Morton-Neurom: Injektionen und operative Therapie
Hintergrund
Das Morton-Neurom ist eine schmerzhafte Neuropathie, die durch eine gutartige Vergrößerung des Nervus plantaris communis digitalis entsteht. Es tritt am häufigsten im dritten und seltener im zweiten Zehenzwischenraum auf.
Zu den typischen Symptomen gehören brennende oder stechende Schmerzen, die bis in die Zehen ausstrahlen können. Betroffene berichten zudem häufig über das Gefühl, auf einem Kieselstein zu laufen, was die Mobilität und Lebensqualität stark einschränkt.
Die genaue Ursache ist unklar, diskutiert werden unter anderem Nervenkompressionen, Ischämien oder mechanische Reizungen durch enges Schuhwerk. Der vorliegende Cochrane Review (2024) untersucht die Evidenz verschiedener operativer und nicht-operativer Behandlungsansätze.
Empfehlungen
Der Cochrane Review bewertet die Wirksamkeit verschiedener Interventionen anhand von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs). Die Autoren betonen, dass die Evidenzlage insgesamt moderat bis sehr niedrig ist.
Vergleich der nicht-operativen Therapien
Die analysierten Studien vergleichen verschiedene Injektionstechniken und physikalische Therapien. Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der Vergleiche zusammen:
| Intervention | Vergleich | Schmerzreduktion | Funktionsverbesserung | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|---|
| CS+LA (blind) | LA (Lokalanästhetikum) | Kaum Unterschied | Kaum Unterschied | Niedrig |
| UG CS+LA (Ultraschall) | NUG CS+LA (blind) | Besser (nach 6 Monaten) | Besser (nach 6 Monaten) | Moderat |
| Stoßwellentherapie | Scheinbehandlung | Kein Unterschied | Kein Unterschied | Niedrig |
Laut Review führt eine blinde Injektion von Kortikosteroiden und Lokalanästhetika (CS+LA) zu keinem klinisch relevanten Unterschied bei Schmerzen oder Lebensqualität im Vergleich zu Lokalanästhetika (LA) allein. Die ultraschallgestützte Injektion (UG CS+LA) zeigt hingegen deutliche Vorteile gegenüber der blinden Technik.
Zudem kann die ultraschallgestützte Methode die Patientenzufriedenheit erhöhen. Bei der Stoßwellentherapie zeigt sich kurzfristig kein Unterschied zur Scheinbehandlung.
Operative Therapien
Bei den chirurgischen Verfahren wurde die Neurektomie über einen plantaren Zugang (PN) mit einem dorsalen Zugang (DN) verglichen. Nach durchschnittlich 34 Monaten zeigt sich laut Review kein wesentlicher Unterschied in der Patientenzufriedenheit (niedrige Evidenz).
Die Daten zu Schmerzen und Funktion aus der eingeschlossenen Studie waren für eine Metaanalyse nicht geeignet.
Diagnostik
Für zukünftige Studien und die klinische Praxis wird eine Kombination aus Symptomen, dem Daumen-Zeigefinger-Kompressionstest und bildgebenden Verfahren zur Diagnosestellung empfohlen. Keine dieser Methoden bietet isoliert eine ausreichende Sicherheit für die Diagnose eines Morton-Neuroms.
Kontraindikationen
Der Review dokumentiert spezifische unerwünschte Ereignisse der untersuchten Therapien. Bei Injektionen von Kortikosteroiden (CS+LA) wurden folgende Nebenwirkungen beobachtet:
-
Leichte Hautatrophie
-
Hypopigmentierung der Haut an der Injektionsstelle
-
Atrophie des plantaren Fettpolsters
Bei den operativen Verfahren unterschieden sich die Komplikationen je nach Zugangsweg. Die plantare Neurektomie war mit hypertropher Narbenbildung und Fremdkörperreaktionen assoziiert.
Bei der dorsalen Neurektomie traten Wundinfektionen, Wunddehiszenzen, tiefe Venenthrombosen sowie verfehlte Nerven auf. Zudem kam es hier zu Reoperationen aufgrund von persistierenden Schmerzen durch Amputationsneurome.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review bietet die ultraschallgestützte Injektion von Kortikosteroiden und Lokalanästhetika im Vergleich zur blinden Injektion messbare klinische Vorteile. Es wird deutlich, dass die Ultraschallsteuerung nach sechs Monaten zu einer besseren Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung führt. Daher stellt die bildgestützte Injektionstechnik bei der konservativen Therapie des Morton-Neuroms die bevorzugte Methode dar.
Häufig gestellte Fragen
Der Review weist darauf hin, dass die Diagnose klinisch oft herausfordernd ist. Es wird eine Kombination aus typischen Symptomen, dem Daumen-Zeigefinger-Kompressionstest sowie einer Ultraschall- oder MRT-Untersuchung zur Bestätigung herangezogen.
Laut Review zeigt eine blinde Kortikosteroid-Injektion im Vergleich zu einem reinen Lokalanästhetikum nach drei bis sechs Monaten kaum klinische Vorteile. Erfolgt die Injektion jedoch ultraschallgestützt, lassen sich Schmerzen und Funktion signifikant verbessern.
Die Evidenz zeigt keinen signifikanten Unterschied in der Patientenzufriedenheit zwischen dem plantaren und dem dorsalen Zugang. Beide Verfahren weisen spezifische Komplikationsprofile auf, wie etwa schmerzhafte Narben beim plantaren oder Wundheilungsstörungen beim dorsalen Zugang.
Die analysierten Daten zeigen kurzfristig keinen signifikanten Unterschied zwischen einer Stoßwellentherapie und einer Scheinbehandlung. Weder bei der Schmerzreduktion noch bei der Funktionsverbesserung konnten Vorteile nachgewiesen werden.
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Quelle: Cochrane Review: Treatments for Morton's neuroma (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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