Retrograde Kardioplegie: Indikation & Kontraindikation
Hintergrund
Die retrograde Kardioplegie ist ein Verfahren zum Myokardschutz während herzchirurgischer Eingriffe mit der Herz-Lungen-Maschine. Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt diese Methode als Alternative oder Ergänzung zur antegraden Gabe.
Anatomisch erfolgt die Zufuhr der Kardioplegielösung entgegen dem normalen Blutfluss über den Sinus coronarius. Dieser drainiert normalerweise das venöse Blut des Myokards in den rechten Vorhof.
Um den Sinus coronarius zu erreichen, muss ein spezieller Katheter die Thebesius-Klappe am Ostium passieren. Anschließend wird ein Ballon geblockt, um den retrograden Fluss der Lösung in das Kapillarbett des Herzmuskels zu gewährleisten.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt folgende Kernaspekte der retrograden Kardioplegie:
Indikationen und Vorteile
Laut Text wird die retrograde Methode besonders bei Vorliegen von Koronarstenosen eingesetzt. Die antegrade Gabe erreicht in diesen Fällen oft keinen vollständigen Myokardschutz.
Zudem wird die retrograde Kardioplegie bei Eingriffen an der Mitralklappe, der Aortenklappe oder der Aortenwurzel beschrieben. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Infusion, ohne den chirurgischen Eingriff zu unterbrechen.
Die Quelle nennt folgende spezifische Vorteile der retrograden Technik:
-
Homogenere Kühlung des Myokards
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Besserer Schutz des subendokardialen Gewebes bei hypertrophierten Ventrikeln
-
Möglichkeit zum Ausspülen von Debris aus den Koronarostien oder alten Venengrafts
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Verbesserte linksventrikuläre systolische Funktion in der frühen postoperativen Phase
Durchführung und Monitoring
Der Text beschreibt die Platzierung des Katheters entweder chirurgisch über eine rechte Atriotomie oder perkutan über die Vena jugularis interna dextra. Ein aufblasbarer Ballon am distalen Ende des Katheters verhindert den Rückfluss in den rechten Vorhof.
Es wird ein kontinuierliches Druckmonitoring im Sinus coronarius empfohlen. Die Druckwerte sollten laut Text für das gesamte Operationsteam auf den Monitoren sichtbar sein.
Vergleich der Kardioplegie-Verfahren
Die Quelle vergleicht die Eigenschaften der antegraden und retrograden Kardioplegie wie folgt:
| Eigenschaft | Antegrade Kardioplegie | Retrograde Kardioplegie |
|---|---|---|
| Zugangsweg | Aortenwurzel / Koronararterien | Sinus coronarius |
| Schutz bei Koronarstenosen | Eingeschränkt | Überlegen |
| Kühlung des Myokards | Weniger homogen | Homogener |
| Schutz bei Hypertrophie | Standard | Besserer subendokardialer Schutz |
| Unterbrechung der OP | Häufiger erforderlich | Kontinuierliche Infusion möglich |
Kontraindikationen
Die StatPearls-Zusammenfassung nennt eine persistierende linke obere Hohlvene (PLSVC) als absolute Kontraindikation für die retrograde Kardioplegie.
Bei dieser anatomischen Variante mündet die venöse Drainage der linken oberen Körperhälfte direkt in den Sinus coronarius. Eine retrograde Kardioplegie würde in diesem Fall systemisch infundiert werden und das Myokard nicht ausreichend erreichen.
Zudem wird vor der schwerwiegenden Komplikation einer Ruptur des Sinus coronarius gewarnt. Diese seltene, aber katastrophale Komplikation verlängert die Bypass-Zeit erheblich und verschlechtert das postoperative Outcome.
💡Praxis-Tipp
Laut StatPearls-Zusammenfassung ist die präoperative Auswertung der Bildgebung essenziell, um anatomische Varianten wie eine persistierende linke obere Hohlvene (PLSVC) frühzeitig zu erkennen. Zudem wird ein konsequentes Druckmonitoring im Sinus coronarius während der gesamten Infusion betont, um der katastrophalen Komplikation einer Sinusruptur vorzubeugen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Text wird bei stenosierten Koronararterien durch die antegrade Gabe oft keine ausreichende Verteilung der Kardioplegielösung erreicht. Die retrograde Zufuhr über das Venensystem umgeht diese Stenosen und sorgt für einen homogeneren Myokardschutz.
Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt zwei Zugangswege. Der Katheter kann entweder chirurgisch über eine rechte Atriotomie oder perkutan über die Vena jugularis interna dextra in den Sinus coronarius vorgeschoben werden.
Als schwerwiegendste Komplikation wird die Ruptur des Sinus coronarius genannt. Um dieses seltene, aber katastrophale Ereignis zu vermeiden, wird ein kontinuierliches Druckmonitoring über den Katheter beschrieben.
Eine persistierende linke obere Hohlvene (PLSVC) stellt laut Quelle eine Kontraindikation dar. Bei dieser Anomalie würde die Kardioplegielösung systemisch abfließen, anstatt das Myokard zu perfundieren.
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Quelle: StatPearls: Retrograde Cardioplegia (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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