Pulsus Bisferiens: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Der Pulsus bisferiens ist eine zentrale Pulswelle, die durch zwei Spitzen mit einer deutlichen mittelsystolischen Senke gekennzeichnet ist. Die frühe Komponente (Perkussionswelle) resultiert aus einer schnellen linksventrikulären Auswurfphase. Die späte Komponente (Tidalwelle) stellt eine reflektierte Welle aus der Peripherie dar, die durch den Rückstoßeffekt der Arterien entsteht.
Laut der StatPearls-Leitlinie tritt dieses Phänomen am häufigsten bei gemischten Aortenklappenerkrankungen mit schwerer Aorteninsuffizienz sowie bei der hypertroph-obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) auf. Weitere mögliche Ursachen umfassen einen persistierenden Ductus arteriosus (PDA) bei Neugeborenen oder einen signifikanten Mitralklappenprolaps.
Klinisch lässt sich der Pulsus bisferiens am besten an peripheren Arterien wie der Arteria radialis oder brachialis tasten. Die Leitlinie betont, dass das Phänomen durch ein Valsalva-Manöver oder die Gabe von Amylnitrit provoziert beziehungsweise verstärkt werden kann.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Therapie bei einem Pulsus bisferiens:
Klinische Untersuchung und Differenzialdiagnostik
Es wird empfohlen, den Pulsus bisferiens streng vom dikroten Puls abzugrenzen. Die Leitlinie beschreibt folgende Unterscheidungsmerkmale:
| Merkmal | Pulsus bisferiens | Dikroter Puls |
|---|---|---|
| Tastbare Pulswellen | Zwei Spitzen in der Systole | Eine Spitze in der Systole, eine in der Diastole |
| Typische Ursachen | HOCM, Aortenklappenerkrankungen, PDA | Herzversagen, Sepsis, niedriges Herzzeitvolumen |
Zudem wird auf spezifische Begleitgeräusche hingewiesen, die auf die zugrunde liegende Ätiologie hindeuten:
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Ein systolisches Austreibungsgeräusch über der Aorta bei Aortenstenose
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Ein frühdiastolisches Geräusch am linken Sternumrand bei Aorteninsuffizienz
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Ein systolisches Austreibungsgeräusch parasternal links bei HOCM
Apparative Diagnostik
Die Echokardiografie wird als primäres diagnostisches Instrument zur Beurteilung der Klappenmorphologie und der linksventrikulären Funktion empfohlen.
Für spezifische Fragestellungen nennt die Leitlinie weitere Modalitäten:
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Die kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) gilt als Goldstandard zur Beurteilung von Patienten mit HOCM.
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Die Computertomografie (CT) wird für die präzise Planung von Katheterinterventionen herangezogen.
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Biomarker wie hochsensitives Troponin T und NT-proBNP können bei bikuspiden Aortenklappen erhöht sein.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung:
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Gemischte Aortenklappenerkrankung: Es wird der Einsatz von Vasodilatatoren, ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) zur Nachlastsenkung beschrieben. Betablocker gelten hier als weniger vorteilhaft.
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HOCM: Betablocker werden als medikamentöse Erstlinientherapie empfohlen. Alternativ können Kalziumkanalblocker wie Verapamil oder Diltiazem eingesetzt werden.
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PDA bei Neugeborenen: Die Leitlinie beschreibt den frühen Einsatz von Indometacin, Ibuprofen oder Paracetamol zum Verschluss des Ductus.
Interventionelle und chirurgische Therapie
Bei schweren Verläufen werden operative oder interventionelle Verfahren beschrieben. Für Aortenklappenerkrankungen umfassen diese klappenerhaltende Rekonstruktionen oder den Transkatheter-Aortenklappenersatz (TAVR). Bei therapierefraktärer HOCM wird eine Myektomie, eine septale Alkoholablation oder die Implantation eines ICD beziehungsweise Zweikammerschrittmachers aufgeführt.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es spezifische Kontraindikationen bei der medikamentösen Therapie der hypertroph-obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM).
Der Einsatz von Vasodilatatoren, ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) ist bei Patienten mit HOCM kontraindiziert.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender klinischer Fallstrick ist die Verwechslung des Pulsus bisferiens mit einem dikroten Puls. Die Leitlinie betont, dass beim Pulsus bisferiens beide Pulswellen während der Systole auftreten, während der dikrote Puls durch eine systolische und eine diastolische Welle gekennzeichnet ist. Ein dikroter Puls deutet eher auf eine Sepsis oder ein Herzversagen hin.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie lässt sich der Pulsus bisferiens am besten an peripheren Arterien wie der Arteria radialis, der Arteria brachialis oder der Arteria femoralis ertasten. Ein Valsalva-Manöver kann das Phänomen klinisch deutlicher hervortreten lassen.
Die häufigsten Ursachen sind laut StatPearls gemischte Aortenklappenerkrankungen mit schwerer Aorteninsuffizienz sowie die hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie (HOCM). Seltener tritt das Phänomen bei einem großen persistierenden Ductus arteriosus (PDA) auf.
Die Leitlinie empfiehlt Betablocker als Erstlinientherapie bei HOCM. Als Zweitlinientherapie können Kalziumkanalblocker wie Verapamil oder Diltiazem eingesetzt werden, während Vasodilatatoren strikt zu vermeiden sind.
Die kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) wird in der Leitlinie als Goldstandard für die Beurteilung von Patienten mit hypertroph-obstruktiver Kardiomyopathie beschrieben. Als primäres Diagnostiktool für die Erstbeurteilung dient jedoch die Echokardiografie.
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Quelle: StatPearls: Pulsus Bisferiens (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.