Temporärer Bauchdeckenverschluss: Indikation & Technik
Hintergrund
Der temporäre Bauchdeckenverschluss (Temporary Abdominal Closure, TAC) ist eine essenzielle chirurgische Strategie. Er kommt zum Einsatz, wenn ein primärer Faszienverschluss nach einer Laparotomie nicht möglich oder kontraindiziert ist.
Ein offenes Abdomen stellt eine erhebliche klinische Herausforderung dar und ist mit einer Mortalitätsrate von über 30 % assoziiert. Ziel des TAC ist es, die Faszienränder auf Spannung zu halten und einen Flüssigkeitsverlust zu kontrollieren.
Dadurch soll eine Retraktion der lateralen Bauchmuskulatur verhindert werden. Dies ist entscheidend, um zu einem späteren Zeitpunkt einen verzögerten primären Faszienverschluss zu ermöglichen und Hernien zu vermeiden.
Empfehlungen
Der StatPearls-Artikel beschreibt verschiedene Ansätze für das Management des offenen Abdomens. Es wird betont, dass es nicht die eine perfekte Methode für jede klinische Situation gibt.
Indikationen für einen temporären Verschluss
Die Leitlinie nennt spezifische Szenarien, in denen ein offenes Abdomen indiziert ist:
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Schwere intraabdominelle Infektionen, die mehrfache Eingriffe erfordern.
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Trauma und unkontrollierte Blutungen im Rahmen der Damage-Control-Chirurgie.
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Ischämischer Darm mit der Notwendigkeit einer Second-Look-Laparotomie.
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Abdominelles Kompartmentsyndrom zur chirurgischen Dekompression.
Übersicht der Verschlusstechniken
Es werden verschiedene Techniken beschrieben, die sich in ihrer Komplexität und ihren Komplikationsraten unterscheiden. Reine Hautverschlüsse (z. B. mit Tuchklemmen) werden aufgrund hoher Komplikationsraten heutzutage nicht mehr empfohlen.
| Technik | Beschreibung | Vorteile | Nachteile / Risiken |
|---|---|---|---|
| Bogotá-Bag (Silo) | Eingenähter Infusionsbeutel | Kostengünstig, einfach | Hohe Hernienrate, schlechte Flüssigkeitskontrolle |
| Dynamische Retentionsnähte | Plastikschläuche mit Zugsystem (z. B. ABRA) | Erhält Faszienränder, stufenweiser Zug | Teuer, Risiko für Darmfisteln |
| Wittmann-Patch | Klettverschluss-artiges System an der Faszie | Hohe Erfolgsrate (78-100 %) | Teuer, schlechte Drainage |
| Unterdrucktherapie (NPWT) | Schwamm- oder tuchbasierte Vakuumsysteme | Gute Flüssigkeitskontrolle, hohe Verschlussrate | Kostenintensiv, erfordert Expertise |
Unterdruck-Wundtherapie (NPWT)
Laut Text wird die Unterdruck-Wundtherapie gegenüber einfachen Silikonabdeckungen bevorzugt, um einen Faszienverschluss zu erreichen. Randomisierte Studien zeigen, dass eine Kombination aus NPWT und dynamischer Faszientraktion die besten Verschlussraten erzielt.
Bei schwerer abdomineller Sepsis wird zudem die NPWT mit Instillation (NPWT-I) hervorgehoben. Diese soll helfen, inflammatorische Zytokine auszuspülen und die Mortalität zu senken.
Adjuvante Maßnahmen
Zur Erleichterung des Faszienverschlusses beschreibt der Text zusätzliche medikamentöse Ansätze:
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Die Volumentherapie mit hypertoner Kochsalzlösung kann den frühen Faszienverschluss begünstigen.
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Der Einsatz von Botulinumtoxin A wird als Methode zur chemischen Paralyse der lateralen Bauchmuskulatur beschrieben.
Kontraindikationen
Der Text nennt klare Kontraindikationen für die Anlage eines temporären Bauchdeckenverschlusses:
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Eine Stabilisierung des Patienten, die einen sofortigen primären Faszienverschluss zulässt.
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Erfolgreich kontrollierte Blutungen und Kontaminationen ohne weiteren Bedarf für Damage-Control-Chirurgie.
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Ausreichend vorhandenes Gewebe für einen primären Verschluss ohne Gefährdung des Patienten.
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Das Fehlen eines abdominellen Kompartmentsyndroms oder eines signifikant erhöhten intraabdominellen Drucks (keine prophylaktische Anwendung).
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler bei der Anwendung von Unterdruck-Wundtherapien (NPWT) ist laut Text die Verwendung einer zu kleinen viszeralen Schutzschicht in Kombination mit einer großen Schwammöffnung. Es wird davor gewarnt, dass der Schwamm direkten Kontakt zu den Eingeweiden hat, da dies das Risiko für enterale Fisteln deutlich erhöht. Die Schutzschicht muss zwingend den gesamten viszeralen Inhalt abdecken.
Häufig gestellte Fragen
Der Text gibt an, dass die Inzidenz für Narbenhernien nach einem offenen Abdomen sehr hoch ist. Sie wird mit bis zu 21 % nach zwei Jahren und über 50 % nach fünf Jahren beziffert.
Laut Artikel weisen reine Hautverschlüsse eine hohe Komplikationsrate auf. Insbesondere das Risiko für ein rezidivierendes abdominelles Kompartmentsyndrom liegt bei 13 bis 36 %, weshalb diese Technik weitgehend verlassen wurde.
Der Text stellt klar, dass dies ein häufiges Missverständnis ist. Tatsächlich ist die Rate an enteralen Fisteln bei der Unterdruck-Wundtherapie (NPWT) geringer als bei anderen abdominellen Packing-Strategien.
Ein Bogotá-Bag ist eine kostengünstige Silo-Technik, bei der ein sterilisierter, aufgeschnittener 3-Liter-Infusionsbeutel an die Hautränder genäht oder getackert wird. Die Leitlinie merkt an, dass diese Methode zwar billig ist, aber eine spätere Faszienretraktion nicht verhindert.
Um Komplikationen wie Hernien zu vermeiden, wird ein früher Verschluss angestrebt. Der Text nennt ein Zeitfenster von 10 bis 14 Tagen als den einfachsten Weg, um eine Hernienbildung zu verhindern.
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Quelle: StatPearls: Temporary Abdominal Closure Techniques (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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