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European Society of Thoracic Imaging2024RadiologiePneumologieNuklearmedizin

EIT bei Intensivpatienten: Leitlinie (ESTI 2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf European Society of Thoracic Imaging Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die EIT-Elektroden sollten bevorzugt im 4. bis 5. Interkostalraum mit direktem Hautkontakt platziert werden.
  • Änderungen der endexspiratorischen Lungenimpedanz (EELI) spiegeln Änderungen des Lungenvolumens wider, absolute Werte sind jedoch nicht zwischen Patienten vergleichbar.
  • Die PEEP-Titration kann mittels regionaler Compliance-Analyse (Costa-Ansatz) zur Minimierung von Überblähung und Kollaps erfolgen.
  • Für die Perfusionsmessung wird ein Bolus von 10 ml hypertoner Kochsalzlösung (5-10 %) mit einer Atempause von mindestens 8 Sekunden empfohlen.
  • Die EIT eignet sich zur Überwachung von Lagerungseffekten (z.B. Bauchlage), beim Weaning und zur Steuerung der V-V ECMO-Therapie.
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Hintergrund

Die Elektrische Impedanztomographie (EIT) ist ein nicht-invasives, strahlungsfreies Bildgebungsverfahren, das eine bettseitige Überwachung von Lungenventilation und -perfusion ermöglicht. Eine internationale Expertenkommission (RECCE-Gruppe) hat auf Basis einer systematischen Literaturrecherche 87 Konsensusempfehlungen für den Einsatz bei kritisch kranken erwachsenen Patienten erarbeitet.

Datenerfassung und Elektrodenplatzierung

Die korrekte Platzierung der EIT-Elektroden ist entscheidend für die Bildqualität und Vergleichbarkeit von Messungen.

EmpfehlungDetailsEvidenzgrad
Standardposition4. bis 5. Interkostalraum (ICR)B-2b
Alternative3. bis 4. ICR (z.B. bei Zwerchfellhochstand)B-2b
HautkontaktDirekter Kontakt ohne Zwischenlagen (Tücher, Schläuche)D-5
AdipositasBeeinflusst die Lungenkontur, aber nicht die dynamische ÜberwachungB-2b

Datenanalyse und EIT-Parameter

Für die Interpretation der EIT-Daten gelten standardisierte funktionelle Parameter. Absolute Werte können nicht zwischen Patienten verglichen werden (D-5).

ParameterKlinische BedeutungEvidenzgrad
EELI-ÄnderungSpiegelt Änderungen des endexspiratorischen Lungenvolumens widerB-2a
Tidale ImpedanzvariationKorreliert mit Änderungen des TidalvolumensA-1b
CoV (Center of Ventilation)Gewichtet die Ventilationsverteilung (ventro-dorsal / rechts-links)B-2b

PEEP-Titration und Beatmungseinstellung

Die EIT kann zur Individualisierung der mechanischen Beatmung genutzt werden, was das Potenzial hat, die Prognose bei ARDS-Patienten zu verbessern (A-1b).

  • Costa-Ansatz: Die PEEP-Titration sollte auf der Analyse regionaler Compliance-Änderungen basieren (B-3b).
  • Überblähung vs. Kollaps: Ein regionaler Compliance-Verlust bei höherem PEEP spricht für relative Überblähung, bei niedrigerem PEEP für relative Derekrutierung (B-3b).
  • Optimaler PEEP: Wird am Kreuzungspunkt der Kurven für relative Hyperdistension und relativen Kollaps definiert, abhängig von den klinischen Zielen (B-3b).

Perfusionsmessung (Kontrastverstärkte EIT)

Zur Analyse der regionalen Lungenperfusion wird die kontrastverstärkte EIT eingesetzt.

  • Kontrastmittel: Ein Bolus von 10 ml hypertoner Kochsalzlösung (5-10 %) wird empfohlen (B-2b).
  • Durchführung: Der Bolus sollte während einer Atempause von mindestens 8 Sekunden verabreicht werden (B-3b).
  • Einsatzgebiet: Detektion von Perfusionsdefekten bei Lungenembolie (B-2b) und V/Q-Mismatch verschiedener Ätiologien (B-2b).

Klinische Anwendungsgebiete

Die EIT hilft bei der Identifikation regionaler Ventilationsanomalien und der Therapiesteuerung.

IndikationEIT-Befund / Klinischer NutzenEvidenzgrad
PleuraergussPhaseninvertierte Impedanzänderungen in abhängigen LungenarealenB-2b
PneumothoraxVentilationsdefekt, Asymmetrie, phaseninvertierte Änderungen (nicht-abhängig)C-4
BauchlagerungQuantitative Evaluation von Ventilation, Perfusion und V/Q-MatchB-2b
WeaningBeurteilung regionaler Ventilationsänderungen bei SpontanatemversuchenB-2b
V-V ECMOIndividualisierung von PEEP und TidalvolumenB-3b

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der PEEP-Titration mittels EIT auf die relative Compliance-Änderung (Costa-Ansatz), um den optimalen PEEP zwischen Überblähung und Kollaps zu finden. Vergleichen Sie niemals absolute EELI-Werte zwischen verschiedenen Patienten.

Häufig gestellte Fragen

Standardmäßig im 4. bis 5. Interkostalraum mit direktem Hautkontakt. Bei Zwerchfellhochstand kann auf den 3. bis 4. ICR ausgewichen werden.
Mittels kontrastverstärkter EIT durch einen Bolus von 10 ml hypertoner Kochsalzlösung (5-10 %) und einer Atempause von mindestens 8 Sekunden.
Adipositas beeinflusst zwar die Lungenkontur im Bild, beeinträchtigt aber nicht die Fähigkeit der EIT zur kontinuierlichen und dynamischen Ventilationsüberwachung.
Nein, absolute Werte der endexspiratorischen Lungenimpedanz (EELI) können nicht zwischen Individuen verglichen werden. Es dürfen nur Änderungen vom Ausgangswert analysiert werden.

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