsch-positiven Raten stets eine Bestätigung durch eine Kultur erfolgen sollte.
Option 1: Xpert Ultra-basierter Algorithmus
Für die meisten Länder wird gemäß Leitlinie dieser Algorithmus empfohlen, da er den Bedarf an Kulturtests massiv reduziert. Das Vorgehen umfasst:
-
Untersuchung von zwei separaten Sputumproben mittels Xpert Ultra bei allen positiv gescreenten Personen
-
Bei mindestens einem positiven Xpert-Ergebnis: Durchführung einer Bestätigungsdiagnostik mittels Flüssigkultur (MGIT)
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Einstufung als Tuberkulose-Fall bei positivem Xpert- und positivem Flüssigkultur-Ergebnis
Option 2: Flüssigkultur-basierter Algorithmus
Dieser Ansatz wird laut Leitlinie nur für Länder empfohlen, die eine durchgehend hohe Qualität bei Flüssigkulturen gewährleisten können. Die Strategie beinhaltet:
-
Anlage von zwei separaten Sputumproben in Flüssigkulturen (MGIT) für alle positiv gescreenten Personen
-
Zusätzliche Durchführung eines Xpert Ultra-Tests bei diesen Personen, um ein schnelles Ergebnis für das klinische Management zu erhalten
-
Prävalenzschätzung basierend primär auf den Ergebnissen der Flüssigkultur
Vergleich der diagnostischen Optionen
| Algorithmus | Primärtest bei Screen-Positiven | Bestätigungstest | Voraussetzungen |
|---|---|---|---|
| Option 1 | 2x Xpert Ultra | 2x Flüssigkultur (nur bei Xpert-positiv) | Logistik für schnelle Xpert-Ergebnisse vor Ort |
| Option 2 | 2x Flüssigkultur + 1x Xpert Ultra | Nicht zwingend erforderlich | Hochwertige und kapazitätsstarke Kulturlabore |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, positive Xpert-Ergebnisse in Prävalenzsurveys ohne kulturelle Bestätigung als aktive Tuberkulose zu werten. Da molekulare Tests auch DNA-Fragmente toter Erreger nachweisen, wird betont, dass bis zu zwei Drittel der positiven Xpert-Befunde in diesem Setting falsch-positiv sein können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie hat sich gezeigt, dass der molekulare Test Xpert Ultra eine signifikant höhere Sensitivität aufweist als Festkulturen. Daher wird empfohlen, Festkulturen nicht mehr als initialen Diagnostiktest zu verwenden.
Die Leitlinie gibt an, dass in einem Survey-Setting zwischen einem Drittel und zwei Dritteln der positiven Xpert-Ergebnisse falsch-positiv sein können. Dies liegt daran, dass der Test auch DNA von toten Mykobakterien bei ausgeheilter Tuberkulose nachweist.
Es wird Option 1 empfohlen, bei der initial alle positiv Gescreenten mit Xpert Ultra getestet werden. Eine aufwendige Flüssigkultur ist gemäß Leitlinie dann nur noch bei den wenigen Personen mit positivem Xpert-Befund zur Bestätigung notwendig.
Die Leitlinie betont, dass das Warten auf ein Kulturergebnis mehrere Wochen dauert, was ethisch für das klinische Management der Betroffenen nicht vertretbar ist. Der zusätzliche Xpert-Test dient ausschließlich der schnellen Therapieentscheidung und nicht der Prävalenzschätzung.
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Quelle: National tuberculosis prevalence surveys: what diagnostic algorithms should be used in future? (WHO, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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