Asthma-COPD-Overlap (ACO): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das Asthma-COPD-Overlap (ACO) beschreibt ein obstruktives Lungenleiden, das klinische und inflammatorische Merkmale beider Erkrankungen vereint. Laut der StatPearls-Leitlinie haben betroffene Personen meist eine vorwiegende COPD-Symptomatik, gepaart mit einer Bronchodilatator-Reversibilität und erhöhten peripheren Eosinophilen.
Die Prävalenz wird auf 2 bis 3 Prozent der Allgemeinbevölkerung geschätzt, liegt aber in Kohorten mit reinem Asthma oder reiner COPD deutlich höher. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Zigarettenkonsum, Umweltfaktoren sowie eine bestehende Atopie.
Im Vergleich zu isoliertem Asthma oder isolierter COPD geht das ACO mit einer vier- bis fünffach höheren Exazerbationsrate einher. Zudem wird eine schnellere Abnahme der Lungenfunktion und eine erhöhte Hospitalisierungsrate beobachtet.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt als ersten Schritt eine Lungenfunktionsprüfung mittels Spirometrie. Ein Post-Bronchodilatator-Quotient von FEV1/FVC unter 0,70 zeigt hierbei eine chronische Atemwegsobstruktion an.
Zur Diagnosestellung wird auf die Kriterien eines globalen Expertenpanels verwiesen. Für die Diagnose müssen alle drei Hauptkriterien sowie mindestens ein Nebenkriterium erfüllt sein:
| Kriterientyp | Voraussetzung | Spezifikation |
|---|---|---|
| Hauptkriterium 1 | Alter und Obstruktion | Alter ≥ 40 Jahre mit chronischer Atemwegsobstruktion (FEV1/FVC < 0,70) |
| Hauptkriterium 2 | Raucheranamnese | Mindestens 10 Packungsjahre (Pack-years) |
| Hauptkriterium 3 | Asthma-Historie | Asthma-Diagnose vor dem 40. Lebensjahr ODER FEV1-Anstieg > 400 ml nach Bronchodilatator |
| Nebenkriterium 1 | Atopie | Dokumentierte Anamnese von Atopie oder allergischer Rhinitis |
| Nebenkriterium 2 | Bronchodilatator-Antwort | FEV1-Anstieg ≥ 200 ml und 12 % vom Ausgangswert bei ≥ 2 Visiten |
| Nebenkriterium 3 | Eosinophilie | Periphere Blut-Eosinophilen-Zahl ≥ 200 Zellen/µl |
Zusätzlich wird die Bestimmung der peripheren Eosinophilen, des IgE-Spiegels und eines respiratorischen Allergen-Panels empfohlen. Ein IgE-Wert über 100 IU/ml stützt laut Leitlinie den Verdacht auf ein ACO oder Asthma.
Nicht-medikamentöse Therapie
Es wird eine strikte Raucherentwöhnung empfohlen, um den FEV1-Abfall zu verlangsamen.
Zudem rät die Leitlinie zu jährlichen Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und COVID-19, um infektbedingte Exazerbationen zu reduzieren.
Medikamentöse Therapie
Die Leitlinie verweist auf GINA und GOLD, wonach nach einer ACO-Diagnose primär eine Asthmatherapie eingeleitet werden sollte. Inhalative Kortikosteroide (ICS) spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Folgende pharmakologische Prinzipien werden hervorgehoben:
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Bereitstellung eines kurzwirksamen Bronchodilatators (SABA oder SAMA) als Bedarfsmedikation
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Vermeidung einer LABA-Monotherapie ohne begleitendes ICS
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Einsatz von ICS/LABA- oder ICS/LAMA-Kombinationen als Erhaltungstherapie
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Eskalation auf eine Triple-Therapie (ICS/LABA/LAMA) bei anhaltender Symptomatik
Biologika
Bei unzureichender Kontrolle unter Triple-Therapie wird die Prüfung von Biologika empfohlen.
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Omalizumab wird bei schwerem allergischem Asthma mit überlappender COPD und erhöhtem IgE-Spiegel genannt
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Anti-IL-5-Therapien (wie Mepolizumab) werden bei erhöhten Eosinophilen-Werten als Behandlungsoption beschrieben
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Dupilumab wird bei Patienten mit hohen Eosinophilen-Werten zur Reduktion schwerer Exazerbationen aufgeführt
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer Monotherapie mit langwirksamen Beta-Agonisten (LABA) ohne begleitende inhalative Kortikosteroide (ICS). Diese ist bei Patienten mit Asthma-Symptomen kontraindiziert, da sie laut Studien mit einer erhöhten asthmabedingten Mortalität einhergeht.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist die alleinige Verordnung von langwirksamen Beta-Agonisten (LABA) bei Patienten mit COPD, die unerkannte Asthma-Komponenten aufweisen. Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass eine LABA-Monotherapie bei Verdacht auf ein Asthma-COPD-Overlap vermieden werden muss. Es wird stattdessen der frühzeitige Einsatz von inhalativen Kortikosteroiden (ICS) empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie weisen Patienten mit einem Asthma-COPD-Overlap eine vier- bis fünffach höhere Exazerbationsrate auf als Patienten mit reiner COPD. Zudem zeigen sie in der Lungenfunktion häufiger eine signifikante Reversibilität nach Bronchodilatator-Gabe.
Es wird die Bestimmung der peripheren Eosinophilen und des Gesamt-IgE im Blut empfohlen. Ein IgE-Wert über 100 IU/ml oder eine Eosinophilenzahl ab 200 Zellen/µl stützen die Diagnose eines ACO.
Die Leitlinie empfiehlt eine Eskalation auf eine Triple-Therapie (ICS/LABA/LAMA), wenn Patienten unter einer dualen Therapie weiterhin symptomatisch bleiben. Dies führt laut Studien zu einer signifikanten Verbesserung der Lungenfunktion.
Biologika wie Omalizumab, Mepolizumab oder Dupilumab werden bei Patienten mit anhaltenden Exazerbationen trotz Triple-Therapie erwogen. Voraussetzung ist laut Leitlinie der Nachweis spezifischer Biomarker wie ein erhöhter IgE-Spiegel oder eine periphere Eosinophilie.
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Quelle: StatPearls: Asthma and COPD Overlap (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.