Ravulizumab bei PNH: Zusatznutzen und Dosierung
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen von Ravulizumab bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie (PNH) bewertet. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde Eculizumab festgelegt.
Die Bewertung unterscheidet zwei therapeutische Situationen. Zum einen wird der Einsatz bei hoher Krankheitsaktivität mit klinischen Symptomen einer Hämolyse betrachtet. Zum anderen geht es um das Aufrechterhalten eines klinisch stabilen Zustandes nach einer mindestens sechsmonatigen Vortherapie mit Eculizumab.
PNH ist eine seltene, chronische Erkrankung des Blutes, die durch Hämolyse, Anämie und ein erhöhtes Thromboserisiko gekennzeichnet ist. Ziel der medikamentösen Therapie ist es, Durchbruchhämolysen zu verhindern und die Krankheitslast zu reduzieren.
Empfehlungen
Die IQWiG-Nutzenbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen hinsichtlich des Zusatznutzens von Ravulizumab im Vergleich zu Eculizumab:
Hohe Krankheitsaktivität (Fragestellung 1)
Laut IQWiG-Bericht zeigen die Daten der Studie 301 für nicht vorbehandelte Erwachsene mit hoher Krankheitsaktivität weder Effekte zum Vorteil noch zum Nachteil von Ravulizumab.
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Für die Endpunkte Gesamtmortalität, schwere unerwünschte vaskuläre Ereignisse (MAVE) und Transfusionsvermeidung ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied.
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Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUEs) konnte kein Unterschied festgestellt werden.
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Fazit des IQWiG: Ein Zusatznutzen von Ravulizumab gegenüber Eculizumab ist für diese Patientengruppe nicht belegt.
Klinisch stabile Patienten (Fragestellung 2)
Für Erwachsene, die nach mindestens sechs Monaten Eculizumab-Behandlung klinisch stabil sind, stützt sich die Bewertung auf die Studie 302.
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Es traten weder im Ravulizumab-Arm noch im Eculizumab-Arm Todesfälle oder MAVEs auf.
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Bei der Transfusionsvermeidung und der Fatigue-Symptomatik zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Therapien.
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Fazit des IQWiG: Auch für diese Patientengruppe ist ein Zusatznutzen von Ravulizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgendes Dosierungsschema für Ravulizumab als intravenöse Infusion bei erwachsenen Patienten:
| Körpergewicht | Induktionsdosis (Tag 1) | Erhaltungsdosis (Tag 15, danach alle 8 Wochen) |
|---|---|---|
| ab 40 bis < 60 kg | 2400 mg | 3000 mg |
| ab 60 bis < 100 kg | 2700 mg | 3300 mg |
| ab 100 kg | 3000 mg | 3600 mg |
Bei einer Umstellung von Eculizumab auf Ravulizumab wird die Induktionsdosis laut Fachinformation zwei Wochen nach der letzten Eculizumab-Infusion verabreicht.
Kontraindikationen
Laut den zitierten Fachinformationen bestehen folgende Warnhinweise und Voraussetzungen für die Therapie:
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Meningokokken-Infektion: Es besteht ein erhöhtes Risiko. Eine Impfung gegen Meningokokken muss innerhalb von drei Jahren vor Studienbeginn oder unmittelbar zu Behandlungsbeginn erfolgen.
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Antibiotikaprophylaxe: Bei einer Impfung weniger als zwei Wochen vor Behandlungsbeginn ist eine prophylaktische Antibiotikagabe für zwei Wochen erforderlich.
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Vorbehandlung bei Anämie: Bei einem Hämoglobinwert von unter 9 g/dl mit Symptomen oder unter 7 g/dl ohne Symptome wurde in den Studien vorab eine Transfusion verabreicht.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht betont das Risiko für Meningokokken-Infektionen unter einer Komplementinhibitor-Therapie. Es wird darauf hingewiesen, dass der Impfstatus der Patienten vor Beginn einer Behandlung mit Ravulizumab zwingend überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden muss. Bei kurzfristigen Impfungen ist eine begleitende Antibiotikaprophylaxe erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Ravulizumab gegenüber Eculizumab weder bei hoher Krankheitsaktivität noch bei klinisch stabilen Patienten belegt. In den Zulassungsstudien zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei patientenrelevanten Endpunkten.
Der Bericht zitiert die Fachinformation, nach der Ravulizumab nach einer initialen Dosis an Tag 1 ab Tag 15 als Erhaltungsdosis alle acht Wochen intravenös verabreicht wird. Die genaue Dosis richtet sich dabei nach dem Körpergewicht.
Gemäß den zitierten Zulassungsdaten wird die Induktionsdosis von Ravulizumab zwei Wochen nach der letzten Eculizumab-Infusion verabreicht. Danach folgt die Erhaltungstherapie im Acht-Wochen-Intervall.
Der Bericht identifiziert Meningokokken-Infektionen als wichtiges Risiko der Komplementinhibition. In den ausgewerteten Studien traten jedoch unter Ravulizumab keine Fälle von Meningokokken-Infektionen auf, was auf die strikten Impfvorgaben zurückgeführt wird.
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Quelle: IQWiG A19-59: Ravulizumab - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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