Multimorbidität: Leitlinien-Empfehlung zur Therapie
Hintergrund
Multimorbidität wird als das gleichzeitige Vorliegen von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen bei einer Person definiert. Dies stellt Gesundheitssysteme und die Primärversorgung vor wachsende Herausforderungen, da traditionelle Behandlungsansätze oft auf einzelne Erkrankungen ausgerichtet sind.
Der vorliegende Cochrane-Review untersucht die Wirksamkeit von gesundheitssystem- und patientenorientierten Maßnahmen. Ziel dieser Interventionen ist es, die klinischen Endpunkte und die Lebensqualität von multimorbiden Patienten im ambulanten Bereich zu verbessern.
Dabei wird zwischen allgemeiner Multimorbidität und spezifischen Komorbiditäten unterschieden. Laut Review erfordern vordefinierte Kombinationen von Erkrankungen, wie beispielsweise Diabetes und Depression, oft gezieltere Behandlungsstrategien als eine allgemeine Multimorbidität.
Empfehlungen
Der Review analysiert verschiedene Interventionsansätze zur Betreuung multimorbider Menschen.
Organisatorische Maßnahmen
Die meisten untersuchten Studien fokussieren sich auf organisatorische Veränderungen in der Gesundheitsversorgung. Dazu gehören laut Review vor allem das Case Management und eine verbesserte multidisziplinäre Teamarbeit.
Es wird berichtet, dass organisatorische Maßnahmen, die auf spezifische Risikofaktoren bei häufigen Komorbiditäten abzielen, tendenziell wirksamer sind. Ein Beispiel hierfür ist die gezielte Mitbehandlung von Depressionen.
Patientenorientierte Maßnahmen
Ein weiterer Ansatz umfasst patientenorientierte Interventionen, die direkt an die Betroffenen gerichtet sind. Der Review nennt hierbei Edukation und Programme zur Förderung des Selbstmanagements.
Die Evidenz zeigt, dass rein patientenorientierte Maßnahmen, die nicht in das bestehende Gesundheitssystem integriert sind, oft eine geringere Wirksamkeit aufweisen.
Auswirkungen auf Endpunkte und Evidenzgrade
Der Cochrane-Review fasst die Effekte der Interventionen und die zugehörige Sicherheit der Evidenz (GRADE) wie folgt zusammen:
| Endpunkt | Effekt der Intervention im Vergleich zur Standardversorgung | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|
| Mentale Gesundheit (z. B. Depression) | Moderate Verbesserung (SMD -0.41) | Hoch |
| Klinische Endpunkte | Kaum oder kein Unterschied | Moderat |
| Patientenberichtete Endpunkte (PROMs) | Wahrscheinlich leichte Verbesserung | Moderat |
| Verhalten der Leistungserbringer | Wahrscheinliche Verbesserung (z. B. Verschreibungsverhalten) | Moderat |
| Gesundheitsverhalten der Patienten | Wahrscheinlich leichte Verbesserung | Moderat |
| Medikamentenadhärenz | Mögliche leichte Verbesserung | Niedrig |
| Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten | Kaum oder kein Unterschied | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review sind Interventionen bei Multimorbidität besonders dann wirksam, wenn sie spezifische Risikofaktoren wie eine begleitende Depression gezielt adressieren. Allgemeine, nicht zielgerichtete Maßnahmen oder isolierte Patientenprogramme ohne Anbindung an das Versorgungssystem zeigen hingegen oft nur geringe Effekte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review bezeichnet Multimorbidität das Vorliegen von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen jeglicher Art. Komorbidität wird hingegen verwendet, wenn eine definierte Indexerkrankung zusammen mit anderen spezifischen Begleiterkrankungen auftritt.
Der Cochrane-Review zeigt, dass organisatorische Maßnahmen, die auf spezifische Komorbiditäten wie Depressionen abzielen, die besten Ergebnisse erzielen. Multidisziplinäre Teamarbeit und Case Management sind dabei zentrale Elemente.
Gemäß der Evidenz haben die untersuchten Interventionen nur geringe oder keine Auswirkungen auf rein klinische Endpunkte wie Blutdruck oder Langzeitblutzucker. Deutlichere Verbesserungen zeigen sich hingegen im Bereich der mentalen Gesundheit.
Der Review berichtet, dass die untersuchten Maßnahmen wahrscheinlich keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten haben. Dies schließt Krankenhausaufenthalte und Notaufnahmebesuche ein.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for improving outcomes in patients with multimorbidity in primary care and community settings (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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