Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH): Therapie
Hintergrund
Die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) ist eine seltene, erworbene Erkrankung der hämatopoetischen Stammzellen. Sie wird zur Gruppe der Knochenmarkversagen-Erkrankungen gezählt. Ursächlich ist eine somatische Mutation im PIG-A-Gen, die zu einem Mangel an GPI-verankerten Proteinen auf den Blutzellen führt.
Durch das Fehlen der komplementregulierenden Proteine CD55 und CD59 sind insbesondere die Erythrozyten anfällig für eine Komplement-vermittelte Lyse. Das klinische Bild ist variabel und durch eine intravasale Hämolyse, eine ausgeprägte Thrombophilie sowie Zytopenien gekennzeichnet.
Viele Betroffene leiden unter einer starken Fatigue, die oft nicht proportional zum Grad der Anämie ist. Unbehandelt geht die Erkrankung mit einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität einher, vor allem bedingt durch thromboembolische Komplikationen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die obligatorische Meningokokken-Impfung bei Neueinstellung auf einen Komplement-Inhibitor erst am Tag der ersten Infusion erfolgen sollte. Da die Impfung selbst eine hämolytische Krise auslösen kann, wird eine begleitende primäre Antibiotikaprophylaxe (z.B. mit Penicillin V) bis zum Eintritt des Impfschutzes dringend empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Diagnostik bei erworbener, Coombs-negativer hämolytischer Anämie, atypischen Thrombosen oder unklarer Zytopenie empfohlen. Auch rezidivierende abdominelle Schmerzkrisen mit Hämolysezeichen stellen eine Indikation dar.
Die Leitlinie fordert zwingend eine Impfung gegen Meningokokken (inklusive Typ B) bei allen Inhibitoren. Bei proximalen Inhibitoren werden zusätzlich Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae empfohlen.
Es wird empfohlen, den Auslöser (z.B. eine Infektion) zu behandeln und gegebenenfalls die Dosis des Komplement-Inhibitors anzupassen. Bei schweren Verläufen kann laut Leitlinie eine Transfusion oder eine zusätzliche terminale Inhibition erforderlich sein.
Die Leitlinie stuft Schwangerschaften bei PNH als Hochrisiko-Situationen ein, die mit einer hohen maternalen und fetalen Letalität einhergehen. Unter den Komplement-Inhibitoren liegen für Eculizumab die meisten Erfahrungen vor, während von neueren Substanzen aufgrund fehlender Daten abgeraten wird.
Laut Leitlinie kommt es durch die Blockade der terminalen Kaskade zu einer Anreicherung von C3-Produkten auf den Erythrozyten. Dies führt zu einer Opsonisierung und einem Abbau durch Makrophagen in der Leber, was klinisch als Anämie und Fatigue imponieren kann.
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Quelle: Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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Onkopedia: Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH)
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