Schlafstörungen bei Demenz: Pharmakotherapie & Evidenz
Hintergrund
Schlafstörungen wie nächtliches Erwachen, Umherwandern und übermäßige Tagesschläfrigkeit sind häufige klinische Probleme bei Demenzerkrankungen. Sie belasten pflegende Angehörige stark und sind oft ein Grund für eine frühe Institutionalisierung.
Laut dem Cochrane Review (2020) gelten nicht-medikamentöse Interventionen als Therapie der ersten Wahl. Dennoch werden in der Praxis häufig medikamentöse Behandlungen gesucht und eingesetzt.
Die Evidenzlage zu Wirksamkeit und Sicherheit vieler gängiger Schlafmittel bei dieser vulnerablen Patientengruppe ist jedoch unzureichend. Der Review analysiert die verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu verschiedenen Substanzklassen.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zu verschiedenen medikamentösen Ansätzen zusammen:
Allgemeine Erkenntnisse
Es wird ein deutlicher Mangel an Evidenz für die medikamentöse Behandlung von Schlafstörungen bei Demenz festgestellt. Für häufig verschriebene Medikamente wie Benzodiazepine, Z-Substanzen, atypische Antipsychotika und Antihistaminika liegen keine ausreichenden RCTs vor.
Es wird betont, dass medikamentöse Therapien erst nach erfolglosen nicht-medikamentösen Ansätzen eingesetzt werden sollten. Dabei ist eine strenge individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Melatonin und Ramelteon
Für Melatonin (bis zu 10 mg) zeigt die Analyse folgende Ergebnisse (Evidenz von niedriger Qualität):
-
Wahrscheinlich kein klinisch relevanter Effekt auf die Gesamtschlafzeit in der Nacht.
-
Keine signifikante Verbesserung der Schlafeffizienz oder Reduktion der nächtlichen Aufwachphasen.
-
Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet.
Für den Melatonin-Rezeptor-Agonisten Ramelteon (8 mg) gibt es ebenfalls keine Evidenz für einen bedeutsamen positiven Effekt auf den nächtlichen Schlaf.
Trazodon
Das sedierende Antidepressivum Trazodon wurde in einer kleinen Studie untersucht. Die Ergebnisse deuten auf folgende Effekte hin (Evidenz von niedriger Qualität):
-
Mögliche Verlängerung der nächtlichen Gesamtschlafzeit um durchschnittlich 43 Minuten.
-
Mögliche Verbesserung der Schlafeffizienz.
-
Kein klarer Effekt auf die Anzahl der nächtlichen Aufwachphasen oder die Tagesschläfrigkeit.
Orexin-Antagonisten
Für Orexin-Antagonisten (Suvorexant und Lemborexant) bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zeigt sich folgendes Bild (Evidenz von moderater Qualität):
-
Wahrscheinliche Erhöhung der nächtlichen Gesamtschlafzeit um durchschnittlich 28 Minuten.
-
Reduktion der Wachzeit nach dem ersten Einschlafen.
-
Kein relevanter Effekt auf die Anzahl der Aufwachvorgänge.
-
Nebenwirkungen traten nicht signifikant häufiger auf als unter Placebo, und es zeigten sich keine negativen Effekte auf die Kognition.
Dosierung
Der Review analysierte Studien, in denen folgende Dosierungen bei Menschen mit Demenz untersucht wurden:
| Wirkstoff | Untersuchte Dosierung | Indikation laut Studie | Evidenz für Wirksamkeit |
|---|---|---|---|
| Melatonin | bis zu 10 mg | Schlafstörungen bei Demenz | Keine signifikante Wirkung nachgewiesen |
| Trazodon | 50 mg (zur Nacht) | Schlafstörungen bei Demenz | Mögliche Verlängerung der Schlafzeit |
| Ramelteon | 8 mg | Schlafstörungen bei Demenz | Keine signifikante Wirkung nachgewiesen |
| Suvorexant | 10 - 20 mg | Insomnie bei Alzheimer-Demenz | Wahrscheinliche Verlängerung der Schlafzeit |
| Lemborexant | 5 - 10 mg | Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus bei Alzheimer | Wahrscheinliche Verlängerung der Schlafzeit |
Kontraindikationen
Der Review warnt vor dem unkritischen Einsatz von Benzodiazepinen, Z-Substanzen, sedierenden Antidepressiva, Antihistaminika und atypischen Antipsychotika. Diese Substanzklassen sind mit erheblichen Risiken wie Tagesschläfrigkeit, Verwirrtheit, Stürzen, kognitiver Verschlechterung und erhöhter Mortalität (bei Antipsychotika) assoziiert.
Für diese Medikamente fehlen zudem randomisierte kontrollierte Studien zur Wirksamkeit bei Schlafstörungen im Rahmen einer Demenz.
💡Praxis-Tipp
Ein zentrales Ergebnis des Reviews ist das Fehlen von Evidenz für den Nutzen von Melatonin bei Demenz-assoziierten Schlafstörungen, obwohl dieses Präparat in der Praxis häufig eingesetzt wird. Es wird empfohlen, primär nicht-medikamentöse Maßnahmen auszuschöpfen und bei einem unvermeidbaren medikamentösen Therapieversuch die Wirksamkeit und Nebenwirkungen individuell und engmaschig zu überprüfen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass Melatonin in Dosierungen bis zu 10 mg die Gesamtschlafzeit oder die Schlafeffizienz bei Demenz verbessert. Es wurden in den Studien jedoch auch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt.
Eine kleine Studie im Review deutet darauf hin, dass Trazodon in einer niedrigen Dosierung (50 mg) die nächtliche Schlafzeit verlängern kann. Aufgrund der geringen Studienqualität wird jedoch eine vorsichtige individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen.
Die Analyse zeigt, dass Orexin-Antagonisten die nächtliche Schlafzeit bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz wahrscheinlich um knapp eine halbe Stunde verlängern. Dabei traten keine vermehrten Nebenwirkungen oder kognitiven Verschlechterungen im Vergleich zu Placebo auf.
Der Review fand keine randomisierten kontrollierten Studien, die den Einsatz dieser Medikamente bei Demenz-assoziierten Schlafstörungen stützen. Es wird auf das erhebliche Nebenwirkungsprofil wie Stürze und Verwirrtheit hingewiesen.
Es wird empfohlen, primär nicht-medikamentöse Behandlungsansätze zu nutzen. Erst wenn diese erfolglos bleiben, sollte laut den Autoren eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden.
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Quelle: Cochrane Review: Pharmacotherapies for sleep disturbances in dementia (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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