Procedurale Sedierung: ASA-Leitlinie 2018
📋Auf einen Blick
- •Procedurale Sedierung kombiniert Sedierung und Analgesie zur Toleranz unangenehmer Eingriffe bei Erhalt der kardiorespiratorischen Funktion.
- •Die ASA-Klassifikation ist das am weitesten verbreitete Instrument zur Definition der Sedierungstiefe.
- •Es wird zwischen minimaler, moderater und tiefer Sedierung sowie Allgemeinanästhesie und dissoziativer Sedierung unterschieden.
- •Im Gegensatz zur ASA empfiehlt die ASGE (Gastroenterologie) kein routinemäßiges Kapnografie-Monitoring.
Hintergrund
Die procedurale Sedierung (früher oft als "bewusste Sedierung" bezeichnet) umfasst Techniken und Medikamente, die es Patienten ermöglichen, unangenehme oder schmerzhafte Eingriffe zu tolerieren. Das Hauptziel ist die Reduktion der Schmerzwahrnehmung, meist durch die Kombination von Analgetika und Sedativa. Dies minimiert belastende Erinnerungen, erhöht die Patientensicherheit und verbessert den prozeduralen Erfolg.
Dabei müssen drei Konzepte unterschieden werden:
- Sedierung: Ermöglicht es dem Patienten, ruhig zu bleiben.
- Analgesie: Bietet Schmerzlinderung durch zentrale oder periphere Mechanismen.
- Dissoziation: Führt zu einer Trennung von Körper und Geist.
Die Praxis variiert je nach Fachgebiet. Die American Society of Anesthesiologists (ASA) hat 2018 in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften aktualisierte Leitlinien veröffentlicht. Wichtig: Es gibt fachspezifische Unterschiede. So unterstützt die American Society for Gastrointestinal Endoscopy (ASGE) im Gegensatz zur ASA kein routinemäßiges Kapnografie-Monitoring während der Sedierung.
Sedierungsskalen im Vergleich
Zur Beurteilung der Sedierungstiefe existieren verschiedene Instrumente:
- Ramsay-Skala (1974): Unterteilt in 3 Wach- und 3 Schlafzustände. Werte: Anxiolyse (2-3), moderate Sedierung (4-5), tiefe Sedierung (6), Allgemeinanästhesie (7-8). Schwäche: Mangelnde Präzision bei der Unterscheidung von absichtlichen und unabsichtlichen Reaktionen.
- OAA/S-Skala: Bewertet 5 Reaktionsstufen (von "keine Reaktion auf Schütteln" bis "schnelle Reaktion auf Namensnennung"). Schwäche: Differenziert tiefe Sedierungslevel nicht effektiv.
ASA-Klassifikation der Sedierungstiefe
Die ASA-Skala ist das am weitesten verbreitete Instrument zur Definition der Sedierungslevel:
| Sedierungsstufe | Reaktion / Bewusstsein | Atemwege | Spontanatmung | Herz-Kreislauf-Funktion |
|---|---|---|---|---|
| Minimale Sedierung (Anxiolyse) | Normale Reaktion auf verbale Kommandos | Intakt | Unbeeinflusst | Unbeeinflusst |
| Moderate Sedierung | Gezielte Reaktion auf verbale/taktile Reize | Intakt (ohne Intervention) | Adäquat | Meist erhalten |
| Tiefe Sedierung | Gezielte Reaktion auf wiederholte/schmerzhafte Reize | Intervention oft nötig | Evtl. inadäquat | Meist erhalten |
| Allgemeinanästhesie | Keine Reaktion, auch nicht auf Schmerz | Intervention erforderlich | Eingeschränkt | Evtl. beeinträchtigt |
| Dissoziative Sedierung | Tranceartig, Amnesie & Analgesie | Schutzreflexe intakt | Erhalten | Stabil |
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die ASA-Skala zur präzisen Dokumentation der Sedierungstiefe, da Skalen wie OAA/S tiefe Sedierungsstadien nicht ausreichend differenzieren. Halten Sie bei tiefer Sedierung immer Equipment zur Atemwegssicherung bereit, da die Spontanatmung inadäquat werden kann.