Multiple Sklerose (MS): Sturzprävention und Training
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) geht häufig mit einem stark erhöhten Sturzrisiko einher. Laut dem Cochrane Review (2019) stürzen etwa 56 % der Betroffenen, was zu Frakturen, psychischen Belastungen und einem Verlust der Unabhängigkeit führen kann.
Das Sturzrisiko bei MS-Erkrankten ist dreimal so hoch wie bei älteren Menschen ohne MS. Zu den Hauptrisikofaktoren zählen Gleichgewichtsstörungen, kognitive Einschränkungen und die Nutzung von Gehhilfen.
Bisherige klinische Leitlinien bieten oft keine evidenzbasierten Ansätze zur Sturzprävention bei MS. Der vorliegende Review fasst daher die aktuelle Studienlage zu verschiedenen Präventionsmaßnahmen zusammen.
Empfehlungen
Der systematische Review analysiert verschiedene Interventionen zur Sturzprävention. Die Autoren betonen, dass die aktuelle Evidenzlage insgesamt spärlich und von sehr niedriger bis niedriger Qualität ist.
Bewegungstherapie (Exercise)
Laut dem Review ist die Evidenz für den Effekt von reinen Bewegungstherapien auf die Sturzrate und die Anzahl der Stürzenden unsicher. Es konnte kein statistisch signifikanter Nutzen für die primären Sturz-Endpunkte nachgewiesen werden (Evidenzgrad sehr niedrig bis niedrig).
| Endpunkt | Relativer Effekt (95% CI) | GRADE-Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Sturzrate | RaR 0,68 (0,43 bis 1,06) | Sehr niedrig |
| Anzahl der Stürzenden | RR 0,85 (0,51 bis 1,43) | Niedrig |
| Unerwünschte Ereignisse | RR 1,25 (0,26 bis 6,03) | Niedrig |
Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass Bewegungstherapien sekundäre Endpunkte positiv beeinflussen. Der Review zeigt Verbesserungen in folgenden Bereichen:
-
Gleichgewichtsfunktion (SMD 0,50)
-
Selbstberichtete Mobilität
-
Objektive Mobilität bei kurzen Gehtests
Weitere Interventionen
Andere untersuchte Maßnahmen wie Edukation, funktionelle Elektrostimulation (FES) oder Yoga zeigten in den analysierten Studien ebenfalls keinen signifikanten Effekt auf die Sturzrate. Die Autoren weisen darauf hin, dass für diese Vergleiche oft nur einzelne, kleine Studien vorliegen.
Forschungslücken und zukünftige Ansätze
Der Review identifiziert das Fehlen von Studien zu multifaktoriellen Interventionen als wesentliche Forschungslücke. Da solche Ansätze bei älteren Erwachsenen nachweislich Stürze reduzieren, wird die Evaluation maßgeschneiderter, multifaktorieller Programme für MS-Erkrankte dringend empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass reine Bewegungstherapien zwar das Gleichgewicht und die Mobilität bei Multipler Sklerose verbessern, dies aber nicht zwingend zu einer signifikanten Reduktion der tatsächlichen Sturzrate führt. Es wird nahegelegt, dass in der Praxis künftig eher multifaktorielle Ansätze benötigt werden, die individuelle Risikofaktoren gezielt adressieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review verbessern Bewegungstherapien zwar das Gleichgewicht und die Mobilität. Ein eindeutiger Beweis, dass dadurch auch die tatsächliche Sturzrate signifikant sinkt, konnte aufgrund der niedrigen Studienqualität bisher jedoch nicht erbracht werden.
Der Review nennt Gleichgewichtsstörungen, kognitive Einschränkungen, die Nutzung von Gehhilfen sowie einen progredienten Krankheitsverlauf als wesentliche Risikofaktoren. Das Sturzrisiko ist bei MS-Erkrankten etwa dreimal so hoch wie bei älteren Menschen.
Die Autoren betonen, dass es derzeit an Studien zu multifaktoriellen Interventionen bei MS mangelt. Da diese Programme bei älteren Menschen sehr effektiv sind, wird ihre Entwicklung und Erforschung für MS-Erkrankte stark befürwortet.
In den untersuchten Studien gab es keinen signifikanten Unterschied bei den unerwünschten Ereignissen zwischen den Trainings- und Kontrollgruppen. Der Review weist jedoch darauf hin, dass diese Datenlage ebenfalls von niedriger Qualität ist.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for preventing falls in people with multiple sclerosis (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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