CochraneIa2022

Präprozedurale Mundspülung: Aerosol-Infektionsschutz

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Bei zahnärztlichen Eingriffen mit rotierenden Instrumenten oder Ultraschallgeräten entstehen unweigerlich Aerosole und Tröpfchen. Diese können potenziell pathogene Mikroorganismen aus der Mundhöhle enthalten und ein Infektionsrisiko für das zahnärztliche Personal darstellen.

Um die Übertragung von Infektionskrankheiten wie COVID-19, Tuberkulose oder Masern zu verhindern, werden in der Praxis verschiedene Schutzmaßnahmen kombiniert. Neben der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und Hochleistungsabsauganlagen wird häufig die Verwendung von Mundspülungen durch den Patienten unmittelbar vor dem Eingriff diskutiert.

Der vorliegende Cochrane Review (2022) untersucht, ob solche präprozeduralen Mundspülungen das tatsächliche Infektionsrisiko für das Personal senken. Zudem wird analysiert, inwieweit diese Maßnahme die mikrobielle Kontamination der entstehenden Aerosole im Behandlungsumfeld reduziert.

Empfehlungen

Der Cochrane Review fasst die Evidenz zu präprozeduralen Mundspülungen wie folgt zusammen:

Primärer Endpunkt: Infektionsrisiko

Laut Review untersuchte keine der 17 eingeschlossenen Studien die tatsächliche Inzidenz von Infektionen beim zahnärztlichen Personal. Es können daher aus der aktuellen Studienlage keine verlässlichen Aussagen darüber getroffen werden, ob Mundspülungen das klinische Infektionsrisiko tatsächlich senken.

Sekundärer Endpunkt: Bakterielle Kontamination

Die Studien maßen ausschließlich die Reduktion der bakteriellen Kontamination in Aerosolen, ausgedrückt in koloniebildenden Einheiten (CFU). Es wird im Review betont, dass unklar ist, welche Reduktionsmenge an CFU klinisch signifikant ist, um eine Infektionsübertragung zu verhindern.

Die Evidenz zeigt mit niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass bestimmte Spülungen die bakterielle Kontamination im Vergleich zu Wasser oder keiner Spülung reduzieren können. Zu den untersuchten Wirkstoffen gehören:

  • Chlorhexidin (CHX)

  • Cetylpyridiniumchlorid (CPC)

  • Ätherische Öle und pflanzliche Mundspülungen

  • Povidon-Jod und Borsäure

MundspülungVergleichEffekt auf bakterielle KontaminationVertrauenswürdigkeit der Evidenz
Chlorhexidin (CHX)Wasser / Keine SpülungMögliche ReduktionNiedrig bis sehr niedrig
Cetylpyridiniumchlorid (CPC)Wasser / Keine SpülungMögliche ReduktionNiedrig bis sehr niedrig
Ätherische Öle / KräuterWasserMögliche ReduktionNiedrig bis sehr niedrig
Temperierte SpülungenKalte SpülungenMöglicherweise stärkere ReduktionSehr niedrig

Temperatur der Mundspülung

Es gibt Hinweise von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass erwärmte Mundspülungen eine stärkere Reduktion der bakteriellen Kontamination bewirken könnten als kalte Spülungen. Dies wurde in den Studien beispielsweise für temperiertes Chlorhexidin beobachtet.

Virale und fungale Kontamination

Der Review hebt hervor, dass keine der eingeschlossenen klinischen Studien die Reduktion von Viren (einschließlich SARS-CoV-2) oder Pilzen in Tröpfchen oder Aerosolen untersuchte. Die gemessenen Effekte beschränken sich rein auf bakterielle Erreger.

Unerwünschte Wirkungen und Kosten

Die analysierten Studien lieferten keine Informationen zu Kosten, Veränderungen der Mundflora oder unerwünschten Ereignissen wie Geschmacksveränderungen oder allergischen Reaktionen. Auch die Akzeptanz bei Patienten oder die praktische Umsetzbarkeit für Zahnärzte wurde nicht bewertet.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review hebt hervor, dass eine gemessene Reduktion bakterieller koloniebildender Einheiten (CFU) durch Mundspülungen nicht automatisch mit einem geringeren Infektionsrisiko für das Personal gleichzusetzen ist. Zudem wird explizit betont, dass klinische Daten zur Wirksamkeit gegen Viren wie SARS-CoV-2 in dentalen Aerosolen vollständig fehlen. Präprozedurale Spülungen werden in der Literatur daher lediglich als ein möglicher Baustein innerhalb umfassender, etablierter Infektionskontrollmaßnahmen beschrieben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es bisher keine klinischen Studien, die eine Reduktion von Viren wie SARS-CoV-2 in dentalen Aerosolen durch präprozedurale Mundspülungen belegen. Die vorhandene Evidenz beschränkt sich ausschließlich auf die Reduktion bakterieller Kontaminationen.

Der Review schlussfolgert, dass aufgrund der sehr niedrigen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz keine verlässliche Aussage zur Überlegenheit einer bestimmten Mundspülung getroffen werden kann. Untersucht wurden unter anderem Chlorhexidin, Cetylpyridiniumchlorid und ätherische Öle, die alle eine gewisse Reduktion von Bakterien zeigten.

Es gibt Hinweise von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass erwärmte Mundspülungen effektiver sein könnten als kalte. Laut den analysierten Studien zeigte beispielsweise temperiertes Chlorhexidin eine stärkere Reduktion der bakteriellen Kontamination im Vergleich zur kalten Variante.

Die tatsächliche Inzidenz von Infektionen beim zahnärztlichen Personal wurde in keiner der eingeschlossenen Studien gemessen. Der Review betont, dass unklar ist, inwiefern eine reduzierte Bakterienlast in Aerosolen das tatsächliche klinische Infektionsrisiko senkt.

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Quelle: Cochrane Review: Preprocedural mouth rinses for preventing transmission of infectious diseases through aerosols in dental healthcare providers (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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