Hypertensive Krise: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie (2026) definiert die hypertensive Krise als eine akute, schwere Blutdruckerhöhung. Häufig werden hierfür Schwellenwerte von über 180 mmHg systolisch oder über 120 mmHg diastolisch herangezogen.
Dabei wird zwischen einem hypertensiven Notfall und einer hypertensiven Dringlichkeit unterschieden. Ein Notfall liegt vor, wenn die Blutdruckentgleisung mit akuten, blutdruckbedingten Organschäden einhergeht.
Zu den betroffenen Endorganen zählen typischerweise Gehirn, Herz, Nieren und Augen. Ohne akute Organschäden wird das klinische Bild als hypertensive Dringlichkeit bezeichnet.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine hypertensive Krise wird eine beidseitige Blutdruckmessung empfohlen. Eine signifikante Seitendifferenz kann laut Leitlinie auf eine Aortendissektion hinweisen.
Zur Erfassung von Endorganschäden wird eine gezielte Diagnostik angeraten. Dazu gehören:
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Fundoskopie zur Beurteilung einer hypertensiven Retinopathie
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Elektrokardiographie (EKG) und kardiale Biomarker bei Verdacht auf Ischämie
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Urinstatus und Nierenwerte zur Prüfung der Nierenfunktion
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Bildgebung (CT/MRT) bei neurologischen Ausfällen
Therapie des hypertensiven Notfalls
Bei einem hypertensiven Notfall wird eine intravenöse antihypertensive Therapie unter kontinuierlicher Überwachung auf einer Intensivstation empfohlen. Ziel ist es, den Blutdruck kontrolliert zu senken, um weitere Organschäden zu vermeiden.
Für die meisten hypertensiven Notfälle gelten laut Leitlinie folgende Zielwerte:
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Senkung um maximal 25 Prozent innerhalb der ersten Stunde
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Weitere Reduktion auf unter 160/120 mmHg in den folgenden 2 bis 6 Stunden
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Erreichen von 130 bis 140 mmHg innerhalb von 24 bis 48 Stunden
Abweichende Zielwerte nach Grunderkrankung
Für bestimmte Krankheitsbilder fordert die Leitlinie ein abweichendes, teils deutlich aggressiveres Vorgehen. Die spezifischen Zielwerte und bevorzugten Wirkstoffe stellen sich wie folgt dar:
| Klinische Situation | Blutdruckziel | Bevorzugte Medikation |
|---|---|---|
| Akute Aortendissektion | Systolisch ≤ 120 mmHg in 1 Stunde (Ziel-Herzfrequenz ~60/min) | Betablocker |
| Phäochromozytom-Krise | Systolisch < 140 mmHg in 1 Stunde | Phentolamin, Clevidipin, Nicardipin |
| Präeklampsie / Eklampsie | Sofortige Blutdruckkontrolle | Hydralazin, Labetalol, Nicardipin |
| Akuter ischämischer Schlaganfall | Senkung um 10-15 % nur bei Werten > 220/120 mmHg | Keine spezifische Angabe |
Therapie der hypertensiven Dringlichkeit
Bei einer hypertensiven Dringlichkeit ohne Endorganschaden wird eine schrittweise Blutdrucksenkung über Stunden bis Tage empfohlen. Dies erfolgt in der Regel mit oralen Antihypertensiva im ambulanten Setting.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Eine abrupte oder schnelle intravenöse Blutdrucksenkung wird bei einer hypertensiven Dringlichkeit nicht empfohlen, da dies die Organperfusion gefährden kann.
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Nitroglycerin ist zur Blutdrucksenkung bei Myokardinfarkt kontraindiziert, wenn innerhalb der letzten 48 Stunden Phosphodiesterase-Hemmer (wie Sildenafil oder Tadalafil) eingenommen wurden.
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Beim akuten ischämischen Schlaganfall (ohne Thrombolyse/Thrombektomie) wird eine antihypertensive Therapie generell vermieden, solange der Blutdruck nicht über 220/120 mmHg steigt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, den Blutdruck bei asymptomatischen Personen ohne Endorganschaden (hypertensive Dringlichkeit) abrupt zu senken. Ein zu schneller Abfall kann bei chronischer Hypertonie die Autoregulation überfordern und ischämische Schäden provozieren. Es wird stattdessen eine langsame, orale Einstellung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine hypertensive Krise typischerweise ab einem systolischen Blutdruck von über 180 mmHg oder einem diastolischen Wert von über 120 mmHg definiert. Diese Schwellenwerte allein sind jedoch nicht alleinentscheidend für die Prognose.
Ein hypertensiver Notfall ist durch das Vorliegen akuter, blutdruckbedingter Endorganschäden gekennzeichnet und erfordert eine sofortige intravenöse Therapie. Bei einer hypertensiven Dringlichkeit fehlen diese akuten Organschäden.
Es wird empfohlen, den Blutdruck innerhalb der ersten Stunde um maximal 25 Prozent zu senken. In den folgenden 2 bis 6 Stunden sollte eine Reduktion auf unter 160/120 mmHg angestrebt werden.
Bei einer akuten Aortendissektion gelten Betablocker als Therapie der ersten Wahl. Ziel ist es, den systolischen Blutdruck innerhalb einer Stunde auf 120 mmHg oder darunter zu senken und die Herzfrequenz auf etwa 60 Schläge pro Minute zu regulieren.
Nitroglycerin wird primär bei Myokardischämien eingesetzt. Es ist jedoch kontraindiziert, wenn in den vorangegangenen 48 Stunden Phosphodiesterase-Hemmer eingenommen wurden.
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Quelle: StatPearls: Hypertensive Crisis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.