Mittelohr-Cholesteatom: Diagnostik, Therapie, Nachsorge
Hintergrund
Cholesteatome sind benigne, aber expansiv wachsende Ansammlungen von verhornendem Plattenepithel im Mittelohr. Sie können umliegende Strukturen wie Knochen, Gehörknöchelchen und Nerven durch Druck und entzündliche Prozesse zerstören.
Man unterscheidet angeborene sowie primär und sekundär erworbene Formen. Primär erworbene Cholesteatome entstehen meist durch Druckveränderungen und Retraktionstaschen, während sekundäre Formen auf direkte Verletzungen oder Infektionen des Trommelfells zurückzuführen sind.
Unbehandelt führt die Erkrankung häufig zu Hörminderung, Schwindel und in seltenen Fällen zu einer Fazialisparese oder intrakraniellen Komplikationen. Systemische oder topische medikamentöse Therapien bieten laut Literatur meist nur eine vorübergehende Linderung der Symptome.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Mittelohr-Cholesteatoms:
Klinische Diagnostik
Laut Leitlinie erfolgt die Diagnose primär klinisch durch eine ausführliche Anamnese und Ohrmikroskopie.
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Es wird empfohlen, systematisch auf klassische Zeichen wie eine schmerzlose, persistierende Otorrhö sowie auf weißliche Massen in Retraktionstaschen zu achten.
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Eine prä- und postoperative Audiometrie wird zur Beurteilung des Hörvermögens dringend angeraten.
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Die Überprüfung der Fazialisfunktion sollte bei jeder Untersuchung dokumentiert werden.
Bildgebung
Ein CT des Felsenbeins in dünnen Schichten ohne Kontrastmittel wird bevorzugt, um knöcherne Defekte und die Anatomie vor einer Operation darzustellen.
Ein MRT (insbesondere diffusionsgewichtet) ist laut Leitlinie obligatorisch bei Verdacht auf durale Beteiligung, intrakranielle Abszesse, Meningitis oder Sinusthrombose. Für die postoperative Überwachung wird zunehmend ein diffusionsgewichtetes MRT als Alternative zur Second-Look-Operation empfohlen.
Chirurgische Therapie
Die primäre Behandlung ist chirurgisch, wobei das Hauptziel ein sicheres und trockenes Ohr ist. Als Standardverfahren wird die Tympanomastoidektomie empfohlen.
Die Entscheidung zwischen den Operationstechniken sollte intraoperativ anhand der Ausdehnung und anatomischer Gegebenheiten getroffen werden. Die Leitlinie vergleicht die Ansätze wie folgt:
| Operationstechnik | Kosmetisches Ergebnis | Wasserexposition | Rezidivrisiko |
|---|---|---|---|
| Canal wall-up | Besser | Meist unproblematisch | Höher |
| Canal wall-down | Eingeschränkt (Mastoidhöhle) | Eingeschränkt (Schwindelrisiko) | Geringer |
Nachsorge und Monitoring
Eine engmaschige und langfristige Nachsorge mittels Ohrmikroskopie und Audiometrie wird empfohlen. Bei Patienten mit offener Mastoidhöhle (Canal wall-down) ist eine regelmäßige Reinigung erforderlich.
Bei vielen Patienten wird eine Second-Look-Operation nach 6 bis 12 Monaten angeraten, um Residuen auszuschließen. Alternativ kann die Überwachung durch hochauflösende MRT-Bildgebung erfolgen.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie ist eine chirurgische Intervention kontraindiziert, wenn sekundäre Begleiterkrankungen (wie schwere kardiale oder pulmonale Erkrankungen) ein zu hohes Narkoserisiko darstellen. In diesen Fällen beschränkt sich die Behandlung auf eine symptomatische Kontrolle und regelmäßige Reinigung.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei einem Cholesteatom primär auf topische oder systemische Antibiotika zu vertrauen, da diese den destruktiven Prozess nicht aufhalten. Es wird betont, dass das primäre chirurgische Ziel ein sicheres und trockenes Ohr ist, während der Erhalt oder die Verbesserung des Gehörs erst an zweiter Stelle steht.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist das klassische Leitsymptom eine schmerzlose, persistierende oder rezidivierende Otorrhö, die oft übelriechend ist. Begleitend können Hörminderung, Schwindel oder ein Druckgefühl im Ohr auftreten.
Es wird primär ein hochauflösendes CT des Felsenbeins ohne Kontrastmittel empfohlen, um knöcherne Destruktionen zu beurteilen. Bei Verdacht auf intrakranielle Komplikationen oder zur postoperativen Kontrolle rät die Leitlinie zu einem diffusionsgewichteten MRT.
Die Leitlinie stellt klar, dass die chirurgische Entfernung die einzige definitive Behandlung darstellt. Konservative Maßnahmen lindern lediglich oberflächliche Infektionen, stoppen aber nicht das destruktive Wachstum des Plattenepithels.
Die Inzidenz einer Fazialisparese durch ein Cholesteatom liegt laut Leitlinie zwischen 1 % und 3,4 %. Sie entsteht meist durch direkte Kompression, Knochenerosion oder entzündliche Prozesse am Nervenkanal.
Es wird eine langfristige Überwachung mittels Ohrmikroskopie und Audiometrie empfohlen. Häufig ist nach 6 bis 12 Monaten eine Second-Look-Operation oder ein Kontroll-MRT erforderlich, um Rezidive frühzeitig zu erkennen.
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Quelle: StatPearls: Middle Ear Cholesteatoma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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