Perioperative Hypothermie: Prävention & Wärmemanagement
Hintergrund
Die unbeabsichtigte perioperative Hypothermie ist eine häufige, aber vermeidbare Komplikation, die mit schlechteren klinischen Ergebnissen assoziiert ist. Die NICE-Leitlinie definiert eine Hypothermie als eine Körperkerntemperatur von unter 36,0 °C.
Bereits in den ersten 30 bis 40 Minuten der Anästhesie kann die Temperatur signifikant abfallen. Ursächlich hierfür sind eine beeinträchtigte Thermoregulation, anästhesiebedingte Vasodilatation sowie eine kühle Umgebung im Operationssaal.
Das perioperative Management wird in eine präoperative, intraoperative und postoperative Phase unterteilt. Ziel ist es laut Leitlinie, die Körpertemperatur im normothermen Bereich zwischen 36,5 °C und 37,5 °C zu halten.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Prävention der perioperativen Hypothermie:
Risikobewertung
Laut Leitlinie wird ein erhöhtes Risiko für eine perioperative Hypothermie angenommen, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien zutreffen:
| Risikofaktor | Beschreibung |
|---|---|
| ASA-Klassifikation | Grad 2 bis 5 (höherer Grad bedeutet höheres Risiko) |
| Präoperative Temperatur | Unter 36,0 °C |
| Anästhesieverfahren | Kombination aus Allgemein- und Regionalanästhesie |
| Eingriffsschwere | Große oder mittelschwere chirurgische Eingriffe |
| Komorbiditäten | Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen |
Temperaturmessung
Es wird empfohlen, ausschließlich direkte Messungen oder direkte Schätzungen der Körperkerntemperatur zu verwenden. Die Leitlinie rät ausdrücklich von indirekten Schätzungen, wie Infrarot-Tympanal- oder Stirnthermometern, ab.
Folgende Messorte werden gemäß Leitlinie empfohlen:
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Pulmonalarterienkatheter
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Distaler Ösophagus
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Harnblase
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Zero-Heat-Flux (tiefe Stirn)
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Sublingual, axillär oder rektal (mit Vorsicht bei Werten außerhalb der Normothermie)
Präoperatives Management
Die Temperatur sollte in der Stunde vor dem Verlassen der Station gemessen und dokumentiert werden. Eine Verlegung in den OP-Trakt wird erst ab einer Temperatur von mindestens 36,0 °C empfohlen, sofern keine klinische Dringlichkeit besteht.
Für das aktive Wärmen gelten folgende Vorgaben:
-
Bei einer Temperatur unter 36,0 °C wird ein sofortiger Beginn des aktiven Wärmens empfohlen.
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Bei einer Temperatur ab 36,0 °C sollte das aktive Wärmen mindestens 30 Minuten vor Narkoseeinleitung starten.
Intraoperatives Management
Die Leitlinie empfiehlt eine Temperaturmessung vor Narkoseeinleitung und anschließend alle 30 Minuten. Die Umgebungstemperatur im OP-Saal sollte bei exponiertem Körper mindestens 21 °C betragen.
Zusätzlich werden folgende Maßnahmen zum Wärmeerhalt empfohlen:
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Intravenöse Flüssigkeiten (ab 500 ml) und Blutprodukte sind auf 37 °C zu erwärmen.
-
Spülflüssigkeiten sollten auf 38 °C bis 40 °C temperiert werden.
-
Ein konvektives Wärmesystem (Forced-Air-Warming) wird ab Narkoseeinleitung empfohlen, wenn die Anästhesie länger als 30 Minuten dauert oder ein hohes Risiko besteht.
Postoperatives Management
Bei Aufnahme in den Aufwachraum und danach alle 15 Minuten wird eine Temperaturkontrolle empfohlen. Eine Verlegung auf die Normalstation sollte laut Leitlinie erst ab einer Temperatur von mindestens 36,0 °C erfolgen.
Auf der Normalstation wird eine vierstündliche Temperaturkontrolle empfohlen. Bei einem Abfall unter 36,0 °C sollte ein konvektives Wärmesystem eingesetzt werden, bis wieder eine angenehme Wärme erreicht ist.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Verwendung von indirekten Temperaturmessverfahren wie Infrarot-Ohrthermometern oder Stirnstreifen bei chirurgischen Eingriffen. Es wird stattdessen die Nutzung von direkten Messmethoden oder validierten direkten Schätzungen empfohlen, um unerkannte Hypothermien zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine perioperative Hypothermie als eine Körperkerntemperatur von unter 36,0 °C definiert. Der angestrebte normotherme Bereich liegt zwischen 36,5 °C und 37,5 °C.
Es wird die Verwendung von Sonden im distalen Ösophagus, in der Harnblase oder über einen Pulmonalarterienkatheter empfohlen. Infrarot-Thermometer für das Ohr oder die Stirn werden von der Leitlinie nicht empfohlen.
Bei normothermen Werten ab 36,0 °C empfiehlt die Leitlinie den Beginn des aktiven Wärmens mindestens 30 Minuten vor der Narkoseeinleitung. Bei Werten unter 36,0 °C sollte das Wärmen sofort auf der Station gestartet werden.
Die Leitlinie empfiehlt, intravenöse Flüssigkeiten ab einer Menge von 500 ml sowie Blutprodukte auf 37 °C zu erwärmen. Intraoperative Spülflüssigkeiten sollten auf 38 °C bis 40 °C temperiert werden.
Es wird empfohlen, eine Verlegung aus dem Aufwachraum auf die Normalstation erst ab einer Körperkerntemperatur von mindestens 36,0 °C durchzuführen. Bis zum Erreichen dieses Zielwertes sollte ein konvektives Wärmesystem genutzt werden.
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Quelle: NICE Guideline on Hypothermia Prevention (NICE, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
CG65: Hypothermia: prevention and management in adults having surgery
NICE Guideline on Perioperative Care in Adults
StatPearls: Targeted Temperature Management
NG180: Venous thromboembolism in over 16s: reducing the risk of hospital-acquired deep vein thrombosis or pulmonary embolism
StatPearls: Hypothermia
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