EIT bei Intensivpatienten: Leitlinie (ESTI 2024)
📋Auf einen Blick
- •Die EIT-Elektroden sollten bevorzugt im 4. bis 5. Interkostalraum mit direktem Hautkontakt platziert werden.
- •Änderungen der endexspiratorischen Lungenimpedanz (EELI) spiegeln Änderungen des Lungenvolumens wider, absolute Werte sind jedoch nicht zwischen Patienten vergleichbar.
- •Die PEEP-Titration kann mittels regionaler Compliance-Analyse (Costa-Ansatz) zur Minimierung von Überblähung und Kollaps erfolgen.
- •Für die Perfusionsmessung wird ein Bolus von 10 ml hypertoner Kochsalzlösung (5-10 %) mit einer Atempause von mindestens 8 Sekunden empfohlen.
- •Die EIT eignet sich zur Überwachung von Lagerungseffekten (z.B. Bauchlage), beim Weaning und zur Steuerung der V-V ECMO-Therapie.
Hintergrund
Die Elektrische Impedanztomographie (EIT) ist ein nicht-invasives, strahlungsfreies Bildgebungsverfahren, das eine bettseitige Überwachung von Lungenventilation und -perfusion ermöglicht. Eine internationale Expertenkommission (RECCE-Gruppe) hat auf Basis einer systematischen Literaturrecherche 87 Konsensusempfehlungen für den Einsatz bei kritisch kranken erwachsenen Patienten erarbeitet.
Datenerfassung und Elektrodenplatzierung
Die korrekte Platzierung der EIT-Elektroden ist entscheidend für die Bildqualität und Vergleichbarkeit von Messungen.
| Empfehlung | Details | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Standardposition | 4. bis 5. Interkostalraum (ICR) | B-2b |
| Alternative | 3. bis 4. ICR (z.B. bei Zwerchfellhochstand) | B-2b |
| Hautkontakt | Direkter Kontakt ohne Zwischenlagen (Tücher, Schläuche) | D-5 |
| Adipositas | Beeinflusst die Lungenkontur, aber nicht die dynamische Überwachung | B-2b |
Datenanalyse und EIT-Parameter
Für die Interpretation der EIT-Daten gelten standardisierte funktionelle Parameter. Absolute Werte können nicht zwischen Patienten verglichen werden (D-5).
| Parameter | Klinische Bedeutung | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| EELI-Änderung | Spiegelt Änderungen des endexspiratorischen Lungenvolumens wider | B-2a |
| Tidale Impedanzvariation | Korreliert mit Änderungen des Tidalvolumens | A-1b |
| CoV (Center of Ventilation) | Gewichtet die Ventilationsverteilung (ventro-dorsal / rechts-links) | B-2b |
PEEP-Titration und Beatmungseinstellung
Die EIT kann zur Individualisierung der mechanischen Beatmung genutzt werden, was das Potenzial hat, die Prognose bei ARDS-Patienten zu verbessern (A-1b).
- Costa-Ansatz: Die PEEP-Titration sollte auf der Analyse regionaler Compliance-Änderungen basieren (B-3b).
- Überblähung vs. Kollaps: Ein regionaler Compliance-Verlust bei höherem PEEP spricht für relative Überblähung, bei niedrigerem PEEP für relative Derekrutierung (B-3b).
- Optimaler PEEP: Wird am Kreuzungspunkt der Kurven für relative Hyperdistension und relativen Kollaps definiert, abhängig von den klinischen Zielen (B-3b).
Perfusionsmessung (Kontrastverstärkte EIT)
Zur Analyse der regionalen Lungenperfusion wird die kontrastverstärkte EIT eingesetzt.
- Kontrastmittel: Ein Bolus von 10 ml hypertoner Kochsalzlösung (5-10 %) wird empfohlen (B-2b).
- Durchführung: Der Bolus sollte während einer Atempause von mindestens 8 Sekunden verabreicht werden (B-3b).
- Einsatzgebiet: Detektion von Perfusionsdefekten bei Lungenembolie (B-2b) und V/Q-Mismatch verschiedener Ätiologien (B-2b).
Klinische Anwendungsgebiete
Die EIT hilft bei der Identifikation regionaler Ventilationsanomalien und der Therapiesteuerung.
| Indikation | EIT-Befund / Klinischer Nutzen | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Pleuraerguss | Phaseninvertierte Impedanzänderungen in abhängigen Lungenarealen | B-2b |
| Pneumothorax | Ventilationsdefekt, Asymmetrie, phaseninvertierte Änderungen (nicht-abhängig) | C-4 |
| Bauchlagerung | Quantitative Evaluation von Ventilation, Perfusion und V/Q-Match | B-2b |
| Weaning | Beurteilung regionaler Ventilationsänderungen bei Spontanatemversuchen | B-2b |
| V-V ECMO | Individualisierung von PEEP und Tidalvolumen | B-3b |
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der PEEP-Titration mittels EIT auf die relative Compliance-Änderung (Costa-Ansatz), um den optimalen PEEP zwischen Überblähung und Kollaps zu finden. Vergleichen Sie niemals absolute EELI-Werte zwischen verschiedenen Patienten.