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NVL (National Care Guidelines Germany)Innere Medizin

Chronische Herzinsuffizienz: Leitlinie (NVL)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NVL (National Care Guidelines Germany) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Herzinsuffizienz wird anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) in HFrEF (< 40 %), HFmrEF (40-49 %) und HFpEF (≥ 50 %) eingeteilt.
  • Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, 12-Kanal-EKG und Labordiagnostik.
  • Natriuretische Peptide (BNP/NT-proBNP) eignen sich aufgrund ihres hohen negativ prädiktiven Wertes zum sicheren Ausschluss einer Herzinsuffizienz.
  • Bei erhärtetem Verdacht ist zeitnah eine transthorakale Echokardiographie indiziert.
  • Der aktuelle funktionelle Status des Patienten soll stets anhand der NYHA-Klassifikation dokumentiert werden.
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Hintergrund

Die chronische Herzinsuffizienz ist ein klinisches Syndrom, bei dem das Herz nicht in der Lage ist, den Organismus mit ausreichend Blut und Sauerstoff zu versorgen. Die häufigsten Ursachen (70-90 % der Fälle) sind die koronare Herzkrankheit (KHK) und die arterielle Hypertonie.

Klassifikation nach Ejektionsfraktion

Die Einteilung der Herzinsuffizienz erfolgt maßgeblich anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF):

FormLVEFWeitere Kriterien
HFrEF (reduced)< 40 %Symptome +/- Zeichen
HFmrEF (mildly reduced)40-49 %Symptome +/- Zeichen, erhöhte natriuretische Peptide, strukturelle/funktionelle Störungen
HFpEF (preserved)≥ 50 %Symptome +/- Zeichen, erhöhte natriuretische Peptide, strukturelle/funktionelle Störungen

NYHA-Klassifikation

Zur Bestimmung des aktuellen funktionellen Status soll die NYHA-Klassifikation genutzt werden (Empfehlungsgrad A):

StadiumKlinische Beschreibung
NYHA IHerzerkrankung ohne körperliche Limitation. Keine Beschwerden bei alltäglicher Belastung.
NYHA IILeichte Einschränkung. Beschwerdefreiheit in Ruhe, aber Erschöpfung/Luftnot bei stärkerer Belastung (z. B. Treppensteigen).
NYHA IIIHöhergradige Einschränkung. Beschwerdefreiheit in Ruhe, aber Symptome bereits bei geringer Belastung (z. B. Gehen in der Ebene).
NYHA IVBeschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und in Ruhe, Bettlägerigkeit.

Diagnostik bei Verdacht auf Herzinsuffizienz

Die Diagnostik erfolgt stufenweise. Patienten mit typischen Symptomen (Dyspnoe, Leistungsminderung, Flüssigkeitsretention) sollen auf klinische Zeichen untersucht werden (Empfehlungsgrad A). Wichtige klinische Zeichen sind:

  • Erhöhter Jugularvenendruck / positiver hepatojugulärer Reflux
  • Verlagerter Herzspitzenstoß
  • Vorhandener dritter Herzton
  • Pulmonale Rasselgeräusche, periphere Ödeme, Hepatomegalie

Besteht der Verdacht weiter, soll eine Abklärung durch Labordiagnostik und ein 12-Kanal-EKG erfolgen (Empfehlungsgrad A).

Natriuretische Peptide (BNP / NT-proBNP)

Wird eine Ausschlussdiagnostik für erforderlich gehalten, soll die Bestimmung von BNP oder NT-proBNP frühzeitig erfolgen (Empfehlungsgrad A). Aufgrund des hohen negativ prädiktiven Wertes kann eine Herzinsuffizienz bei Werten unterhalb der Schwellenwerte mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden.

ParameterSchwellenwert (ESC)
BNP< 35 pg/ml
NT-proBNP< 125 pg/ml

Hinweis: Bei Patienten über 70 Jahren ist die Bestimmung oft nicht zielführend, da die Werte altersbedingt meist oberhalb der Schwellenwerte liegen.

Echokardiographie und weiterführende Diagnostik

Bei weiterhin bestehendem Verdacht soll zeitnah eine transthorakale Echokardiographie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A). Befunde sollen eine klare Interpretation der Messwerte beinhalten.

Weiterführende Diagnostik zur Abklärung von Ätiologie, Prognose und Komorbiditäten:

DiagnostikMögliche Indikation
Langzeit-EKGVerdacht auf Herzrhythmusstörungen
Belastungs-EKG / SpiroergometrieBeurteilung der Belastbarkeit, Ischämiediagnostik
Labor (Troponin, HbA1c, Ferritin)Ausschluss Myokardinfarkt, Diabetes, Eisenmangel/Hämochromatose
Kardiales MRT (cMRT)Bestimmung der Ätiologie (z. B. Myokarditis)
LinksherzkatheterIschämiediagnostik bei KHK-Verdacht

Aufwändige und invasive Maßnahmen sollen zwischen Hausarzt und Kardiologen abgestimmt werden und im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung mit dem Patienten getroffen werden (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die Bestimmung von BNP oder NT-proBNP gezielt zum Ausschluss einer Herzinsuffizienz bei unspezifischer Dyspnoe. Beachten Sie jedoch, dass die Werte bei Patienten über 70 Jahren altersbedingt fast immer erhöht sind und der Test hier oft nicht zielführend ist.

Häufig gestellte Fragen

Man unterscheidet HFrEF (LVEF < 40 %), HFmrEF (LVEF 40-49 %) und HFpEF (LVEF ≥ 50 %). Bei HFmrEF und HFpEF müssen zusätzlich erhöhte natriuretische Peptide und strukturelle oder funktionelle Störungen vorliegen.
Nach ESC-Kriterien kann eine Herzinsuffizienz bei Werten von BNP < 35 pg/ml und/oder NT-proBNP < 125 pg/ml mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden.
Die Basisdiagnostik besteht aus der Anamnese, der Untersuchung auf typische klinische Zeichen, einem 12-Kanal-EKG sowie einer Labordiagnostik.
Bei allen Patienten, bei denen nach der Basisdiagnostik weiterhin der Verdacht auf eine Herzinsuffizienz besteht, soll zeitnah eine transthorakale Echokardiographie durchgeführt werden.

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