NICEA2024Urologie

LUTS beim Mann: Diagnostik, Therapie und OP-Indikation

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Symptome des unteren Harntraktes (LUTS) umfassen Speicher-, Entleerungs- und Postmiktionssymptome. Die häufigste Ursache bei Männern ist die benigne Prostatavergrößerung (BPE), die zu einer Obstruktion des Blasenauslasses führt.

Weitere mögliche Ursachen sind Detrusorschwäche, überaktive Blase, Prostatitis, Harnwegsinfektionen, Prostatakarzinom und neurologische Erkrankungen. Das Alter ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von LUTS, wobei die Prävalenz mit zunehmendem Alter steigt.

Obwohl LUTS in der Regel keine schweren Erkrankungen verursachen, können sie die Lebensqualität erheblich einschränken. Sie können zudem auf ernsthafte Pathologien des Urogenitaltraktes hinweisen, weshalb eine strukturierte Abklärung wichtig ist.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie CG97 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Männern mit LUTS:

Initiale Diagnostik

Es wird eine ausführliche Anamnese inklusive Überprüfung der aktuellen Medikation empfohlen, um mögliche Ursachen für LUTS zu identifizieren. Zudem wird eine körperliche Untersuchung des Abdomens, der äußeren Genitalien sowie eine digital-rektale Untersuchung (DRU) empfohlen.

Zusätzlich wird das Führen eines Miktionstagebuchs und ein Urin-Stix (Blut, Glukose, Protein, Leukozyten, Nitrit) empfohlen. Ein PSA-Test sollte nach entsprechender Aufklärung angeboten werden, wenn der Verdacht auf eine BPE besteht, die DRU auffällig ist oder der Mann besorgt über Prostatakrebs ist.

Die Leitlinie rät bei der initialen Beurteilung von unkomplizierten LUTS routinemäßig von folgenden Untersuchungen ab:

  • Zystoskopie

  • Bildgebung des oberen Harntraktes

  • Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie)

  • Bestimmung des Restharnvolumens

Klassifikation der Schweregrade

Die Leitlinie teilt die Symptomatik anhand des International Prostate Symptom Score (IPSS) ein:

SchweregradIPSS-Wert
Mild0 bis 7
Moderat8 bis 19
Schwer20 bis 35

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Therapie wird empfohlen, wenn konservative Maßnahmen erfolglos oder ungeeignet sind. Die Leitlinie empfiehlt folgende Wirkstoffklassen:

  • Alpha-Blocker bei moderaten bis schweren LUTS

  • Anticholinergika zur Behandlung einer überaktiven Blase

  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer bei einer Prostata >30 g oder einem PSA-Wert >1,4 ng/ml und hohem Progressionsrisiko

  • Kombinationstherapie (Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer) bei moderaten bis schweren LUTS und Prostata >30 g oder PSA >1,4 ng/ml

Bei nächtlicher Polyurie kann ein Schleifendiuretikum am späten Nachmittag oder orales Desmopressin erwogen werden. Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE5-Hemmer) sollen laut Leitlinie nicht ausschließlich zur Behandlung von LUTS eingesetzt werden.

Operative Therapie

Eine Operation wird bei schweren Entleerungsstörungen oder nach Versagen konservativer und medikamentöser Therapien empfohlen. Bei einer vermuteten BPE empfiehlt die Leitlinie:

  • TURP, TUVP oder HoLEP als Standardverfahren

  • TUIP bei einer Prostata <30 g

  • Offene Prostatektomie als Alternative nur bei einer Prostata >80 g

Management des Harnverhalts

Bei einem akuten Harnverhalt wird eine sofortige Katheterisierung empfohlen. Vor der Entfernung des Katheters sollte ein Alpha-Blocker verabreicht werden.

Bei chronischem Harnverhalt wird ein intermittierender Selbst- oder Fremdkatheterismus gegenüber einem Dauerkatheter bevorzugt. Zudem wird eine Bestimmung des Serumkreatinins und eine Bildgebung des oberen Harntraktes empfohlen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Penisklemmen: Dürfen bei Speicher-LUTS (insbesondere Harninkontinenz) nicht angeboten werden.

  • Homöopathie, Phytotherapie und Akupunktur: Sollen zur Behandlung von LUTS nicht angeboten werden.

  • Desmopressin: Bei Abfall des Serumnatriums unter den Normalbereich muss die Therapie abgebrochen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die routinemäßige Bestimmung von Serumkreatinin bei allen Männern mit LUTS. Die Leitlinie betont, dass eine Kreatininbestimmung (inklusive eGFR) in der initialen Diagnostik nur dann empfohlen wird, wenn ein konkreter Verdacht auf eine Nierenfunktionsstörung besteht, beispielsweise bei tastbarer Blase, nächtlicher Enuresis, rezidivierenden Harnwegsinfekten oder einer Anamnese von Nierensteinen.

Häufig gestellte Fragen

Eine Überweisung zur fachärztlichen Beurteilung wird empfohlen, wenn die Symptome nicht auf konservative oder medikamentöse Therapien ansprechen. Zudem sollte laut Leitlinie bei Komplikationen wie rezidivierenden Infekten, Harnverhalt, Nierenfunktionsstörungen oder Verdacht auf ein urologisches Karzinom überwiesen werden.

Die Leitlinie empfiehlt die offene Prostatektomie als Alternative zu transurethralen Verfahren (wie TURP oder HoLEP) ausschließlich bei Männern mit einer geschätzten Prostatagröße von über 80 g.

Es wird eine sofortige Katheterisierung empfohlen. Vor der geplanten Entfernung des Katheters sollte laut Leitlinie eine Therapie mit einem Alpha-Blocker eingeleitet werden.

Die Leitlinie rät explizit davon ab, Phytotherapie, Homöopathie oder Akupunktur zur Behandlung von LUTS bei Männern anzubieten.

Diese Kombination wird bei Männern mit moderaten bis schweren, störenden Symptomen empfohlen, wenn die Prostata schätzungsweise größer als 30 g ist oder der PSA-Wert über 1,4 ng/ml liegt.

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Quelle: CG97: Lower urinary tract symptoms in men (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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