Mutter-Kind-Gesundheit (MNCAH): Programmevaluierung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie "Guide for conducting national and subnational programme reviews for maternal, newborn, child and adolescent health" (2024) beschreibt den Prozess zur Bewertung von Gesundheitsprogrammen. Ziel ist es, den Fortschritt bei der Verbesserung der Gesundheit von Frauen, Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen zu evaluieren.
Ein solcher Programm-Review wird alle zwei bis drei Jahre auf nationaler oder subnationaler Ebene empfohlen. Er dient dazu, Lücken in der Umsetzung zu identifizieren und evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln.
Der Prozess orientiert sich an der globalen Strategie für die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen sowie an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz über alle Lebensphasen und Ebenen des Gesundheitssystems hinweg verfolgt.
Empfehlungen
Vorbereitung und Datenerhebung
Die Leitlinie empfiehlt die frühzeitige Gründung eines Review-Komitees und die Ernennung eines Koordinators. Es wird betont, dass verlässliche Daten zu Interventionsabdeckung und Aktivitäten zwingend erforderlich sind.
Für die Datenerhebung sollten laut Leitlinie verschiedene Quellen genutzt werden:
-
Routinedaten aus Gesundheitsinformationssystemen
-
Umfragedaten aus Bevölkerungs- oder Haushaltsbefragungen
-
Qualitative Daten durch Experteninterviews oder Fokusgruppen
Durchführung des Workshops
Es wird ein partizipativer Workshop mit verschiedenen Interessengruppen empfohlen. Zu den Teilnehmern sollten Vertreter von Ministerien, Nichtregierungsorganisationen, Fachgesellschaften und Geldgebern gehören.
Während des Workshops sollen die Teilnehmer die gesammelten Daten analysieren und Prioritäten setzen. Die Leitlinie rät dazu, besonders unterdurchschnittlich abschneidende Interventionen detailliert zu untersuchen.
Analytischer Rahmen
Für die systematische Analyse empfiehlt das Dokument einen strukturierten Rahmen. Dieser soll helfen, die Ursachen für Implementierungslücken zu identifizieren.
Folgende Bereiche der Implementierungsbereitschaft sollten bewertet werden:
-
Richtlinien und Leitlinien
-
Serviceverfügbarkeit und Infrastruktur
-
Finanzierung und Personalressourcen
-
Medikamente und Lieferketten
-
Multisektorales und gesellschaftliches Engagement
Nachbereitung und Implementierung
Die Leitlinie fordert, dass die entwickelten Empfehlungen spezifisch, realistisch und zeitgebunden formuliert werden. Die Ergebnisse müssen in einem Abschlussbericht dokumentiert werden.
Abschließend wird empfohlen, einen konkreten Aktionsplan zur Umsetzung der Lösungen zu erstellen. Dieser Plan sollte von den zuständigen Gesundheitsbehörden offiziell gebilligt und an alle relevanten Akteure verteilt werden.
Globale Zielwerte (EPMM und ENAP)
Die Leitlinie integriert spezifische Zielvorgaben zur Reduktion der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit. Folgende Kernziele werden für die nationale Umsetzung empfohlen:
| Interventionsbereich | Zielgruppe | Empfohlene Zielabdeckung |
|---|---|---|
| Schwangerenvorsorge (mind. 4 Kontakte) | Schwangere | 90 % |
| Qualifizierte Geburtsbegleitung | Gebärende | 90 % |
| Frühe postnatale Versorgung (innerhalb 2 Tagen) | Mütter und Neugeborene | 80 % |
| Zugang zu geburtshilflicher Notfallversorgung | Bevölkerung (innerhalb 2h erreichbar) | > 50 % |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die reine Verfügbarkeit von Daten nicht ausreicht, sondern deren Qualität vorab kritisch geprüft werden muss. Es wird empfohlen, fehlende oder unzuverlässige Routinedaten gezielt durch qualitative Methoden wie Fokusgruppen oder Vor-Ort-Besuche zu ergänzen. Die Datenqualität selbst stellt laut Dokument bereits ein wichtiges Evaluationsergebnis dar.
Häufig gestellte Fragen
Laut WHO-Leitlinie wird empfohlen, einen solchen Review alle zwei bis drei Jahre durchzuführen. Er sollte idealerweise in die regulären Planungs- und Implementierungszyklen des Gesundheitssystems integriert werden.
Das Programm deckt das gesamte Kontinuum der Versorgung ab. Es schließt Frauen im reproduktiven Alter, Neugeborene, Kinder bis 9 Jahre sowie Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren ein.
Die Leitlinie verweist auf die EPMM-Ziele, welche eine 90-prozentige Abdeckung mit mindestens vier Schwangerenvorsorgeuntersuchungen anstreben. Zudem wird empfohlen, dass 90 Prozent der Geburten von qualifiziertem Gesundheitspersonal betreut werden.
Es wird eine breite Beteiligung verschiedener Interessengruppen empfohlen. Dazu zählen Vertreter des Gesundheitsministeriums, anderer Ministerien, NGOs, Fachgesellschaften, private Anbieter und internationale Partner.
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Quelle: Guide for conducting national and subnational programme reviews for maternal, newborn, child and adolescent health (WHO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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