Ileus: Diagnostik und Therapie nach StatPearls
Hintergrund
Ein paralytischer Ileus (funktioneller Ileus) ist eine Intoleranz der oralen Nahrungsaufnahme durch Hemmung der gastrointestinalen Propulsion ohne mechanische Obstruktion. Er tritt häufig nach Operationen, Traumata oder bei schweren Erkrankungen auf.
Die Entstehung basiert auf einer komplexen neuroimmunologischen Interaktion, die oft durch eine chirurgische Manipulation des Darms ausgelöst wird. Dabei kommt es zur Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen und einer Hemmung der neuromuskulären Aktivität.
Ein postoperativer Ileus manifestiert sich typischerweise am dritten bis fünften Tag nach einer Operation. Von einem prolongierten Ileus wird gesprochen, wenn der Zustand länger als zwei bis drei Tage andauert und keine klinischen Zeichen einer mechanischen Obstruktion vorliegen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung des paralytischen Ileus.
Diagnostik und Evaluation
Laut Leitlinie ist die wichtigste diagnostische Aufgabe die Abgrenzung von einer mechanischen Obstruktion. Es wird folgende Stufendiagnostik empfohlen:
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Als erste Bildgebung wird eine Röntgen-Abdomen-Übersichtsaufnahme (liegend und stehend) empfohlen.
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Bei unklaren Befunden sollte ein CT-Abdomen mit oralem und intravenösem Kontrastmittel durchgeführt werden, um einen mechanischen Übergangspunkt, Tumore oder Abszesse auszuschließen.
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Eine laborchemische Evaluation wird empfohlen, um reversible Ursachen wie eine Hypokaliämie oder Infektionen zu identifizieren.
Konservative Therapie
Die Behandlung eines paralytischen Ileus erfolgt primär supportiv. Die Leitlinie nennt folgende zentrale Maßnahmen:
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Anlage einer intravenösen Flüssigkeitstherapie und Nahrungskarenz.
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Bei Bedarf wird eine nasogastrale Dekompression empfohlen.
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Das Kauen von Kaugummi wird als kostengünstige und gut verträgliche Maßnahme zur Stimulation der Peristaltik empfohlen.
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Die zugrundeliegenden Auslöser, wie Elektrolytstörungen oder Infektionen, sollten konsequent behandelt werden.
Ernährung und Prävention
Wenn eine ausreichende orale Nahrungsaufnahme nach sieben Tagen nicht möglich ist, wird laut Leitlinie eine totale parenterale Ernährung (TPN) empfohlen.
Zur Prävention eines postoperativen Ileus wird die Umsetzung von Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) Protokollen empfohlen. Dazu gehören eine frühe Mobilisation, der Einsatz von Regionalanästhesieverfahren und eine opioidsparende Analgesie.
Evidenzgrade therapeutischer Interventionen
Die Leitlinie bewertet verschiedene Interventionen nach Evidenzleveln:
| Intervention | Evidenzlevel | Bewertung laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Postoperative Analgesie mit Periduralkatheter | Level 1 | Wirksam zur Prävention |
| Postoperatives Kaugummikauen | Level 1 | Vorteilhaft zur Stimulation der Peristaltik |
| Prokinetika (Neostigmin, Metoclopramid, Erythromycin) | Level 1 | Nicht wirksam nach Diagnosestellung eines Ileus |
| Periphere Opioid-Antagonisten (Naloxon) | Level 2 | Wirksam als Zusatztherapie |
| Frühmobilisation, Opioid-Stopp, TPN nach 7 Tagen | Level 5 | Standardmaßnahmen der supportiven Therapie |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie sind pharmakologische Wirkstoffe wie Prokinetika (Erythromycin, Neostigmin, Metoclopramid) oder Laxantien nach der Diagnosestellung eines paralytischen Ileus ineffektiv. Es wird von deren routinemäßigem Einsatz zur Therapie eines bereits bestehenden Ileus abgeraten.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidendes klinisches Unterscheidungsmerkmal zwischen einem paralytischen Ileus und einer mechanischen Obstruktion ist der zeitliche Verlauf der Darmfunktion. Laut Leitlinie zeigt sich bei einer postoperativen Obstruktion oft eine anfängliche Rückkehr der Darmfunktion, gefolgt von plötzlicher Übelkeit, Erbrechen und starken Schmerzen. Bei einem paralytischen Ileus bleibt die Darmfunktion hingegen von Beginn an kontinuierlich aus.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie zeigen Röntgenaufnahmen bei einem paralytischen Ileus dilatierte Dünndarmschlingen sowie Luft im Kolon und Rektum ohne einen mechanischen Übergangspunkt. Bei einer Obstruktion fehlt typischerweise die Luft im distalen Darmabschnitt.
Die Leitlinie stellt fest, dass Prokinetika wie Metoclopramid oder Erythromycin bei einem bereits diagnostizierten Ileus unwirksam sind. Stattdessen wird die Reduktion von Opiaten und der Einsatz peripherer Opioid-Antagonisten wie Naloxon empfohlen.
Es wird eine totale parenterale Ernährung (TPN) empfohlen, wenn die betroffene Person nach sieben Tagen keine ausreichende orale Nahrungsaufnahme toleriert. Zuvor steht die supportive Therapie mit intravenöser Flüssigkeit im Vordergrund.
Ja, die Leitlinie bewertet postoperatives Kaugummikauen mit dem höchsten Evidenzgrad (Level 1). Es stimuliert den kephalokaudalen Reflex, fördert die Peristaltik und hemmt Entzündungsprozesse.
Gastrografin ist laut Leitlinie nützlich zur Diagnostik und Therapie von adhäsionsbedingten Dünndarmobstruktionen. Bei einem postoperativen paralytischen Ileus ist ein therapeutischer Nutzen zur Verkürzung der Krankenhausverweildauer jedoch nicht bewiesen.
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Quelle: StatPearls: Ileus (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.