WHO2021

Maternale und perinatale Mortalität: MPDSR-Überwachung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2021) beschreibt die Implementierung von Systemen zur Überwachung und Reaktion auf maternale und perinatale Todesfälle (MPDSR). Ziel ist es, vermeidbare Todesfälle von Müttern, Totgeburten und Neugeborenen durch systematische Analysen zu reduzieren.

Der MPDSR-Prozess umfasst die Identifikation von Todesfällen, die Datenerhebung sowie die strukturierte Fallbesprechung. Daraus werden gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungsqualität abgeleitet.

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die Etablierung einer fehlerfreundlichen Kultur ("No Name, No Blame, No Shame"). Dies soll eine offene Fehleranalyse ohne Angst vor rechtlichen oder beruflichen Konsequenzen ermöglichen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den MPDSR-Prozess:

Etablierung von MPDSR-Komitees

Die Leitlinie empfiehlt die Einrichtung eines multidisziplinären Lenkungsausschusses auf Einrichtungsebene. Dieser Ausschuss ist für die Datenerfassung, die Fallbesprechungen und die Nachverfolgung von Maßnahmen verantwortlich.

Es wird empfohlen, klare Arbeitsanweisungen (Terms of Reference) und einen Verhaltenskodex für die Treffen festzulegen.

Identifikation und Datenerhebung

Laut Leitlinie sollen alle Todesfälle von Frauen im reproduktiven Alter systematisch erfasst werden, um maternale Todesfälle zu identifizieren.

Für die Datenerhebung wird die Nutzung standardisierter Formulare und die Einbeziehung verschiedener Quellen wie Patientenakten und Register empfohlen.

Bei perinatalen Todesfällen wird die Erfassung eines minimalen Datensatzes für alle Geburten und Todesfälle angeraten.

Durchführung der Fallbesprechungen

Die Leitlinie empfiehlt, Fallbesprechungen regelmäßig und zeitnah nach einem Todesfall durchzuführen.

Dabei sollen modifizierbare Faktoren identifiziert werden, die zum Tod beigetragen haben. Es wird empfohlen, diese Faktoren in folgende Ebenen einzuteilen:

  • Familien- oder patientenbezogene Faktoren

  • Administrationsbezogene Faktoren

  • Anwenderbezogene Faktoren (Provider)

Maßnahmen und Qualitätsverbesserung

Basierend auf den identifizierten Faktoren sollen laut Leitlinie SMART-Kriterien (spezifisch, messbar, angemessen, relevant, zeitgebunden) für Lösungsvorschläge angewendet werden.

Es wird empfohlen, die Umsetzung der Maßnahmen kontinuierlich zu überwachen und in bestehende Qualitätsverbesserungsprozesse zu integrieren.

Vermeidung einer Schuldkultur

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer "No Name, No Blame, No Shame"-Kultur. Zur Förderung dieser Kultur werden folgende Strategien empfohlen:

  • Anonymisierung von Falldaten und Berichten

  • Unterzeichnung von Vertraulichkeitsvereinbarungen durch alle Teilnehmer

  • Trennung des MPDSR-Prozesses von disziplinarischen oder rechtlichen Maßnahmen

  • Einbeziehung der Gemeinschaft zur Förderung von Vertrauen

MPDSR in humanitären Krisen

Die Leitlinie klassifiziert die Anwendung von MPDSR in humanitären Krisen nach verschiedenen Phasen:

PhaseMPDSR-ImplementierungFokus
Akute Phase (erste 6 Monate)Nicht empfohlenReine Erfassung von Todesfällen und Aufbau kritischer Gesundheitsdienste
StabilisierungsphaseEmpfohlenStärkung des Gesundheitssystems und Qualitätsverbesserung
FlüchtlingssettingsEmpfohlenIntegration in nationale Systeme und Zusammenarbeit mit Gastländern
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass MPDSR-Meetings niemals der Schuldzuweisung oder Disziplinierung von Personal dienen dürfen. Es wird darauf hingewiesen, dass eine fehlende Anonymität zu Untererfassung und defensiver Dokumentation führt. Daher wird die strikte Einhaltung von Vertraulichkeitsvereinbarungen als essenziell für den Erfolg des Audits beschrieben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist dies der Tod einer Frau während der Schwangerschaft oder innerhalb von 42 Tagen nach deren Beendigung. Die Todesursache muss im Zusammenhang mit der Schwangerschaft oder deren Behandlung stehen, darf aber nicht auf zufällige Ursachen zurückzuführen sein.

Es wird empfohlen, jeden maternalen Todesfall zu untersuchen. Bei perinatalen Todesfällen kann in großen Kliniken mit hohen Fallzahlen auch eine repräsentative Stichprobe für detaillierte Fallbesprechungen ausgewählt werden.

Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung der SMART-Kriterien für alle abgeleiteten Maßnahmen. Zudem wird angeraten, für jede Maßnahme eine verantwortliche Person sowie einen klaren Zeitrahmen festzulegen.

In der akuten Phase einer Krise rät die Leitlinie von der Implementierung eines vollständigen MPDSR-Systems ab; hier steht die reine Erfassung von Todesfällen im Vordergrund. Erst in der Stabilisierungsphase wird der Aufbau strukturierter Fallbesprechungen empfohlen.

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Quelle: Maternal and perinatal death and surveillance and response (WHO, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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