Ketamin bei akuten und chronischen Schmerzen: StatPearls
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie behandelt den Einsatz von Ketamin zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzzuständen. Schmerz wird dabei grundsätzlich in nozizeptive, neuropathische und noziplastische Ursachen unterteilt.
Ketamin ist ein nicht-kompetitiver NMDA-Rezeptor-Antagonist, der als dissoziatives Anästhetikum wirkt. Es bietet eine nicht-opioide Alternative für verschiedene Schmerzsyndrome und zeichnet sich durch den Erhalt des Atemantriebs aus.
Neben der analgetischen Wirkung stimuliert Ketamin den Sympathikus und besitzt bronchodilatatorische Eigenschaften. Dies macht es laut Leitlinie besonders nützlich bei hämodynamisch instabilen Personen oder bei schwerer Bronchokonstriktion.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Einsatz:
Perioperative und akute Schmerztherapie
Es wird der Einsatz von subanästhetischem intravenösem Ketamin bei Eingriffen mit zu erwartenden starken postoperativen Schmerzen empfohlen. Dazu zählen laut Leitlinie abdominale, thorakale und orthopädische Operationen.
Bei Eingriffen mit zu erwartenden leichten Schmerzen wird von einem Einsatz abgeraten, da hier kein Nutzen belegt ist.
Zudem wird Ketamin als Zusatztherapie für opioidabhängige oder opioidtolerante Personen empfohlen, um den Opioidverbrauch zu senken. Dies gilt auch für chronische Erkrankungen wie Sichelzellkrisen.
Chronische Schmerztherapie
Für das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) wird der Einsatz von Ketamin-Infusionen unterstützt (moderate Evidenz). Laut Leitlinie kann hierdurch eine Schmerzlinderung für bis zu 12 Wochen erreicht werden.
Bei anderen chronischen Schmerzen wie Fibromyalgie, ischämischen Schmerzen, Migräne oder Kreuzschmerzen gibt es laut Leitlinie keine oder nur schwache Evidenz für eine sofortige Schmerzlinderung. Ein mittel- oder langfristiger Nutzen ist hier nicht belegt.
Folgetherapie und Applikationswege
Die Leitlinie bewertet verschiedene Applikationswege für die Zeit nach einer intravenösen Infusion:
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Intranasales Ketamin wird für Durchbruchschmerzen unterstützt (moderate Evidenz)
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Orales Ketamin wird aufgrund des hohen Missbrauchspotenzials nur mit äußerster Vorsicht empfohlen (niedrige Evidenz)
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Für die patientenkontrollierte Analgesie (PCA) mit Ketamin als alleinigem Wirkstoff gibt es nur begrenzte Evidenz
Dosierung
Die Leitlinie gibt spezifische Maximaldosierungen für die perioperative Analgesie in Nicht-Intensivbereichen vor.
| Applikationsform | Maximale Dosierung | Indikation / Setting |
|---|---|---|
| Intravenöser Bolus | 0,35 mg/kg | Perioperative Analgesie (Normalstation) |
| Intravenöse Infusion | 1 mg/kg/h | Perioperative Analgesie (Normalstation) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für den Einsatz von Ketamin:
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Schwere oder unkontrollierte kardiovaskuläre Erkrankungen
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Schwere Lebererkrankungen
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Erhöhter intrakranieller Druck (ICP)
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Erhöhter Augeninnendruck
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Schwangerschaft
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Psychiatrische Grunderkrankungen, die mit Psychosen einhergehen
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie führt Ketamin zu einer sympathischen Stimulation, die den myokardialen Sauerstoffbedarf und den intrakraniellen Druck erhöht. Es wird empfohlen, bei Personen mit ischämischer Herzerkrankung oder pulmonaler Hypertonie besondere Vorsicht walten zu lassen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass psychotrope Nebenwirkungen wie Halluzinationen durch die gleichzeitige Gabe eines Benzodiazepins minimiert werden können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie hat intravenöses Ketamin einen sehr schnellen Wirkeintritt von unter einer Minute. Die Wirkdauer beträgt etwa 10 bis 20 Minuten, wird aber durch aktive Metaboliten verlängert.
Die Leitlinie rät vom Einsatz bei Eingriffen mit zu erwartenden leichten Schmerzen ab. Ein Nutzen ist für diese Indikation nicht belegt.
Ja, es wird als Zusatztherapie empfohlen, um den Opioidbedarf bei chirurgischen Eingriffen zu reduzieren. Dies gilt auch für chronische Erkrankungen wie Sichelzellkrisen.
Für diese Indikationen gibt es laut Leitlinie keine oder nur sehr schwache Evidenz. Ein mittel- oder langfristiger Nutzen durch Ketamin-Infusionen ist hier nicht belegt.
Eine Überdosierung führt laut Leitlinie zu Bewusstseinsverlust, Atemdepression, Tachykardie und Hypertonie. Zudem treten schwere psychotrope Symptome auf.
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Quelle: StatPearls: Ketamine in Acute and Chronic Pain Management (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.