Perioperative Hypothermie: Prävention & Wärmemanagement

Diese Leitlinie stammt aus 2016 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die unbeabsichtigte perioperative Hypothermie ist eine häufige, aber vermeidbare Komplikation, die mit schlechteren klinischen Ergebnissen assoziiert ist. Die NICE-Leitlinie definiert eine Hypothermie als eine Körperkerntemperatur von unter 36,0 °C.

Bereits in den ersten 30 bis 40 Minuten der Anästhesie kann die Temperatur signifikant abfallen. Ursächlich hierfür sind eine beeinträchtigte Thermoregulation, anästhesiebedingte Vasodilatation sowie eine kühle Umgebung im Operationssaal.

Das perioperative Management wird in eine präoperative, intraoperative und postoperative Phase unterteilt. Ziel ist es laut Leitlinie, die Körpertemperatur im normothermen Bereich zwischen 36,5 °C und 37,5 °C zu halten.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Prävention der perioperativen Hypothermie:

Risikobewertung

Laut Leitlinie wird ein erhöhtes Risiko für eine perioperative Hypothermie angenommen, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien zutreffen:

RisikofaktorBeschreibung
ASA-KlassifikationGrad 2 bis 5 (höherer Grad bedeutet höheres Risiko)
Präoperative TemperaturUnter 36,0 °C
AnästhesieverfahrenKombination aus Allgemein- und Regionalanästhesie
EingriffsschwereGroße oder mittelschwere chirurgische Eingriffe
KomorbiditätenRisiko für kardiovaskuläre Komplikationen

Temperaturmessung

Es wird empfohlen, ausschließlich direkte Messungen oder direkte Schätzungen der Körperkerntemperatur zu verwenden. Die Leitlinie rät ausdrücklich von indirekten Schätzungen, wie Infrarot-Tympanal- oder Stirnthermometern, ab.

Folgende Messorte werden gemäß Leitlinie empfohlen:

  • Pulmonalarterienkatheter

  • Distaler Ösophagus

  • Harnblase

  • Zero-Heat-Flux (tiefe Stirn)

  • Sublingual, axillär oder rektal (mit Vorsicht bei Werten außerhalb der Normothermie)

Präoperatives Management

Die Temperatur sollte in der Stunde vor dem Verlassen der Station gemessen und dokumentiert werden. Eine Verlegung in den OP-Trakt wird erst ab einer Temperatur von mindestens 36,0 °C empfohlen, sofern keine klinische Dringlichkeit besteht.

Für das aktive Wärmen gelten folgende Vorgaben:

  • Bei einer Temperatur unter 36,0 °C wird ein sofortiger Beginn des aktiven Wärmens empfohlen.

  • Bei einer Temperatur ab 36,0 °C sollte das aktive Wärmen mindestens 30 Minuten vor Narkoseeinleitung starten.

Intraoperatives Management

Die Leitlinie empfiehlt eine Temperaturmessung vor Narkoseeinleitung und anschließend alle 30 Minuten. Die Umgebungstemperatur im OP-Saal sollte bei exponiertem Körper mindestens 21 °C betragen.

Zusätzlich werden folgende Maßnahmen zum Wärmeerhalt empfohlen:

  • Intravenöse Flüssigkeiten (ab 500 ml) und Blutprodukte sind auf 37 °C zu erwärmen.

  • Spülflüssigkeiten sollten auf 38 °C bis 40 °C temperiert werden.

  • Ein konvektives Wärmesystem (Forced-Air-Warming) wird ab Narkoseeinleitung empfohlen, wenn die Anästhesie länger als 30 Minuten dauert oder ein hohes Risiko besteht.

Postoperatives Management

Bei Aufnahme in den Aufwachraum und danach alle 15 Minuten wird eine Temperaturkontrolle empfohlen. Eine Verlegung auf die Normalstation sollte laut Leitlinie erst ab einer Temperatur von mindestens 36,0 °C erfolgen.

Auf der Normalstation wird eine vierstündliche Temperaturkontrolle empfohlen. Bei einem Abfall unter 36,0 °C sollte ein konvektives Wärmesystem eingesetzt werden, bis wieder eine angenehme Wärme erreicht ist.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Verwendung von indirekten Temperaturmessverfahren wie Infrarot-Ohrthermometern oder Stirnstreifen bei chirurgischen Eingriffen. Es wird stattdessen die Nutzung von direkten Messmethoden oder validierten direkten Schätzungen empfohlen, um unerkannte Hypothermien zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine perioperative Hypothermie als eine Körperkerntemperatur von unter 36,0 °C definiert. Der angestrebte normotherme Bereich liegt zwischen 36,5 °C und 37,5 °C.

Es wird die Verwendung von Sonden im distalen Ösophagus, in der Harnblase oder über einen Pulmonalarterienkatheter empfohlen. Infrarot-Thermometer für das Ohr oder die Stirn werden von der Leitlinie nicht empfohlen.

Bei normothermen Werten ab 36,0 °C empfiehlt die Leitlinie den Beginn des aktiven Wärmens mindestens 30 Minuten vor der Narkoseeinleitung. Bei Werten unter 36,0 °C sollte das Wärmen sofort auf der Station gestartet werden.

Die Leitlinie empfiehlt, intravenöse Flüssigkeiten ab einer Menge von 500 ml sowie Blutprodukte auf 37 °C zu erwärmen. Intraoperative Spülflüssigkeiten sollten auf 38 °C bis 40 °C temperiert werden.

Es wird empfohlen, eine Verlegung aus dem Aufwachraum auf die Normalstation erst ab einer Körperkerntemperatur von mindestens 36,0 °C durchzuführen. Bis zum Erreichen dieses Zielwertes sollte ein konvektives Wärmesystem genutzt werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: NICE Guideline on Hypothermia Prevention (NICE, 2016). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.