Süd-Süd-Lernaustausch: 5-Schritte-Ansatz zur Umsetzung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie "A step-by-step guide to South-South learning exchanges" beschreibt eine strukturierte Methodik zum Wissensaustausch zwischen Ländern oder Organisationen des globalen Südens. Ziel ist es, die Implementierung evidenzbasierter Praktiken, insbesondere im Bereich der Familienplanung und reproduktiven Gesundheit, zu fördern und zu skalieren.
Süd-Süd-Lernaustausche (SSLE) dienen dem bidirektionalen Teilen von explizitem und implizitem Wissen. Sie ermöglichen es den Teilnehmenden, ein tieferes Verständnis für Best Practices zu entwickeln, Kapazitäten aufzubauen und politische Veränderungen oder Programmanpassungen in ihren jeweiligen Heimatländern voranzutreiben.
Das Dokument richtet sich primär an Moderatoren und Planungskomitees, die solche Austausche organisieren. Es betont die Wichtigkeit einer sorgfältigen Vorbereitung, einer klaren Zielsetzung sowie einer strukturierten Nachbereitung, um einen nachhaltigen Wissenstransfer zu gewährleisten.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Durchführung von Süd-Süd-Lernaustauschen:
Arten des Austauschs
Die Leitlinie klassifiziert verschiedene Formate für den Wissenstransfer, die je nach Zielsetzung und Budget ausgewählt werden sollten:
| Art des Austauschs | Beschreibung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Studienreise / Vor-Ort-Besuch | Ein Team besucht ein anderes Team, um die Umsetzung von Best Practices direkt zu beobachten. | Häufigste Form des Austauschs, meist mehrtägig. |
| Reziproker Austausch (Twinning) | Langfristige Beziehung, bei der die Rollen von Wissensgeber und -sucher im Laufe der Zeit wechseln. | Wird besonders empfohlen, da es gleichberechtigte Beziehungen aufbaut. |
| Expertenbesuch | Das Wissensgeber-Team reist zum Wissenssucher-Team, um lokales Mentoring und Training anzubieten. | Fokus auf On-the-Job-Training und gemeinsame Implementierung. |
| Virtueller Austausch | Austausch findet über digitale Kommunikationsmittel statt. | Kostengünstig, erfordert aber klar definierte Bedürfnisse des suchenden Teams. |
Bedarfsermittlung und Zielsetzung (Step 1)
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Laut Leitlinie wird empfohlen, zunächst den Bedarf für evidenzbasierte Praktiken durch eine Situationsanalyse zu ermitteln.
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Es wird geraten, das übergeordnete Ziel des Veränderungsprozesses sowie den spezifischen Zweck des Austauschs klar zu definieren.
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Mögliche Zwecke umfassen die Identifikation neuer Praktiken, den Kapazitätsaufbau oder die politische Interessenvertretung.
Planung des Austauschs (Step 2)
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Die Leitlinie empfiehlt die sorgfältige Auswahl eines geeigneten Wissensgeber-Teams, das über ein replizierbares und überzeugendes Programm verfügt.
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Es wird die Entwicklung von intermediären, SMART-formulierten Zielen (spezifisch, messbar, erreichbar, realistisch, zeitgebunden) empfohlen.
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Gemäß Leitlinie sollte frühzeitig ein Monitoring- und Evaluationsplan (M&E) erstellt sowie eine detaillierte Agenda unter Berücksichtigung von Prinzipien der Erwachsenenbildung entworfen werden.
Durchführung und Moderation (Step 3)
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Es wird empfohlen, den Austausch durch eine externe, neutrale Person moderieren zu lassen, um Engagement, Zusammenarbeit und Lernen zu fördern.
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Die Leitlinie betont die Wichtigkeit, noch während des Austauschs einen konkreten Aktionsplan zu entwickeln.
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Dieser Aktionsplan sollte spezifische nächste Schritte, Zeitpläne und Verantwortlichkeiten festlegen.
Implementierung und Nachbereitung (Steps 4 & 5)
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Nach dem Austausch wird ein zeitnahes Debriefing mit der breiteren Stakeholder-Gruppe empfohlen, um die Erkenntnisse und den Aktionsplan zu teilen.
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Laut Leitlinie sollte die Umsetzung des Aktionsplans kontinuierlich unterstützt und durch das etablierte M&E-System überwacht werden.
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Es wird geraten, die Ergebnisse nach 6 und 12 Monaten an das Wissensgeber-Team zurückzumelden, um den gegenseitigen Nutzen zu stärken.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, unvorbereitete oder ungeeignete Teams für den Austausch auszuwählen, da dies den übergeordneten Veränderungsprozess behindern und potenziell Schaden anrichten kann. Ebenso wird vor einem überhasteten Planungsprozess gewarnt, da dieser die Effektivität des Austauschs stark einschränkt.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die gemeinsame Entwicklung eines konkreten Aktionsplans noch während des laufenden Austauschs ein entscheidender Erfolgsfaktor. Es wird betont, dass die Motivation und die frischen Eindrücke der Teilnehmenden direkt genutzt werden sollten, um Verantwortlichkeiten und messbare nächste Schritte festzuhalten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Austausch ohne vorherige Definition von SMART-Zielen und einem begleitenden Monitoring-Plan im Nachhinein kaum auf seine Wirksamkeit überprüft werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie unterscheidet zwischen Studienreisen, reziprokem Austausch (Twinning), Expertenbesuchen und virtuellen Austauschen. Es wird betont, dass reziproke Austausche besonders empfehlenswert sind, da sie langfristige und gleichberechtigte Beziehungen fördern.
Laut Leitlinie sollte die Zusammensetzung der Teams vom Zweck des Austauschs abhängen und eine Mischung aus technischem Personal, Managern und politischen Entscheidungsträgern umfassen. Es wird empfohlen, Personen auszuwählen, die nach dem Austausch bei der Umsetzung des Aktionsplans effektiv zusammenarbeiten können.
Die Leitlinie gibt an, dass die Planungsphase je nach Situation sechs Monate oder länger in Anspruch nehmen kann. Es wird nachdrücklich empfohlen, ausreichend Zeit für die Auswahl der Teams und die inhaltliche Vorbereitung einzuplanen.
Es wird empfohlen, den Erfolg anhand eines vorab definierten Monitoring- und Evaluationsplans (M&E) zu messen. Die Leitlinie schlägt vor, strukturierte Umfragen vor, unmittelbar nach und 6 bis 18 Monate nach dem Austausch durchzuführen.
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Quelle: A step-by-step guide to South-South learning exchanges (WHO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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