NICE

Sedierung bei Kindern: Monitoring und Medikamentenwahl

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie CG112 behandelt die Sedierung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren für diagnostische und therapeutische Eingriffe. Ziel der Sedierung ist es, Angst zu reduzieren, die Schmerzkontrolle zu verbessern und Bewegungen zu minimieren.

Da viele Eingriffe bei Kindern nicht allein mit lokaler Betäubung und Zuspruch durchgeführt werden können, ist eine sichere und effektive Sedierung entscheidend. Eine unzureichende Sedierung kann zu Behandlungsabbrüchen führen, während eine Überdosierung gefährliche Hypoxien verursachen kann.

Die Leitlinie definiert verschiedene Altersgruppen, wobei Säuglinge als Kinder bis zu einem Jahr und Neugeborene als Säuglinge bis zu einem Monat klassifiziert werden. Es wird betont, dass die Wahl der Sedierungstechnik von der Art des Eingriffs, dem Zielzustand und den patientenspezifischen Faktoren abhängt.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Klassifikation der Sedierungstiefe

Die Leitlinie definiert die Sedierungstiefen basierend auf den Kriterien der American Society of Anesthesiologists (ASA):

SedierungsstufeBewusstseinAtemwege & BeatmungHerz-Kreislauf-Funktion
Minimale SedierungWach und ruhig, normale Reaktion auf AnspracheUnbeeinträchtigtUnbeeinträchtigt
Moderate SedierungSchläfrig, gezielte Reaktion auf Ansprache oder leichte BerührungKeine Intervention nötig, Spontanatmung adäquatMeist erhalten
Tiefe SedierungSchläft, schwer weckbar, gezielte Reaktion auf SchmerzreizIntervention evtl. nötig, Spontanatmung evtl. inadäquatMeist erhalten

Vorbereitung und Aufklärung

Vor der Sedierung wird eine strukturierte Beurteilung des Gesundheitszustandes, des Gewichts, der Vorerkrankungen und des Atemwegsstatus empfohlen. Bei Bedenken bezüglich der Atemwege, bei einem ASA-Status von 3 oder höher sowie bei Säuglingen und Neugeborenen sollte laut Leitlinie ein Spezialist hinzugezogen werden.

Es wird empfohlen, das Kind und die Eltern altersgerecht über den Ablauf, die Empfindungen und Bewältigungsstrategien aufzuklären. Die schriftliche und mündliche Einholung der Einwilligung ist zu dokumentieren.

Nüchternheit

Die Leitlinie unterscheidet die Nüchternheitsvorgaben anhand der geplanten Sedierungstiefe:

  • Keine Nüchternheit ist erforderlich bei minimaler Sedierung, Lachgas-Sedierung oder moderater Sedierung mit erhaltenem verbalen Kontakt.

  • Bei tiefer Sedierung oder moderater Sedierung ohne sicheren verbalen Kontakt gelten die Nüchternheitsregeln der Allgemeinanästhesie.

  • Dies umfasst typischerweise 6 Stunden für feste Nahrung, 4 Stunden für Muttermilch und 1 bis 2 Stunden für klare Flüssigkeiten.

  • Bei Notfällen muss die Dringlichkeit des Eingriffs gegen das Aspirationsrisiko abgewogen werden.

Monitoring und Überwachung

Für eine moderate Sedierung wird die kontinuierliche Überwachung von Sedierungstiefe, Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz sowie Schmerz- und Stressbewältigung empfohlen.

Bei einer tiefen Sedierung fordert die Leitlinie zusätzlich:

  • Ein 3-Kanal-EKG

  • Die Überwachung des endtidalen CO2 (Kapnografie)

  • Eine Blutdruckmessung alle 5 Minuten

Die überwachende Fachkraft darf laut Leitlinie in keine anderen Aufgaben während des Eingriffs eingebunden sein.

Medikamentöse Strategien nach Eingriffsart

Für schmerzfreie Bildgebungen empfiehlt die Leitlinie primär Chloralhydrat (für Kinder unter 15 kg) oder Midazolam. Bei unzureichender Wirkung können Propofol oder Sevofluran durch spezialisiertes Personal erwogen werden.

Für schmerzhafte Eingriffe wird empfohlen, zusätzlich zur Sedierung immer eine Lokalanästhesie zu nutzen. Die Leitlinie schlägt folgende Stufentherapie vor:

  • Für minimale bis moderate Sedierung: Lachgas und/oder Midazolam (oral oder intranasal)

  • Als Alternative: Ketamin (intravenös/intramuskulär) oder intravenöses Midazolam mit/ohne Fentanyl

  • Bei Versagen: Spezialisierte Techniken wie Propofol mit/ohne Fentanyl

Für Endoskopien wird bei oberen Eingriffen intravenöses Midazolam empfohlen. Bei unteren Gastrointestinalendoskopien rät die Leitlinie zu einer Kombination aus Fentanyl (oder einem äquivalenten Opioid) und intravenösem Midazolam.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Ketamin oder Opioide routinemäßig für schmerzfreie Bildgebungsverfahren einzusetzen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass für die Verabreichung von Propofol, Sevofluran oder der Kombination aus Ketamin und Opioiden zwingend eine in der Anästhesie geschulte Fachkraft anwesend sein muss. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei minimaler Sedierung oder Lachgas-Gabe keine strikte Nüchternheit erforderlich ist, was die Abläufe in der Notaufnahme oft vereinfachen kann.

Häufig gestellte Fragen

Nein, laut Leitlinie ist für eine reine Lachgas-Sedierung (in Sauerstoff) keine Nüchternheit erforderlich. Gleiches gilt für minimale Sedierungen oder moderate Sedierungen, bei denen der verbale Kontakt erhalten bleibt.

Für schmerzfreie Bildgebungsverfahren empfiehlt die Leitlinie primär Chloralhydrat (bei einem Körpergewicht unter 15 kg) oder Midazolam. Von einem routinemäßigen Einsatz von Ketamin oder Opioiden wird in diesem Setting abgeraten.

Die Leitlinie fordert bei tiefer Sedierung eine kontinuierliche Überwachung von Sedierungstiefe, Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und ein 3-Kanal-EKG. Zusätzlich wird die Nutzung von Kapnografie und eine Blutdruckmessung alle 5 Minuten empfohlen.

Es wird empfohlen, dass für die Gabe von Propofol, Sevofluran oder Ketamin-Opioid-Kombinationen eine Fachkraft anwesend ist, die speziell in der Verabreichung von Anästhetika geschult ist.

Die Entlassung wird empfohlen, sobald die Vitalparameter wieder im Normalbereich liegen und das Kind vollständig wach ist (oder den Ausgangszustand erreicht hat). Zudem müssen Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen adäquat behandelt sein.

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Quelle: CG112: Sedation in under 19s: using sedation for diagnostic and therapeutic procedures (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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