Notfallthorakotomie: Indikation, Technik & Komplikation
Hintergrund
Die Notfallthorakotomie ist ein lebensrettendes Verfahren im Schockraum zur temporären Stabilisierung kritisch verletzter Personen. Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die Indikationen und Techniken für diesen Eingriff.
Primäre Ziele der Maßnahme sind die Blutungskontrolle, die Entlastung einer Herzbeuteltamponade und die Durchführung einer offenen Herzdruckmassage. Zudem ermöglicht sie die Prävention von Luftembolien und das Abklemmen der Aorta descendens.
Der Eingriff ist mit einer hohen Mortalitätsrate verbunden, was auf den kritischen Zustand der Behandelten zurückzuführen ist. Er dient als Überbrückungsmaßnahme, bis eine definitive chirurgische Versorgung im Operationssaal erfolgen kann.
Empfehlungen
Indikationen
Laut Leitlinie wird die Notfallthorakotomie bei spezifischen traumatischen Verletzungen empfohlen. Die Hauptindikationen umfassen:
| Indikation | Kriterium / Voraussetzung |
|---|---|
| Penetrierendes Herztrauma | Nachgewiesene Herzbeuteltamponade (z. B. via FAST-Sonografie) |
| Thoraxtrauma mit Pulslosigkeit | Reanimationsdauer von weniger als 15 Minuten |
| Stumpfes Thoraxtrauma | Verlust der Vitalparameter bei noch vorhandenen Lebenszeichen, keine anderen tödlichen Verletzungen |
Vorbereitung und Ausrüstung
Es wird empfohlen, die Vorbereitung bereits vor dem Eintreten der Notfallsituation abzuschließen. Ein steriles Thorakotomie-Set, ein manueller interner Defibrillator und eine 30F-Thoraxdrainage sollten bereitstehen. Zudem wird der Einsatz eines 20F-Foley-Katheters als Hilfsmittel zur Blutungskontrolle beschrieben.
Die Leitlinie betont, dass eine Person ausschließlich für die fortgesetzte Reanimation (ACLS) abgestellt werden sollte. Eine weitere Person übernimmt den chirurgischen Eingriff.
Operationstechnik
Standardmäßig wird ein linksseitiger Zugang im vierten oder fünften Interkostalraum beschrieben. Für Notfallmediziner wird auch der Clamshell-Schnitt diskutiert, da dieser eine bessere Übersicht über das vordere Mediastinum und die großen Gefäße bietet.
Beim Eröffnen des Thorax wird empfohlen, am Oberrand der unteren Rippe zu schneiden, um das interkostale neurovaskuläre Bündel zu schonen. Für die Durchtrennung der Interkostalmuskulatur sollten Mayo-Scheren verwendet werden, um iatrogene Verletzungen zu vermeiden.
Blutungskontrolle und Aortenklemmung
Blutungen aus dem Herzen können durch direkten Druck, Nähte, Klammern oder das Blocken eines Foley-Katheters im Defekt kontrolliert werden. Bei der Eröffnung des Perikards wird ausdrücklich darauf hingewiesen, den Nervus phrenicus zu identifizieren und zu schützen.
Das Abklemmen der Aorta wird zur Verbesserung der intrakraniellen Durchblutung beschrieben. Bei normotensiven Personen wird jedoch von einer Aortenklemmung abgeraten, da die erhöhte Nachlast die kardiale Zirkulation beeinträchtigen kann.
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert klare Situationen, in denen von einer Notfallthorakotomie abgesehen werden sollte:
| Kontraindikation | Beschreibung / Begründung |
|---|---|
| Vorhandene Vitalparameter | Auch bei hypotensiven Blutdruckwerten kontraindiziert |
| Aussichtslose Situationen | Keine Lebenszeichen am Unfallort, Asystolie ohne Tamponade, Pulslosigkeit > 15 Minuten |
| Massive Verletzungen | Nicht überlebbare Schädeldeformitäten oder schwere Multisystemtraumata |
| Penetrierendes Abdominaltrauma | Ohne präklinische Herzaktion |
| Fehlende Ressourcen | Kein Operationssaal oder chirurgisches Team für die Weiterbehandlung verfügbar |
| Altersspezifische Faktoren | Stumpfes Thoraxtrauma bei Kindern (0-14 Jahre) oder Personen über 57 Jahre (zunehmend aussichtslos) |
💡Praxis-Tipp
Bei der Eröffnung des Thorax wird die Verwendung von Mayo-Scheren anstelle eines Skalpells empfohlen, um iatrogene Verletzungen des Perikards und der darunterliegenden Strukturen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist der Eingriff bei einem stumpfen Thoraxtrauma indiziert, wenn die Vitalparameter ausfallen, aber noch Lebenszeichen vorhanden sind. Es dürfen zudem keine anderen tödlichen Verletzungen wie massive Schädeldeformitäten vorliegen.
Es wird beschrieben, dass Blutungen durch direkten Druck, Nähte oder Klammern kontrolliert werden können. Bei größeren Defekten kann ein Foley-Katheter eingeführt und der Ballon zur Tamponade geblockt werden.
Die Leitlinie warnt vor dem Abklemmen der Aorta bei normotensiven Personen. Die dadurch entstehende erhöhte Nachlast kann die kardiale Zirkulation massiv beeinträchtigen.
Es wird ein Schnitt am Oberrand der unteren Rippe im vierten oder fünften Interkostalraum empfohlen. Diese Schnittführung schont das interkostale neurovaskuläre Bündel.
Bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren mit stumpfem Thoraxtrauma wird der Eingriff aufgrund extrem schlechter Ergebnisse als kontraindiziert betrachtet. Auch bei Personen über 57 Jahren sollte ein Verzicht erwogen werden.
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Quelle: StatPearls: Emergency Room Thoracotomy (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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