Physiologie der Gallenblase: Funktion und Diagnostik
Hintergrund
Die Gallenblase ist ein birnenförmiges Organ im rechten Oberbauch, das als Teil des extrahepatischen Gallensystems fungiert. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Speicherung und Konzentration der in der Leber produzierten Galle.
Galle ist essenziell für die Verdauung von Fetten und die Ausscheidung von Cholesterin. Die Freisetzung wird maßgeblich durch das Hormon Cholecystokinin (CCK) gesteuert, welches nach Nahrungsaufnahme die Kontraktion der Gallenblase und die Entspannung des Musculus sphincter Oddi auslöst.
Eine Dysfunktion in der Physiologie der Gallenblase führt am häufigsten zur Bildung von Gallensteinen. Diese können den Gallenbaum blockieren und zu Schmerzen, Entzündungen sowie Infektionen führen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht beschreibt folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Pathophysiologie von Gallenblasenerkrankungen:
Diagnostik
Laut Übersicht ist der abdominale Ultraschall die primäre Untersuchungsmethode zur Beurteilung von Steinen, Sludge und Entzündungszeichen.
Für die Bestätigung einer akuten Cholezystitis wird der HIDA-Scan (Choleszintigrafie) als sensitivster und spezifischster Test beschrieben. Mit diesem Verfahren kann auch die Auswurffraktion der Gallenblase bestimmt werden, wobei ein Wert unter 35 % als pathologisch gilt.
Zusätzlich wird bei Verdacht auf akute Erkrankungen die Bestimmung von Laborparametern wie Blutbild (Leukozytose) und Leberwerten (AST, ALT, ALP, Bilirubin, GGT) aufgeführt.
Klassifikation der Gallensteine
Die Übersicht teilt Gallensteine anhand ihrer Zusammensetzung und Entstehung in verschiedene Kategorien ein:
| Steintyp | Häufigkeit | Ursachen und Risikofaktoren |
|---|---|---|
| Cholesterinsteine | ca. 80 % | Weibliches Geschlecht, Adipositas, Fertilität, Alter um 40 Jahre |
| Schwarze Pigmentsteine | seltener | Hämolyse (erhöhter Bilirubinabbau) |
| Braune Pigmentsteine | seltener | Bakterielle Infektionen der Gallenwege |
Pathophysiologische Krankheitsbilder
Die Übersicht differenziert verschiedene klinische Manifestationen der Gallenwegserkrankungen:
-
Biliäre Kolik: Schmerzen im rechten Oberbauch nach fettreichen Mahlzeiten durch CCK-vermittelte Kontraktion gegen einen Stein.
-
Choledocholithiasis: Stein im Ductus choledochus mit konsekutivem Anstieg von Leber- und gegebenenfalls Pankreasenzymen.
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Cholezystitis: Entzündung der Gallenblase, meist durch Steine (kalkulös) oder bei kritisch Kranken durch Minderperfusion (akalkulös).
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Cholangitis: Entzündung der Gallenwege, klassischerweise präsentiert als Charcot-Trias (Ikterus, Fieber, Oberbauchschmerz).
💡Praxis-Tipp
Die Übersicht weist darauf hin, dass längeres Fasten oder eine totale parenterale Ernährung (TPN) das Risiko für eine biliäre Stasis signifikant erhöhen. Zudem wird beschrieben, dass Medikamente wie Somatostatin-Analoga die CCK-Freisetzung blockieren und Fibrate die Gallensäureproduktion verringern. Dies begünstigt die Bildung von Gallensludge und Gallensteinen im klinischen Alltag.
Häufig gestellte Fragen
Laut der StatPearls-Übersicht ist der abdominale Ultraschall die initiale Untersuchungsmethode der Wahl. Er ist nicht-invasiv und kann Steine, Sludge sowie Entzündungszeichen effektiv darstellen.
Der HIDA-Scan wird als sensitivster und spezifischster Test zur Bestätigung einer Cholezystitis beschrieben. Er kommt typischerweise bei unklarem Ultraschallbefund und anhaltendem klinischem Verdacht zum Einsatz.
Die Übersicht nennt die klassischen "4 F"-Risikofaktoren: female (weiblich), fat (adipös), fertile (fruchtbar) und forty (Alter um 40 Jahre). Auch eine Östrogentherapie erhöht das Risiko für diese Steine.
Diese Form der Gallenblasenentzündung tritt meist bei kritisch kranken Patienten ohne Gallensteine auf. Sie wird durch Infektionen, Minderperfusion oder einen Gallestau (biliäre Stasis) verursacht.
Eine Cholangitis präsentiert sich klassischerweise mit der Charcot-Trias, bestehend aus Ikterus, Fieber und Schmerzen im rechten Oberbauch. Bei zusätzlichem Schock und Bewusstseinsveränderungen spricht man von der Reynolds-Pentade.
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Quelle: StatPearls: Physiology, Gallbladder (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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