Penisfraktur: Diagnostik und Therapie laut StatPearls
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die Penisfraktur als einen urologischen Notfall, der meist durch ein stumpfes Trauma des erigierten Penis während des Geschlechtsverkehrs entsteht. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Druckanstieg in den Schwellkörpern, der zu einer Ruptur der Tunica albuginea führt.
Während einer Erektion verdünnt sich die Tunica albuginea von normalerweise 2 Millimetern auf etwa 0,25 Millimeter. Die Ruptur tritt am häufigsten an der ventralen Seite des Penisschafts auf, was die häufige Beteiligung der Harnröhre bei dieser Verletzung erklärt.
Unbehandelt oder bei verzögerter Therapie kann die Verletzung zu dauerhafter sexueller Dysfunktion, Penisverkrümmungen und schmerzhaften Erektionen führen. Daher wird eine rasche Identifikation und chirurgische Behandlung als essenziell eingestuft.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management der Penisfraktur:
Klinische Diagnostik
Die Diagnose wird in der Regel rein klinisch anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung gestellt. Typische Befunde umfassen ein hörbares Knacken zum Unfallzeitpunkt, einen sofortigen Erektionsverlust sowie eine deutliche Schwellung und Hämatombildung.
Das klinische Bild wird häufig als "Auberginen-Deformität" beschrieben, bei der der Penis zur unverletzten Seite abweicht.
Bei Verdacht auf eine begleitende Harnröhrenverletzung wird eine gezielte Abklärung empfohlen. Warnsignale hierfür sind:
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Blut am Meatus urethrae
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Makrohämaturie
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Miktionsbeschwerden oder Harnverhalt
Bildgebende Verfahren
Laut Leitlinie ist eine Bildgebung optional und sollte eine operative Freilegung nicht unnötig verzögern. Wenn die klinische Diagnose unklar ist, werden verschiedene Modalitäten wie folgt bewertet:
| Bildgebung | Klinischer Nutzen | Nachteile |
|---|---|---|
| Ultraschall | Schnell verfügbar, zeigt Defekte der Tunica | Stark untersucherabhängig, erschwert durch Hämatome |
| MRT | Sehr hohe Sensitivität (100 %) und gute Spezifität | Teuer, zeitaufwendig, nicht überall sofort verfügbar |
| CT | Zeigt genaue Lokalisation und Größe des Defekts | Strahlenbelastung, hohe Kosten, verzögert die OP |
| Kavernosographie | Definitiver Nachweis bei unklaren Fällen | Invasiv, bleibt seltenen Spezialfällen vorbehalten |
Operative Therapie
Es wird eine umgehende operative Versorgung empfohlen, um Spätkomplikationen wie eine erektile Dysfunktion zu minimieren. Vor dem Eingriff sollte eine antibiotische Prophylaxe erfolgen.
Für den chirurgischen Zugang wird meist ein zirkumzidierender subkoronaler Schnitt mit Degloving des Penisschafts bevorzugt. Nach der Hämatomausräumung wird der Defekt der Tunica albuginea dargestellt und verschlossen.
Für den Verschluss der Tunica empfiehlt die Leitlinie:
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Verwendung von resorbierbarem Nahtmaterial (z.B. Polyglactin oder Polydioxanon der Stärke 00)
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Einzelknopfnähte zur Gewährleistung der Reißfestigkeit
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Versenken der Knoten, um postoperative tastbare Narben zu vermeiden
Management von Begleitverletzungen
Die Leitlinie empfiehlt die intraoperative Einlage eines Blasenkatheters bei allen Eingriffen, da dieser die Schwellkörper stabilisiert und als anatomischer Orientierungspunkt dient. Bei unauffälliger Harnröhre kann der Katheter am ersten postoperativen Tag entfernt werden.
Zur sicheren Diagnose einer Urethraverletzung wird eine intraoperative flexible Zystoskopie gegenüber der retrograden Urethrographie bevorzugt. Bestätigte Harnröhrenrisse sollten primär mit feinem, resorbierbarem Nahtmaterial spannungsfrei über dem Katheter genäht werden.
Konservative Ausnahmeindikation
Eine Ausnahme von der sofortigen Operationspflicht bilden laut Leitlinie Penisfrakturen, die nach einer Injektionstherapie mit Clostridium-histolyticum-Kollagenase (bei Induratio penis plastica) auftreten. Sofern keine Harnröhrenverletzung vorliegt, wird hier ein konservatives Vorgehen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, die operative Versorgung durch aufwendige bildgebende Verfahren zu verzögern. Es wird betont, dass bereits eine Verzögerung von etwa 8 Stunden das Risiko für eine postoperative erektile Dysfunktion signifikant erhöht. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Verwendung von nicht-resorbierbarem Nahtmaterial vermieden werden sollte, da dies häufig zu störender Narbenbildung führt.
Häufig gestellte Fragen
Die Diagnose wird laut Leitlinie primär klinisch gestellt. Typisch sind ein plötzlicher Erektionsverlust, ein hörbares Knacken sowie die charakteristische "Auberginen-Deformität" mit Schwellung und Hämatom.
Ein Verdacht auf eine Urethraverletzung besteht bei Blut am Meatus, Hämaturie oder Miktionsproblemen. In diesen Fällen wird eine intraoperative Zystoskopie zur genauen Abklärung empfohlen.
Gemäß der Leitlinie ist eine Bildgebung nicht routinemäßig erforderlich und sollte die Operation keinesfalls verzögern. Ultraschall oder MRT können in klinisch unklaren Fällen ergänzend eingesetzt werden.
Wenn keine Harnröhrenverletzung vorliegt, kann der Katheter meist am ersten postoperativen Tag entfernt werden. Bei einer genähten Urethraverletzung wird empfohlen, den Katheter für mindestens zwei Wochen zu belassen.
Ja, bei Rupturen, die als Komplikation einer Kollagenase-Injektionstherapie (bei Morbus Peyronie) auftreten. Hier wird ein konservatives Vorgehen empfohlen, sofern die Harnröhre intakt ist.
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Quelle: StatPearls: Penile Fracture (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.