MNCAH-Gesundheitsdaten: Analyse und Qualitätsmanagement
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie befasst sich mit der Analyse und Nutzung von Routinedaten aus Gesundheitseinrichtungen für den Bereich der Mütter-, Neugeborenen-, Kinder- und Jugendgesundheit (MNCAH). Der Ansatz der kontinuierlichen Versorgung (Continuum of Care) von der Schwangerschaft bis zur Adoleszenz steht dabei im Mittelpunkt.
Routinedaten aus Gesundheitsinformationssystemen (RHIS) bieten den Vorteil, dass sie regelmäßig für das Programm-Monitoring zur Verfügung stehen. Sie ermöglichen eine detaillierte Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Gesundheitsprogrammen, weisen jedoch Limitierungen hinsichtlich der Repräsentativität und Datenqualität auf.
Ziel der Leitlinie ist es, Programmmanagern einen standardisierten Katalog von Indikatoren an die Hand zu geben. Zudem werden Methoden zur Visualisierung, Interpretation und Qualitätssicherung der Daten beschrieben, um fundierte Entscheidungen im Gesundheitsmanagement zu unterstützen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für das Monitoring von MNCAH-Daten:
Datenqualität
Laut Leitlinie wird eine kontinuierliche Überprüfung der Datenqualität empfohlen. Dabei stehen vier Dimensionen im Fokus:
-
Vollständigkeit und Pünktlichkeit der Berichterstattung (z. B. Anteil der erwarteten Berichte, die tatsächlich eingehen)
-
Interne Konsistenz der gemeldeten Daten (Erkennung von Ausreißern und Prüfung der Konsistenz über die Zeit)
-
Externer Vergleich mit anderen Datenquellen (z. B. bevölkerungsbezogene Umfragen)
-
Konsistenz der verwendeten Bevölkerungsdaten als Nenner für Indikatoren
Minimales Indikatoren-Set für das Routine-Monitoring
Für die routinemäßige Überwachung wird ein Set von 15 Kernindikatoren empfohlen. Dazu gehören unter anderem:
-
Anteil der Schwangeren mit Antenatal Care (ANC) Kontakten in einer Einrichtung
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Anteil der Entbindungen in Gesundheitseinrichtungen sowie die Kaiserschnittrate
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Anteil der Lebendgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 2500 g
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Anteil der Frauen und Neugeborenen, die innerhalb eines definierten Zeitraums Postnatal Care (PNC) erhalten
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Anteil der Zielpopulation von Kindern mit drei Dosen des DTP-Impfstoffs (Diphtherie, Tetanus, Pertussis)
-
Anteil der Zielpopulation mit der letzten Dosis der HPV-Impfung
-
Institutionelle Sterblichkeit und Totgeburtenrate
Datenanalyse und Interpretation
Es wird empfohlen, die Daten regelmäßig auf verschiedenen Ebenen (national, regional, Einrichtungsebene) zu analysieren. Die Leitlinie rät zu folgenden Vorgehensweisen:
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Visualisierung von Trends über die Zeit, um saisonale Schwankungen oder plötzliche Abbrüche in der Leistungserbringung zu erkennen
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Geografische Kartierung zur Identifikation von Regionen mit schlechterer Performance
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Disaggregation der Daten nach Alter (z. B. in 5-Jahres-Schritten bei Heranwachsenden) und Geschlecht, um spezifische Muster zu erkennen
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Triangulation der Einrichtungsdaten mit bevölkerungsbasierten Umfragen, um Verzerrungen durch mangelnde Repräsentativität auszugleichen
💡Praxis-Tipp
Ein plötzlicher Abfall bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen in den Routinedaten ist häufig auf eine unvollständige oder verspätete Berichterstattung zurückzuführen und nicht auf einen tatsächlichen Rückgang der behandelten Personen. Die Leitlinie empfiehlt daher, vor der Interpretation von Leistungseinbrüchen stets die Vollständigkeit der Datenmeldung (Reporting Completeness) der jeweiligen Einrichtungen zu überprüfen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt unter anderem die Erfassung von Antenatal Care (ANC) Kontakten, den Anteil der Entbindungen in Einrichtungen, die Kaiserschnittrate sowie die postnatale Versorgung (PNC). Zudem wird die Überwachung der institutionellen Müttersterblichkeit angeraten.
Laut Leitlinie erfolgt die Bewertung anhand von vier Dimensionen: Vollständigkeit und Pünktlichkeit der Meldungen, interne Konsistenz (z. B. Ausreißer), externer Vergleich mit anderen Datenquellen und Konsistenz der Bevölkerungsdaten. Es wird empfohlen, diese Parameter kontinuierlich zu überwachen.
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Einrichtungsdaten nur Personen erfassen, die tatsächlich das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen, und somit nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind. Zudem fehlen oft Informationen zu Geburten oder Todesfällen, die außerhalb von Einrichtungen stattfinden.
Es wird empfohlen, die Daten nach Geschlecht und spezifischen Altersgruppen zu disaggregieren. Für Heranwachsende rät die Leitlinie beispielsweise zu einer Unterteilung in die Altersgruppen 10–14 Jahre und 15–19 Jahre.
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Quelle: Analysis and use of health facility data: guidance for maternal, newborn, child and adolescent health programme managers (WHO, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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