Multiple Sklerose (MS): VR-Rehabilitation und Motorik
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) geht häufig mit motorischen und kognitiven Einschränkungen einher, die eine multidisziplinäre Rehabilitation erfordern. Virtuelle Realität (VR) bietet hierbei einen neuen Ansatz durch kontrollierbare, anpassbare und motivierende Trainingsumgebungen.
Ein aktueller Cochrane Review (2025) untersucht die Wirksamkeit von VR-Interventionen bei Erwachsenen mit MS. Die eingeschlossenen Studien umfassen primär Patientengruppen mit leichter bis moderater Behinderung (EDSS-Score unter 6) und einem Durchschnittsalter von etwa 45 Jahren.
Die analysierten Interventionen basieren überwiegend auf nicht-immersiven Systemen wie handelsüblichen Spielekonsolen oder Bildschirmen. Voll-immersive Systeme, wie beispielsweise VR-Brillen, wurden in der bisherigen Studienlage kaum untersucht.
Empfehlungen
Der Cochrane Review vergleicht den Einsatz von virtueller Realität in der MS-Rehabilitation mit keiner Intervention sowie mit konventionellen Therapien.
Vergleich mit keiner Intervention
Laut Review zeigt VR im Vergleich zu keiner Intervention möglicherweise positive Effekte auf bestimmte Funktionsbereiche. Es wird berichtet, dass sich die Funktion der oberen Extremitäten sowie die Teilhabe und Lebensqualität verbessern können (niedrige bis sehr niedrige Evidenz).
Für die Funktion der unteren Extremitäten, den Gang sowie das Gleichgewicht und die Haltungskontrolle zeigt sich laut den Daten kein wesentlicher Unterschied zu keiner Intervention.
Vergleich mit konventioneller Therapie
Im Vergleich zur konventionellen Therapie erweist sich VR laut Meta-Analyse als wahrscheinlich überlegen bei der Verbesserung von Gleichgewicht und Haltungskontrolle (moderate Evidenz). Auch hier deuten die Daten auf eine mögliche Verbesserung von Teilhabe und Lebensqualität hin.
Bei der Funktion der unteren und oberen Extremitäten sowie beim Gangbild zeigt der Review keinen signifikanten Unterschied zur konventionellen Therapie.
Übersicht der klinischen Effekte
Die Meta-Analyse fasst die Effekte von VR-Interventionen wie folgt zusammen:
| Endpunkt | VR vs. Keine Intervention | VR vs. Konventionelle Therapie |
|---|---|---|
| Gleichgewicht & Haltungskontrolle | Kein Unterschied | Wahrscheinliche Verbesserung |
| Funktion der oberen Extremitäten | Mögliche Verbesserung | Kein Unterschied |
| Gang & untere Extremitäten | Kein Unterschied | Kein Unterschied |
| Teilhabe & Lebensqualität | Mögliche Verbesserung | Mögliche Verbesserung |
Sicherheit und Verträglichkeit
Der Review hält fest, dass in den eingeschlossenen Studien keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet wurden. Typische VR-assoziierte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Reisekrankheit (Motion Sickness) traten nicht auf.
VR wird daher als sichere Ergänzung in der Rehabilitation beschrieben. Es wird hervorgehoben, dass die Technologie die Motivation und Therapieadhärenz der Patienten positiv beeinflussen kann.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review ist die Evidenzbasis für VR-Anwendungen bei MS-Patienten mit höherem Behinderungsgrad (EDSS über 6) oder in höherem Alter derzeit noch unzureichend. Es wird darauf hingewiesen, dass die bisherigen positiven Ergebnisse primär auf jüngere, weniger stark beeinträchtigte Personen sowie auf nicht-immersive Systeme (z. B. Bildschirme) zutreffen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review basieren fast 91 % der untersuchten Interventionen auf nicht-immersiven Systemen wie handelsüblichen Spielekonsolen und Bildschirmen. Voll-immersive Systeme wie VR-Brillen sind in der aktuellen Studienlage kaum vertreten.
Der Review zeigt, dass VR-Training im Vergleich zur konventionellen Therapie das Gleichgewicht und die Haltungskontrolle wahrscheinlich verbessert. Im Vergleich zu gar keiner Intervention konnte jedoch kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.
In den analysierten Studien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet. Typische VR-assoziierte Nebenwirkungen wie Motion Sickness, Kopfschmerzen oder Übelkeit traten laut den Daten nicht auf, was auf eine gute Verträglichkeit hindeutet.
Die Evidenz beschränkt sich laut Review primär auf Patienten mit einem EDSS-Score unter 6 und einem Durchschnittsalter von etwa 45 Jahren. Für ältere Patienten oder solche mit stärkeren Einschränkungen liegen derzeit unzureichende Daten vor.
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Quelle: Cochrane Review: Virtual reality for multiple sclerosis rehabilitation (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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